Wolmirstedt l Noch sind die Handwerker in der ehemaligen Harnisch-Schule die Herren der Klassenzimmer. Sie legen neue Fußböden, reißen alte Deckenverkleidungen ab, überall stehen Farbeimer und liegen Fußbodenbelagrollen. Es sieht nach Arbeit aus, nach viel Arbeit. Und die muss in dreieinhalb Wochen erledigt sein, denn mit Beginn des neuen Schuljahres lernen dort Mädchen und Jungen der Gutenberg-Schule und des Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasiums. Am 15. August 2019 fängt der Unterricht wieder an.

Zwei Schulen unter einem Dach

Die Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ nutzt die ehemalige Harnisch-Schule schon lange als Außenstelle, die fünften bis siebten Klassen werden dort unterrichtet. Im kommenden Schuljahr wird diese Ausweichstelle noch viel dringender gebraucht, denn erstmals wird es an dieser Schule eine Abiturstufe geben. Das erfordert weitere Klassenräume.

Doch nun rückt auch noch das Gymnasium mit einigen Klassen in das eigentlich leerstehende Harnisch-Schulgebäude am Rande des Wohngebietes „Deutsche Einheit“ ein, denn im Kurfürsten-Schulhaus wird gebaut. Dort werden unter anderem Fenster und Türen, der Sonnenschutz und die Warmwasserversorgung generalüberholt.

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Gymnasium wird derzeit saniert

Für das Kurfürst-Gymnasium investiert der Landkreis 3,13 Millionen Euro. Davon muss er letztlich nur ein Viertel bezahlen, denn die Europäische Union fördert das Vorhaben mit 2,35 Millionen Euro, das entspricht 75 Prozent der Gesamtkosten. In sechs Bauabschnitten wird gearbeitet, die betroffenen Gebäudeteile werden leergezogen. Läuft es gut, ist im April alles fertig.

Mit Beginn des neuen Schuljahres heißt es dann also auch für die Lehrer des Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasiums, dass sie tagsüber zwischen zwei Schulgebäuden pendeln. Die Lehrer der Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ wissen schon lange, was das bedeutet, am Tag die Arbeitsstelle zu wechseln. Darüber äußern sie sich stets wenig begeistert.

Dennoch sollen sich Lehrende und Lernende im Übergangsschulhaus wohlfühlen. Dafür nimmt der Landkreis ebenfalls Geld in die Hand.

160.000 Euro für die Harnisch-Schule

Für den Trakt, der vom Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium genutzt wird, gibt der Landkreis 100.000 Euro aus, Fördermittel aus dem StarkIII-Programm federn die Investition ab. Die lange nicht genutzten Klassenräume bekommen neue Fußbodenbeläge und schöne Wände, in einigen Bereichen sind Trockenbauarbeiten erforderlich. Auch die Elektroanlage und die Beleuchtung sind in die Jahre gekommen und werden teilweise saniert. Damit modernes Lernen im digitalen Zeitalter auch in diesem Schulgebäude möglich ist, wird Netzwerktechnik installiert. Nicht zuletzt kümmern sich die Bauexperten auch um den Brandschutz.

Noch einmal 60.000 Euro werden für die Klassenräume ausgegeben, in denen die Gutenberg-Schüler lernen. Dort wird ebenfalls gemalert sowie ein neuer Fußboden verlegt.

Perspektivisch ist ohnehin angedacht, dieses Schulgebäude zu reaktivieren und als Grundschule „Johannes Gutenberg“ zu nutzen, dort sollen also die ersten bis vierten Klassen lernen. Seit gut fünf Jahren wird darüber gestritten.

Gebäude soll reaktiviert werden

Dafür müsste der Landkreis dieses Gebäude an die Stadt verkaufen und die Stadt ihr Gutenberg-Gebäude an den Landkreis. Dieser Tausch scheint jedoch eine komplizierte Angelegenheit zu sein, weil die Häuser unterschiedlich viel wert sind und noch andere Gründe hineinspielen, über die nachgedacht und verhandelt werden muss. Deshalb ist es notwendig, dass Stadt und Landkreis genaue Zahlen ermitteln, auf deren Grundlage überhaupt erst verhandelt werden kann.

Doch das ist ein anderes Kapitel, vorerst wird das Haus als Ausweichstelle benötigt und dafür klotzen die Handwerker mächtig ran.

Eigentlich sollten in diesem Jahr auch die Gehwege im Wohngebiet „Deutsche Einheit“ saniert und deshalb zwangsläufig aufgerissen werden. Doch aufgrund der Kostenexplosion der Baupreise wird diese Baumaßnahme erst im nächsten Jahr angepeilt. Die Straße ist erneuert und die Fußgängerstrecke zur Schule bleibt vorerst baustellenfrei.