Jersleber See l Es ist Freitagmittag um kurz vor 12 Uhr. Das Thermometer steigt auf 29 Grad, die Sonne brennt. Vor dem Tor des Jersleber Sees warten bereits etliche Gäste auf den Einlassbeginn. Die Autos schlängeln sich bis kurz vor Jersleben. Dann endlich öffnet das Tor und im nu füllt sich der Strand am Nordufer der ehemaligen Kiesgrube. „Jetzt sind 20 Minuten um und wir haben schon 240 Gäste“, sagt der Teamleiter des Erholungszentrums, Patrick Säuberlich.

Den großen Ansturm führt der Mitarbeiter nicht nur auf die hohen Temperaturen und die Ferienzeit zurück. „Sicherlich geht es auch darum, dass wir aktuell nur 1544 Badegäste hineinlassen dürfen. Das sind die Vorgaben des Gesundheitsamtes, die müssen wir ausführen“, betont Säuberlich.

Badegäste teils aggressiv

Dass er so viel Wert auf diese Aussage legt, kommt nicht von ungefähr. „Die Stimmung unter den Badegästen ist teilweise recht aggressiv. Einem der Hausmeister sind sogar Schläge angedroht worden“, erzählt der Teamchef. Er sei froh, die Männer von der Sicherheitsfirma auf dem Gelände zu wissen. Die müssen nun rund um die Uhr arbeiten. Wenn es abends um 20 Uhr für die Gäste heißt, das Gelände zu verlassen, würden er und seine Kollegen immer wieder beschimpft und beleidigt.

Karolin Braunsberger-Reinhold, zuständige Mitarbeiterin bei der Barleber Gemeindeverwaltung, bestätigt die Vorfälle am Jersleber, schickt aber voraus: „Die meisten Besucher benehmen sich gut. Das Verständnis für die Einschränkungen ist da und darüber sind wir froh.“

Das gesamte Erholungszentrum war Mitte März wegen des Corona-Ausbruchs gesperrt worden. Ob die Barleber Gemeindeverwaltung in diesem Jahr noch den Betrieb des Naherholungsgebietes starten konnte, stand in den Sternen. So hatte der Buschfunk vermeldet, die Verwaltung nehme von einer Öffnung in diesem Jahr wegen der Corona-Situation Abstand. Das hatte Kritiker auf den Plan gerufen. Bürger und Kommunalpolitiker forderten die Öffnung.

Am 30. Mai hatte Bürgermeister Frank Nase (CDU)in einem Volksstimme-Gespräch erklärt, das Naherholungsgebiet ab dem 2. Juni zunächst für Dauercamper zu öffnen. Außerdem ließ er durchblicken, den gesamten Betrieb des Naherholungszentrums schrittweise wieder hochfahren zu wollen, in Abhängigkeit von der pandemischen Entwicklung und weiteren Verordnungen.

Doch mehreren Ratsmitgliedern aus den Fraktionen FDP sowie SPD/Linke um Edgar Appenrodt (FWG/Grüne) war das nicht genug, sie reichten einen Antrag auf Einberufung einer Sondersitzung ein. Hier folgte die Mehrheit einer Beschlussvorlage der Fraktion FWG/Grüne, nach der der Jersleber See am 23. Juni für Tagesgäste zu öffnen sei.

Zäune und Tor beschädigt

Nun hatte das Rathaus ein finales Hygienekonzept zu erarbeiten und dem Gesundheitsamt des Landkreises vorzulegen. Von hier kam dann auch das Ok: Am 19. Juni öffnete das Kleinod für Kurzzeitcamper, am 23. Juni wurde wie gefordert mit einem Anbaden die Badesaison eröffnet.

Doch durften laut der Vorschriften zunächst insgesamt nur 962 Menschen zur gleichen Zeit auf dem Gelände des Naherholungsgebietes verweilen. Abzüglich der bereits 340 zugelassenen Personen des Dauercampingplatzes und der Kurzzeitcamper blieben somit nur 622 Tagesgäste.

Seit gut drei Wochen nun dürfen immerhin mehr als doppelt so viele Besucher auf das in der Region so beliebte Freizeitgelände. Dennoch sorgen die Auflagen immer wieder für Unmut. Den Einen sind die Öffnungszeiten zu eng bemessen. So steht das Tor täglich in der Zeit zwischen 12 und 20 Uhr offen. „Andere können oder wollen nicht nachvollziehen, dass wir wegen der coronabedingten Sicherheitsabstände weniger Gäste auf das Gelände lassen dürfen“, berichtet Karolin Braunsberger-Reinhold. So würden die Mitarbeiter des Jerslebers immer wieder verbal angegriffen. „Deswegen sind die Sicherheitsleute auch notwendig“, hebt sie hervor. Teils werde aggressiv ausgeteilt, „sogar mit Gewalt ist gedroht worden“, bestätigt sie die Aussagen des Teamleiters.

Doch die Männer vom Sicherheitsdienst würden die Mitarbeiter vor Ort auch am Tor unterstützen. „Die haben die Zugangsbeschränkungen voll im Blick, zählen also die Gäste, die auf das Gelände kommen. Die Zahl ist ja wegen der Abstandsregeln begrenzt.“ Damit setze die Gemeinde die Vorgaben des Gesundheitsamtes des Landkreises um.

Doch auch auf schriftlichem Wege werde der Ton rauer. Schon mehrere E-Mails mit unfreundlichem Inhalt habe die Verwaltungsmitarbeiterin erhalten. „Entweder Tor auf, oder wir verschaffen uns den Zugang“ soll ihr mitgeteilt worden sein. Auch um das Wissen von Schleichwegen wurde ihr berichtet.

Doch sorgt nicht nur das zwischenmenschliche Verhalten für Kopfschütteln. Denn um sich trotz der Beschränkungen Zugang zu verschaffen, seien tatsächlich Zäune aufgeschnitten und das Tor beschädigt worden. „Dabei mussten wir bisher nur am vergangenen Wochenende Gäste abweisen. Wir waren einfach voll“, sagt Braunsberger-Reinhold und fügt hinzu: „Es wird einfach nicht wahrgenommen, dass der See ein wirtschaftlicher Badebetrieb ist, der versicherungstechnischen Restriktionen unterliegt. Da können wir nicht außerhalb der Öffnungszeiten die Tore auflassen.“ Denn auch das werde immer wieder gefordert.

„Dennoch“, wiederholt die Mitarbeiterin, „sind wir dankbar, dass das Verständnis grundsätzlich da ist.“ Aber sei es traurig, von Sicherheitsleuten beschützt werden zu müssen.