Wolmirstedt l Derzeit gibt es in Schulen kleine Klassen und es gibt Lehrer, die sich über das Internet mit den Kindern austauschen. Im Klassenzimmer der 3b der Diesterweg-Grundschule sitzen nur wenige Kinder an den Tischen. Sie erledigen ihre Aufgaben hochkonzentriert. Dennoch: Von der üblichen Schulatmosphäre ist nicht viel zu spüren. Der übliche Frontalunterricht, das Fingerschnipsen, das Tuscheln mit dem Nachbarn gibt es nicht. Die Kinder sitzen meist einzeln, kommen nur zusammen, wenn sie über die Aufgaben sprechen möchten. Masken haben sie stets griffbereit. Tony, Marylou und die anderen besuchen die sogenannte Notbetreuung. Die bieten Schulen und Kitas für diejenigen Kinder an, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten.

Auch Lehrer müssen neues Lernen

Alle anderen sind zu Hause und versuchen die Aufgaben im heimischen Zimmer zu erledigen. Das fordert den Familien, aber auch den Lehrern neues Lernen ab.

Marylou löst Rechenaufgaben, während Tony sich der Fortsetzung einer Geschichte widmet. Beide gehören zu einer Kohorte, so werden die Gruppen genannt, in denen die Kinder in der Schulzeit zusammenbleiben. In der Diesterweg-Grundschule bilden Kinder einer Klassenstufe eine Kohorte. Sie können sich auch ohne Maske im Unterricht begegnen.

Kohorten sind im Flur mit Maske unterwegs

Anders wird es gehandhabt, wenn Kinder unterschiedlicher Kohorten beispielsweise auf dem Flur zusammentreffen. Dann ist eine Maske unerlässlich.

In der Diesterweg-Grundschule besuchen derzeit lediglich 24 Kinder den Unterricht, das ist etwa jedes zehnte Kind. Schulleiterin Ines Vogler rechnet damit, dass es in der kommenden Woche mehr werden. Das hat sich aus den Telefonaten mit den Eltern bereits herauskristallisiert.

Zu Hause lernen heißt online lernen

Diejenigen, die zu Hause lernen, bekommen ihre Aufgaben online. Das stellt Lehrerinnen und Lehrer vor die Herausforderung, sich mit der Technik zu beschäftigen. Im Zuge des erneuten Lockdowns ist es unerlässlich, dass Pädagogen zu festgelegten Zeiten mit den Kindern chatten.

In der Gutenberg-Grundschule gehört das Online-Lernen seit der ersten Corona-Welle bereits zur Grundausstattung. Ab März hat sich das gesamte Lehrerkollegium Stück für Stück mit Online-Videokonferenzen vertraut gemacht. Der Umgang damit ist längst vertraut. „Unsere Dienstberatungen am Montagnachmittag halten wir schon lange als Videokonferenz ab“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Manuela Weiß.

ABC-Schützen bald auch online?

Davon profitieren auch die Kinder, selbst die ABC-Schützen sollen an das System herangeführt werden. „Wir werden versuchen, auch in den ersten Klassen mit einer Videokonferenz zu starten“, hofft Manuela Weiß auf ein gutes Lernen der gerade eingeschulten Kinder.

Vor allem die Klassenlehrer sind mit den Kindern online im Kontakt, die Kinder die persönlich in die Schule kommen, werden von Fachlehrern, pädagogischen Mitarbeitern und Bundesfreiwilligen betreut. Auch Manuela Weiß geht davon aus, dass in der kommenden Woche mehr als die derzeit 25 Kinder zur Notbetreuung in die Schule kommen werden.

Nachfrage wird wohl bald steigen

Auch der Hort bietet eine Notbetreuung an. Kinder können den Frühhort zwischen 6 und 7.30 Uhr weiterhin besuchen, an der Diesterweg-Grundschule am Nachmittag ab 13 Uhr, an der Gutenberg-Grundschule ab 14 Uhr. Auch da benötigen Eltern einen Nachweis, dass sie in systemrelevanten Berufen arbeiten.

So wie die Schulkinder den Unterricht anders als gewöhnlich erleben, hat sich auch die Hortbetreuung verändert. In „normalen“ Zeiten spielen die Hausaufgaben die erste Geige, doch derzeit bekommen die Kinder kaum Hausaufgaben auf. „Wir legen viel Wert auf frische Luft“, sagt Hortleiterin Britt Engel. Nach der Schule bleibt den Kindern erst einmal viel Zeit zum Toben. Der Schulhof bietet viele Spiel- und Sportmöglichkeiten.

Im Hort sind zur Zeit nur 20 von 180 Kindern

Doch auch in den Horträumen können Kinder frei wählen, womit sie sich beschäftigen möchten. Zurzeit sind Spielzeuge, die seit Weihnachten vorhanden sind, der große Hit. Hortleiterin Britt Engel beobachtet die Freude der Kinder auch mit einem weinenden Auge. „Schade, dass nur so wenige Kinder damit spielen können.“ Sie hätte gern bei all ihren Hortkindern die Freude miterlebt.

Trotzdem ist sie froh, dass derzeit nur knapp über 20 der sonst 180 Kinder kommen. „Gut, dass soviele Eltern ermöglichen können, dass die Kinder zu Hause betreut werden.“ Doch auch Britt Engel rechnet damit: „In der nächsten Woche kommen mehr.“ Gespräche mit Eltern zeigen einen steigenden Bedarf.