Samswegen l Aber eigentlich ist in den letzten Monaten eben vieles anders.Die Grundschule im Kommunikationsweg ist am Montag 30 Jahre alt geworden. Doch die Corona-Pandemie hat den geplanten Festivitäten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun erinnern einige Protagonisten an den Ehrentag. Der mehrstöckige Schulbau in Samswegen ist etwas Besonderes. Nicht nur, weil er in den vergangen zwei Jahren von der Gemeinde saniert und umgebaut worden ist, sondern auch weil der damalige Neubau ein Projekt der Wendezeit ist. Die Baumaßnahmen erstreckten sich über zwei politische Systeme hinweg.

Viel Geschichte und viele Geschichten

„Ich erinnere mich noch gut an die Möbeltransporte“, erzählt Günter Bertram. Bereits seit Januar 1986 ist er der Hausmeister am Standort, sorgte also bereits in der Polytechnischen Oberschule im Flachgebäude nebenan, der heutigen Kita „Fuchsbau“, für Ordnung. Jahre vor der Fertigstellung des Schulgebäudes, also noch zu DDR-Zeiten, seien Möbel angeliefert worden. „Wir mussten nehmen, was wir kriegen konnten“, begründet der Hauswart. So seien Bänke und Stühle zunächst im Kino von Franz Haier eingelagert worden. „Die ganze Mannschaft, also auch die Lehrer, haben mit angepackt“, berichtet Günter Bertram weiter und ergänzt: „Allerdings waren viele der Möbel wegen zu hoher Feuchtigkeit über die Zeit aufgequollen.“

Die Schulgeschichte in Samswegen reicht bereits über 250 Jahre zurück. Zahlreiche Kinder wurden in mehreren Gebäuden im Ort unterrichtet. „Als ich 1960 nach Samswegen kam, wurde noch in mehreren Häusern gelehrt. Wir Lehrer mussten in den Pausen von Gebäude zu Gebäude fahren“, erinnert sich Horst Ratschke. 30 Jahre war er der stellvertretende Schulleiter in Samswegen, bevor er im Jahr 2003 in den Ruhestand ging. Somit war er einer der Protagonisten, die den Schulneubau vor rund 30 Jahren begleitete.

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1984 war Neubau bereits im Gespräch

Doch zuvor musste ein weiteres Gebäude her. Im Jahr 1968 zog in den neugebauten Flachbau im Kommunikationsweg die Polytechnische Oberschule „Erich Weinert“ ein. Von nun an konnten die Schüler in einem Haus im Ort unterrichtet werden.

Doch platzte die Schule bald aus allen Nähten, wie Horst Ratschke weiter erzählt. Bereits im Jahr 1984 hatte es erste Gespräche zwischen Schulleitung und Verantwortlichen des Rates des Bezirkes bezüglich eines Neubaus gegeben. Doch bis zum ersten Spatenstich sollten noch mehrere Jahre vergehen. Erst am 13. Oktober 1988 rollten Raupen aus Stahl auf ihren quietschenden Ketten im Kommunikationsweg ein. Die Arbeiter der PGH „Bau und Dach“ begannen mit den Tiefbauarbeiten. Während des mehr als drei Jahre andauernden Großprojektes mussten immer wieder Tiefschläge verdaut werden. So kam es im Dezember 1989 zu einem ungeplanten Zwischenspiel: Wegen eines Defektes havarierte die Heizungsanlage. Helfer der PGH sowie Heizungsbauer des Kreisbaubetriebes haben die Schäden beseitigt.

Im Januar 1991 war Schulneubau bezugsfertig

Am 11. Januar 1991 war es dann endlich soweit: Das neue Gebäude wurde an die Schüler, Lehrer und das technische Personal übergeben. Allerdings mussten nun zwei Schulen parallel existieren. Denn mit der politischen Wende kam auch ein neues System. Somit wurden Schüler der neuen Grundschule im Neubau und die Schüler der ebenfalls neuen Sekundarschule im alten Flachbau nebenan betreut. Während sich die Fachkabinette der Sekundarschule allerdings ebenfalls im Neubau befanden, war das Sekretariat der Grundschule im alten Flachbau zu finden. Erst seit dem Jahr 2005 haben die Grundschüler das Gebäude für sich alleine. „Wir sind viel hin- und hergezogen“, erinnert sich Birgit Radtke. Die Lehrerin ist seit 1987 an der Schule und führt sie seit 1991 als Grundschulleiterin.

