Barleben l Den entscheidenden Anruf hatte die Schulleitung bereits am vergangenen Freitag erreicht, noch vor Ankunft der 27 Schüler aus dem Ski-Lager in Südtitrol. „Erst hat sich die für Schulen verantwortliche Stelle beim Landkreis gemeldet und kurze Zeit später das Gesundheitsamt des Landkreises“, berichtet Schulleiter Michael Kleinen auf Volksstimme-Nachfrage. Geforderte Daten seien sogleich an die Behörden weitergeleitet worden. Ergebnis: „Während einer Telefonkonferenz erhielten wir die Handlungsanweisung, dass alle Teilnehmer des Ausfluges in häuslicher Quarantäne verbleiben müssen“, berichtet der Direktor weiter. Das betreffe zwei Lehrer, ein Elternteil sowie 27 Schüler, darunter bis zu zehn Mädchen und Jungen aus Magdeburg. Damit habe das Gesundheitsamt die Verantwortung übernommen.

Laut Kleinen habe unabhängig von dem Vorgang ein Schüler über leichte Erkältungssymptome geklagt. Ein Test auf das neuartige Corona-Virus sei jedoch negativ ausgefallen. „Trotzdem besteht das Gesundheitsamt auf seine Handlungsanweisung“, berichtet der Schulleiter weiter und versteht dies als reine Vorsichtsmaßnahme. Auch die anderen Schüler seien seines Wissens nach getestet worden, bei keinem wurde das Virus festgestellt.

Schulbetrieb gesichert

Der Schulbetrieb ist unterdessen gesichert. „Bei uns gibt es keine Einschränkungen“, sagt Michael Kleinen. Die Zusammenarbeit mit den Behörden klappe gut, das Management verlaufe reibungslos. „Die Handlungsfähigkeit wird ja nicht besser, wenn jeder Einzelne dort anruft und nachfragt“, meint der Schulleiter.

Und doch wird die Epidemie vor weiteren Projekten der Schule wohl nicht Halt machen. Denn wie der Schulleiter berichtet, wird das Exklusivangebot der sogenannten „Weltbürgerreisen“ zumindest eingedampft. Diese Reisen führten bisher nicht nur in europäische Staaten, sondern auch in die USA, nach Nordafrika und nach China. Dabei bewegen sich die Schüler abseits touristischer Pfade, treffen sich mit Schülern in den jeweiligen Ländern, nehmen dort am Unterricht teil und wohnen bei Gastfamilien. „Diese Reisen werden ausfallen oder aber zumindest verschoben“, erklärt der Schulleiter. Am Mittwoch, 11. März, soll es dazu eine Elternversammlung geben und eine endgültige Entscheidung getroffen werden.

Unterdessen wird Kritik am Handeln des Gesundheitsamtes laut. „Das Krisenmanagement kann ich nicht nachvollziehen“, berichtet Carola Maletzki, Großmutter eines der betroffenen Schüler. So waren die Ausflügler am Freitagabend mit dem Bus aus Südtirol zurückgekommen. „Während die Schüler und Lehrer in Halle und anderen Orten von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes noch im Bus begrüßt und sofort aufgeklärt wurden, war in Barleben niemand vor Ort“, sagt die Volksstimme-Leserin und fügt hinzu: „Es kam nur die Information, dass alle Schüler zu Hause bleiben müssen und die Wohnungen nicht verlassen dürfen.“

Gesundheitsamt nicht erreichbar gewesen

Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in der Börde seien bereits am Freitagnachmittag nicht erreichbar gewesen, obwohl eine extra eingerichtete Hotline darüber informiert habe, sich bei Bedarf dort zu melden. „Auch ein Schüler aus dem Jerichower Land war mit auf der Reise. Bei der Ankunft wurde er gleich von den Mitarbeitern des dortigen Gesundheitsamtes in Empfang genommen“, berichtet Carola Maletzki weiter.

Warum jedoch Eltern und Geschwister weiterhin zur Arbeit beziehungsweise zur Schule gehen dürfen, kann die Großmutter nicht verstehen. „Mal angenommen, eines der Kinder hat das Virus und steckt die Angehörigen an. Dann kann sich Corona ja munter ausbreiten.“

Und die Information, dass alle Schüler mittlerweile getestet seien, kann sie nicht nachvollziehen. Denn der Vater eines Mitschülers ihres Enkels habe noch am Dienstag das Gegenteil erzählt. Dass ihr eigener Enkel getestet wurde, sei nur dank des Engagements der Mutter des Kindes geschehen. Die Hausärztin habe das veranlasst.

 „Ein Test hat nur Sinn, wenn die Betroffenen Krankheitssymptome zeigen“, ließ das Gesundheitsamt über den Pressesprecher des Landkreises Börde, Uwe Baumgart, auf Volksstimme-Nachfrage schriftlich mitteilen. Deshalb seien die Angehörigen nicht zur Absonderung, sich also in häusliche Quarantäne zu begeben, aufgefordert worden.

Zudem bestätigte die Behörde, dass Eltern und Angehörige von gesunden Schülern tatsächlich nicht zu Hause bleiben müssen. Die Quarantäne selbst dauere 14 Tage. Schwere Verläufe seien bei Kindern und Jugendlichen bisher nicht bekannt.

Bei Fragen können sich Betroffene per E-Mail oder unter der Rufnummer 03904/7240 25 51 an das Gesundheitsamt wenden. Anrufer sollten Geduld mitbringen, die Mitarbeiter rufen zurück.