Wolmirstedt l Ein Beispiel: Trainiert eine Handballmannschaft eine Stunde lang auf einem Feld der Halle der Freundschaft, zahlt sie dafür vier Euro an die Stadt. Gehören zu dieser Mannschaft sechs Spieler, ein Torwart und drei Ersatzspieler, also zehn Handballer, zahlt jeder von ihnen 40 Cent für diese Stunde. Im Behördenjargon nennt sich dieses Geld: Beteiligung an den Bewirtschaftungskosten für Sportstätten. Sportvereine zahlen also unter anderem für Wasser und Strom ein Stück weit dazu.

Dieses Geld möchten manche Sportvereine künftig nicht mehr in dieser Höhe bezahlen, Vereine, wie SV Kali, haben sich schon immer gewehrt. Viele Sportler hatten lediglich ein gewisses Verständnis entwickelt, solange der Stadthaushalt im Minus war. Doch nun ist er ausgeglichen und die Sportler möchten diese Beteiligung ab dem kommenden Jahr von vier auf drei Euro reduziert wissen, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren grundsätzlich freistellen. Das fordert Stern-Elbeu-Vorstandsmitglied Mathias Bergmann im Namen eines „Bundes der Vereine“ von Politik und Verwaltung.

Im Gegenzug ist der „Bund der Vereine“ bereit, auf die gerade ins Leben gerufenen Zuschüsse für die Kinder- und Jugendarbeit zu verzichten. Nach dieser Richtlinie können Vereine für jedes „ihrer“ Kinder pro Jahr zwei Euro Zuschuss beantragen.

Die Linken-Fraktion des Stadtrates möchte ebenfalls die Sportler entlasten, verfolgt aber einen anderen Plan. Sie möchten mehrere Personengruppen komplett von der Beteiligung an den Betriebskosten freistellen. Dazu zählen neben Kindern und Jugendlichen auch Schüler, Auszubildende, Studenten, Rentner, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, gesundheitlich Benachteiligte und Behinderte. Nach dem Willen der Linken sollen diese Personengruppen solange von den Kosten freigestellt werden, wie die Stadt schwarze Zahlen schreibt.

Stadtverwaltung ist dagegen

Die Stadtverwaltung möchte diesem Vorschlag nicht folgen. Bürgermeisterin Marlies Cassuhn und Finanzer Marko Kohlrausch haben dennoch einen Gegenvorschlag unterbreitet, können sich vorstellen, den Kostenanteil für Kinder und Jugendliche um die Hälfte zu senken.

Sie verteidigen außerdem die Richtlinie für die Kinder- und Jugendarbeit, denn mit den besagten zwei Euro pro Kind können Vereine nach eigenem Ermessen umgehen, also Sportgeräte anschaffen oder Kinder aus sozial schwachen Familien unterstützen. Außerdem helfen Kindern im Bedarfsfall Gelder aus dem sogenannten Bildungspaket.

Skeptisch sieht die Verwaltung den Linken-Vorschlag, auch die anderen aufgeführten Personengruppen zu befreien. Die genaue Festlegung des Personenkreises bedeute vor allem einen hohen Verwaltungsaufwand. Zudem sei unter anderem bei Rentnern nicht automatisch davon auszugehen, dass sie diese Kosten nicht aufbringen können, gegebenenfalls habe eine alleinerziehende Mutter zweier Kinder mehr Schwierigkeiten, das Geld zur Verfügung zu stellen. Der Status sage nichts darüber aus, welches Einkommen zur Verfügung steht, heißt es aus dem Rathaus.

Die Verwaltung sieht mit der Beteiligung an den Kosten zudem den Grundsatz gewahrt, dass nicht allein die Allgemeinheit die Kosten für die Sportstätten trägt, sondern die Nutzer ihren Teil beitragen. Würde auf die Einnahmen verzichtet, müssten an anderer Stelle bei freiwilligen Aufgaben 28000 Euro eingespart werden.

Der neue Stadtrat wird sich im September mit dem Thema befassen.