Wolmirstedt l Still ist es auf den Fluren der Gutenberg-Schule. Die Schülerinnen und Schüler sind fast alle nach Hause gegangen. Dafür drücken jetzt die Lehrer die Schulbank, sogar der Schulleiter sitzt mit im Klassenzimmer. Vorn steht Olaf Kleinschmidt, ein Computerpädagoge, und erklärt, wie das vielbeschworene digitale Lernen im Klassenzimmer tatsächlich aussehen kann.

Der Klassenraum ist verdunkelt, Olaf Kleinschmidt fährt mit dem Finger über eine weiße Wand. Der Finger malt eine Linie, so als bestünde er aus Kreide. Besteht er natürlich nicht, diese Linie lässt sich tatsächlich mit einem Finger erzeugen. Zumindest auf dieser riesigen interaktiven Wand, die im Klassenraum der Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ aufgespannt ist.

Digitales Lernen im Fokus

Solche Wände mit angekoppeltem Nureva Span System könnten die Zukunft in Klassenzimmern werden. Davon ist Helmut Thiel fest überzeugt. Der Leiter der Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ hat einige seiner Lehrer und Schüler eingeladen, sich mit dieser Technik vertraut zu machen. Computerpädagoge Olaf Kleinschmidt zeigt, was das System noch so bereithält.

Bilder

Er tippt auf ein Feld am Rande der Wand, ein Textfeld. Das zieht er - ebenfalls mit dem Finger - in die Mitte der Fläche. Dann wendet er sich seinem Laptop zu, tippt auf die Tastatur. Das Geschriebene erscheint in diesem Textfeld auf der Wand, ist jetzt für alle, die im Raum sitzen, sichtbar.

Interaktive Wand statt Tafel

Plopp, erscheint ein weiteres Textfeld mit einer Botschaft, die stammt allerdings nicht von Olaf Kleinschmidt, sondern von einer Lehrerin, die im Klassenraum sitzt. Sie hat sich mit ihrem Smartphone in das System eingeloggt und beteiligt sich nun ebenfalls am öffentlichen Beschreiben der interaktiven Tafel. Andere machen mit, sodass sich am Ende ein buntes Bild ergibt, ähnlich einer Sammlung bunter Zettel, die an eine Wand geklebt sind. Nur dass auf dieser Wand keinen echten Zettel kleben, sondern Bilder, die mit Computer erzeugt wurden.

So wie Zettel nach Gedankensträngen sortiert werden können, lassen sich die Textfelder ebenfalls auf der Wand hin- und herschieben. Per Finger - na klar. So lassen sich mit diesen „Zetteln“ Themen strukturieren, sichtbar für alle. Am Ende kann das Bild als Ganzes gespeichert werden, sodass es am nächsten Tag wieder zur Verfügung steht und daran weitergearbeitet werden kann.

„Für die Gruppenarbeit ist so eine interaktive Wand ein großer Vorteil“, meint Schulleiter Helmut Thiel, „da sich alle Schüler einloggen und mitmachen können.“ Auch die Schüchternen, die vielleicht nicht so gern reden, aber auf diese Weise ihre Ideen einbringen. Selbst Videos können darauf von jedem beteiligten Rechner aus abgespielt werden.

Gäste aus Österreich und Schweiz

Dieses System soll am Donnerstag, 26. Oktober, im Rahmen eines Fachtages weiteren 200 Lehrerinnen und Lehrer vorgestellt werden. Sie kommen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz in die Gutenberg-Schule.

Die zielt schon lange darauf ab, Lernräume digital zu gestalten, allein deshalb, weil Kinder zu Hause längst ganz selbstverständlich mit dem Computer groß werden, fast alle Schülerinnen und Schüler ein Smartphone besitzen.

Die Technik soll Bücher weder verdrängen noch ersetzen, sondern als ergänzendes Angebot dienen. Schule soll mit dem digitalen Alltag Schritt halten. Schließlich schlägt inzwischen wohl kaum jemand neue Begriffe mehr im Lexikon nach, sondern tippt fremde Worte einfach in eine Suchmaschine ein und bekommt prompt eine Antwort.

200 Lehrer erwartet

Helmut Thiel und sein Team stehen dafür, dass Internet und Computer in die Schule gehören. Damit werden Schüler von Anfang an auf ein Berufsleben vorbereitet, in dem der Umgang mit Computern längst zur Grundausstattung gehört.

Wie andere Länder die Digitalisierung in ihren Schulen vorantreiben, werden die Tagungsteilnehmer erfahren. Dazu referiert der Schweizer Professor Alexander Repenning, der Leiter Informatische Bildung an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Kathrin Kersting vom Landkreis Börde wird vermitteln, wie innovative Lernumgebungen in der Schule gestaltet werden.

Die Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ möchte mit diesem Projekt qualitativ voranschreiten. Erst im Juli wurde sie als stärkste Schule Deutschland ausgezeichnet.