„Anfangs wurden 170 Schüler in dem großen neuen Gebäude unterrichtet“, sagt die Schulleiterin weiter. Wegen der geburtenschwachen Jahrgänge waren es Ende der 1990er Jahre jedoch nur noch rund 50 Mädchen und Jungen.

Erinnerungen nur an gute Zeiten

„Meine Kinder hatten von allen den kürzesten Schulweg. Sie sind hier nämlich groß geworden“, erzählt unter dessen Günter Bertram. 25 Jahre hat er in der Hausmeisterwohnung unter dem Dach gelebt. Das sei überhaupt kein Problem gewesen, das gesamte Team habe über die Jahre zusammengestanden. „Ich kann mich eigentlich nur an gute Zeiten erinnern. Zumindest haben wir immer das Beste draus gemacht.“ Es sei auch viel gemeinsam mit den Schülern unternommen worden. „Wir haben nach dem Einzug Kübel bepflanzt. Die Pflanzen stammten zumeist aus privaten Beständen“, erinnert er sich weiter. Ärger wegen mutwilliger Zerstörung habe es übrigens nur sehr selten gegeben.

Auch den ehemaligen Förderverein hebt Bertram hervor. Auf dessen Initiative seien beispielsweise gemeinsam über 200 Bäume gepflanzt worden. Die Umsetzung des Projektes „Arboretum“ wurde über Fördermittel eines großen Kosmetikkonzerns möglich.

Zusammenarbeit hat immer Spaß gemacht

Im Jahr 2001 ist der Grundschule zum zehnjährigen Jubiläum der Name „Am Heiderand“ verliehen worden, erinnert sich Schulleiterin Birgit Radtke. Und sie betont die seit jeher engen Kontakte zum Naturschutzbund und die vielen Projekte, die mit den Schülern durchgeführt wurden. Für eines, nämlich die Errichtung eines kleinen Energiesparhauses mit Solarzellen auf dem Dach, gab es sogar die Auszeichnung „Energiesparmeister“ für das beste Klimaschutzprojekt an Schulen des Jahres 2015 durch das Bundesumweltministerium.

Birgit Radtke hebt zudem das „konstante Kollegium“ hervor. „Die Zusammenarbeit hat immer Spaß gemacht. Und die Kollegen sagen, dass sie sich hier immer wohl gefühlt haben“, berichtet die Leiterin.

" Ich fühlte mich immer gut aufgehoben.ȁ

Und was sagen die Schüler? Eine von jenen hunderten Mädchen und Jungen, die in den vergangenen 30 Jahren die Grundschule besucht haben, ist Laura Busch. Von 1984 bis 1988 war sie hier und hat „viele schöne Erinnerungen. Ich fühlte mich immer gut aufgehoben.“ Ihre Klassenlehrerin Heike Michalak sei stets sehr nett gewesen. „Ich treffe sie heute noch. Dann erzählt sie viele Geschichten von damals und freut sich, was aus ihren Schülern geworden ist.“ Dass Laura Busch heute als Dramaturgin am Magdeburger Schauspielhaus arbeitet, sieht sie auch in der Zeit an der Samsweger Schule begründet. Hier hätten sich die Schüler kreativ ausleben können.

Indes fällt der ehemaligen Schülerin eine Anekdote ein. So habe sich während der Zeit der Girl-Bands eine Mädchen-Clique gebildet. Natürlich war auch sie dabei. „Wir haben in den Pausen viel gesungen“, erzählt die Ehemalige. Während eines Auftrittes haben sie einen Song der deutschen Mädchen-Band „Tic Tac Toe“ zum Besten gegeben. „Die Texte waren allerdings nicht unsrem Alter entsprechend. Ich erinnere mich noch genau, wie einigen Eltern die Kinnladen heruntergeklappt sind.“

Jubiläumsfest soll nachgeholt werden

Solche und ähnliche Begebenheiten könnte auch Schulleiterin Birgit Radtke noch mehr erzählen. Doch das wiegt das ausgefallene Geburtstagsfest nicht auf. Als Geschenk wertet sie immerhin die Fertigstellung des nunmehr umgebauten und sanierten Gebäudes. Seit Schuljahresbeginn können die etwa 110 Mädchen und Jungen wieder hier unterrichtet werden.

Dennoch soll ein dem Jubiläum entsprechendes Fest nachgeholt werden – sobald es die neuen Verordnungen zulassen. Dann soll es in einer Wanderung in Richtung Wald gehen – also direkt an den Heiderand. Bei einem Picknick sollen Menschen aus ihren Erinnerungen aus der Grundschule erzählen, Erinnerungen aus den nun immerhin schon vergangenen 30 Jahren.