Wolmirstedt l Im verflixten siebenten Jahr, wo andere Paare sich trennen, machte Andy seiner Sabrina nach sieben gemeinsamen Jahren, vielen Erlebnissen und auch durchgestandenen Krisen einen Heiratsantrag. Aus einer Freundschaft wurde über viele Zwischenstationen die Liebe ihres Lebens. Sabrina sagte „Ja“ und der Termin war gebucht. Geplant war die Hochzeit für den 16. Mai dieses Jahres. Dann kam die Pandemie und mit ihr eine Beschränkung nach der anderen, schließlich der Lockdown - „rien ne va plus“ - nichts geht mehr. Und zwar nicht nur am Roulette-Tisch, sondern auch im wahren Leben. Nun wurde es jedoch selbst dem tiefenentspannten Pärchen zu anstrengend, unter all diesen Beschränkungen, ja vielleicht sogar mit Maske zu heiraten. Sie sagten den Termin ab.

11. November als Termin

Die Zeit ging ins Land, Corona blieb. Erneute Beschränkungen, Kontaktsperren, wieder Teillockdown. Ganz konkret fürs Heiraten hieß das: keine Verwandten und Freunde im Standesamt, kein Fotograf, keine Gratulationen und Umarmungen von Gästen. Dazu Maskenpflicht sogar bis zur Tür zum Trauzimmer. Das ist nicht schön und warf die Frage auf, ob das noch eine Hochzeit ist, die man begehen möchte? Das junge Ehepaar bejahte die Frage gemeinsam, trotz aller Einschränkungen wollten sie nun endlich Mann und Frau sein. „Wir haben nicht für andere geheiratet, sondern weil wir uns lieben und dafür brauchten wir keine Show“, erzählt Andy Franz. Und seine Frau fügt dem Statement ihres Mannes für die Liebe hinzu: „Ob wir nun mit 5, 15 oder 100 Gästen geheiratet hätten, an der Sache selbst und vor allem unserer Liebe ändert das nichts.“

Zeitnot dank Handwerkern

Der Hochzeitstag war also von Corona „gekrönt“ und diese virale Energie zog sich durch den ganzen Tag. Pannen über Pannen reihten sich schnurgerade auf. Als ob all die Beschränkungen nicht schon genug gewesen wären, kündigten sich für diesen Tag auch noch die Haustechniker an, um morgens die Wasseruhren zu wechseln. Indiskutabel und unumstößlich, wie es sich für gute Bürokratie gehört. „Wir fanden das erst nicht so problematisch, da der Termin gleich 8 Uhr stattfinden sollte. Wir waren ja sowieso hier und Make up und Haare habe ich allein gerichtet, bis 11 Uhr sollte das kein Problem sein“, erinnert sich die frisch vermählte Frau. Diese Unkompliziertheit und Natürlichkeit schätzt und liebt ihr Mann auch an ihr, dass sie selbst am Hochzeitstag keine drei Stunden vor dem Spiegel verbrachte.

Die Uhr tickte und die Dusche vor dem großen Ereignis musste warten, denn die Haustechniker waren erst weit eine Stunde nach dem vereinbarten Termin da. „Nun wurde es aber doch ganz schön eng“, so Andy Franz. Aber er sah es ganz gelassen: „Was sollte passieren? Ohne uns hätten sie auf dem Standesamt ja sowieso nicht angefangen.“ Trotz der morgendlichen Handwerkersession war das Paar dann pünktlich im Standesamt. Begleitet wurden sie nur von ihren Müttern und der Oma des Bräutigams. „Meine Oma ist eine wichtige Bezugsperson in meinem Leben, ich wollte sie unbedingt dabei haben“, erzählt der Ehemann. Die Prozedur war wie bei allen anderen Eheschließungen auch, es fehlten nur die Gäste. Und das Licht, was partout nicht angehen wollte. Und auch die Musikanlage streikte, als die vorher sorgfältig ausgesuchten Titel abgespielt werden sollten. Hochzeitsfotos gab es mit dem Handy, was auch erst nicht so richtig wollte. Als ob die Technik die Ernsthaftigkeit dieser Liebe noch einmal hinterfragen wolle.

Eine kleine Überraschung

Aber da gab es nichts zu hinterfragen, die beiden haben die Ringe gewechselt, Ja gesagt und sich geküßt. „Klar, mit nur fünf Personen im Standesamt, einschließlich unserer Standesbeamtin Frau Wiedemann, war es doch ganz schön leer“, ein bisschen Wehmut schwingt in der Stimme von Sabrina Franz. Nach der Eheschließung wartete zumindest eine kleine Überraschung auf das Ehepaar.

Der Stiefvater des Bräutigams und seine beiden Kinder warteten mit einem Herzluftballon draußen und warfen glücksbringenden Reis für das Brautpaar. Acht Personen an der frischen Luft waren ja auch erlaubt. Weder erlaubt noch möglich war jedoch ein gemeinsames Essen. Nicht im Restaurant und auch nicht zu Hause, denn es waren Personen aus mehreren Haushalten. Also löste sich die kleine Gesellschaft nach der Eheschließung wieder auf und das Ehepaar verbrachte den Rest des Tages allein zu Hause.

„Wir schnitten gemeinsam unser Törtchen an, packten unsere Geschenke aus und waren trotz allem glücklich“. Der Brautstrauß blieb zum Trocknen, es gab ja niemanden, der ihn hätte fangen können. Abends gab es noch einen Hochzeitsdöner, der nun traditionell jedes Jahr am Hochzeitstag gegessen werden soll. Sabrina Franz: „Das hat auch den Hintergrund, dass wir unsere Ernährung umgestellt haben und uns bewusst dafür entschieden haben, weniger Fleisch zu essen. Dieser Döner war also etwas sehr Besonderes und darf einmal im Jahr auf den Tisch.“

Das Leben führt Regie

Als Resümee dieses sehr ungewöhnlichen Hochzeitstages sind sich Sabrina und Andy einig, dass sie diesen Tag nicht missen wollen und sie eben das Beste aus den Gegebenheiten gemacht haben. „Dinge passieren nun mal und nicht immer haben wir Einfluss darauf und dann muss man das Leben eben nach der Regie leben, welche das Leben selbst führt.“ Für die Zeit nach Corona, wenn wirklich irgendwann mal alles vorbei ist, wünschen sie die beiden noch einmal eine freie Trauung. Auf einer bunten Sommerwiese unter strahlend blauem Himmel, mit ihren Lieblingsmenschen, einem Hochzeitskleid und ganz viel Herzklopfen.