Wolmirstedt l Corona ist in Wolmirstedt angekommen. Das teilt Bürgermeisterin Marlies Cassuhn mit. Doch auch zuvor wurde das öffentliche Leben heruntergefahren. Kinder, die auf Spielplätzen miteinander toben, wird es für lange Zeit nicht geben.

Am Dienstagabend herrschte auf dem Glindenberger Spielplatz reger Betrieb. Kinder tobten, Eltern standen in Gruppen beieinander. Solche Szenarien waren auch da schon kreuzgefährlich. Jeder ist aufgerufen, auf Distanz zu gehen, damit die Ansteckungskette unterbrochen wird. Nun hat die Stadtverwaltung - mit der Verordnung der Landesregierung im Rücken - durchgegriffen: Spielplätze sind mit Flatterbändern abgesperrt. Niemand darf sich darauf aufhalten, weder Eltern noch Kinder.

Regale weiterhin verwaist

In den Supermärkten sind die Regale, in denen sich sonst Toilettenpapier und Nudeln stapeln, weiterhin verwaist. Neue Ware wird förmlich aus den Händen gerissen. Nach Edeka gehen nun auch Rossmann und andere Märkte dazu über, begehrte Ware nur noch in handelsüblichen Mengen abzugeben, drei Pakete Nudeln pro Familie beispielsweise. Nach Toilettenpapier sind auch Mehl und Seife heiß begehrt.

Großer Andrang herrschte in der Apotheke. Viele Menschen haben sich mit Medikamenten eindecken wollen, weiß Apothekerin Heike Fuldner-Moser, unter anderem Schmerzmittel waren nachgefragt. Die Apotheker haben auf ein vernünftiges Maß geachtet. Inzwischen habe sich die Lage beruhigt.

An der Adler-Apotheke arbeiten die Mitarbeiter mittlerweile hinter Plexiglas, ebenso die Kassiererinnen im E-Center im Lindenpark.

Geschäfte geschlossen

Im Lindenpark haben seit gestern die SB-Halle, Deichmann und Kik geschlossen, ebenso der Blumenladen. Ein ähnliches Bild bietet sich in der Wolmirstedter Innenstadt. Auch dort blieben alle Einzelhändler-Türen zu, für die keine Ausnahmegenehmigung gilt.

Der Frischemarkt wurde abgehalten, er ist auch in der kommenden Woche offen. Dann gibt es allerdings nur noch Frischwaren und keine Kleidung oder Blumen mehr.

Bürgermeisterin Marlies Cassuhn wendet sich an die Bevölkerung: „Panische Reaktionen, Hamsterkäufe und andere Verhaltensweisen sind nicht geeignet, auf die derzeitige Notsituation zu reagieren. Nur, wenn alle akzeptieren, dass sich Einzelreaktionen auf die gesamte Bevölkerung auswirken, kann es gelingen, Ausgangssperren und weitere drastische Maßnahmen zu vermeiden.“

Menschen wahren Abstand

Auf dem Wochenmarkt, in den Schlangen an der Kasse und bei freundschaftlichen Gesprächen war bereits gestern zu beobachten, dass die Menschen Abstand wahren, Wert legen auf Distanz.

Darauf wird derzeit auch in den Kindertagesstätten geachtet. Zurzeit besuchen noch 25 Kinder die Wolmirstedter Kitas, werden „notbetreut“. Die anderen 863 Kinder konnten privat untergebracht werden. Die Bürgermeisterin bedankt sich ausdrücklich bei den Eltern für das Verständnis und Engagement. Wer sein Kind zu Hause lässt, muss für April keine Beiträge bezahlen.

Was aber können Eltern mit ihren Kindern unternehmen, wenn es gefährlich wird, mit anderen zusammenzusein?

Franziska Krafczik kann einen Hof nutzen und sieht sich damit in einer glücklichen Lage. Sie betreut nicht nur ihre beiden Kinder, sondern auch den Neffen Leon, der eigentlich in Waren an der Müritz lebt. Sie zeigt, wie solch alte Spiele wie Zielwerfen mit Ringen funktionieren und wird nicht müde, die kleine Hannah auf der Schaukel anzuschubsen. Und sie betont: „Natürlich lernt Leon auch für die Schule.“