Wirtschaft

Dachdecker-Meisterprüfung für Ackendorfer erst einmal aufgeschoben

Mit seinen 23 Jahren ist der Ackendorfer Toni Plate einer der Jüngsten in seiner Klasse und als Dachdecker gerade auf dem besten Weg in Richtung Meistertitel. Doch Corona bremst ihn und viele seiner Schul-Kollegen aus und stellt auch die Handelskammern vor unerwartete Probleme.

Von Lars Koch
Foto: Lars Koch

Ackendorf

Eigentlich hätte alles so schön sein können, eigentlich würde Toni Plate schon in eineinhalb Wochen wieder die Schulbank drücken und eigentlich ist der Meisterbrief schon greifbar nahe. Doch nun kommt es eben alles ein wenig anders, denn für den Dachdecker, der bei der Kreishandwerkerschaft in Braunschweig auf dem besten Weg ist, seinen Meisterbrief zu erlangen, wird nun alles noch einmal neu geplant.

Teil eins und zwei der Meisterprüfung, das Praktische und Fachtheorethische, hat der Ackendorfer, der als Dachdecker in die Fußstapfen seines Vaters tritt, bereits mit Bravour bestanden. Er fertigte eine eingebundene Biberkehle, dazu musste eine Kalkulation nebst Angebot erstellt werden. Das passte alles, die Prüfer zeigten sich zufrieden. „Vom 19. April bis zum 7. Juni standen Teil drei und vier der Meisterprüfung im Kalender, aber das wird nun nichts“, so Plate.

Ende letzten Monats teilte ihm die Kreishandwerkerschaft Braunschweig mit, dass sein theoretischer Meisterkurs auf die Zeit vom 25. Mai bis zum 9. Juli verschoben wurde. „Für mich war das jetzt nicht weiter dramatisch, aber ich kenne einige Mitschüler, die wegen der Meisterschule bei ihrem Arbeitgeber gekündigt, sich arbeitslos gemeldet haben, um sich nochmal auf die Schulbank zu setzen. Nicht jeder von denen kann einfach wieder bei seinem alten Chef anklopfen und sagen, ,huch, kleines Versehen’.“

Toni Plate hatte diesbezüglich Glück. Er arbeitet für den Rottmersleber Dachdecker Stefan Pasemann. „Ich hatte mich bei ihm abgemeldet, dann ergab sich die Terminverschiebung und da Aufträge da sind, war es kein Problem, einfach am nächsten Tag wieder einzusteigen.“ Zur Zeit ist der Ackendorfer in Rottmersleben auf einem Dach zu Gange, breitet mit seinen Kollegen den Aufbau einer kleinen Veranda vor.

Was ein Problem sei, das ist der Umstand der langen Unterbrechung zwischen den Prüfungen. „In Teil eins und zwei nimmst du ja schon einiges an Stoff für den Rest der Prüfung, wo es ja dann um Betriebswirtschaft, Recht und Pädagogik geht, mit. Die lange Pause jetzt ist nicht gerade hilfreich.“

Auch mit Meisterbrief erst noch weiter Erfahrungen sammeln

Ändern kann es Plate nicht. Die Prüfung hofft er aber trotzdem zu bestehen. „Ich bin fit, was meine Themen angeht, Teil eins und zwei hat geklappt, jetzt soll es am Rest nicht scheitern.“ Der Plan des jungen Ackendorfers für die Zukunft: „Ich möchte noch ein Weilchen bei Pasemann arbeiten. Das ist eine gute Schule. Ich will noch ein wenig Erfahrungen sammeln, kann mir aber durchaus vorstellen, in Zukunft auch ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen.“

Einer seiner „Leidensgenossen“ auf der Schulbank sieht es ähnlich. Der Magdeburger Tom Diescher ging mit Plate in Stendal auf die Berufsschule, denn um das Handwerk in luftiger Höhe zu erlernen, muss man auch weite Wege in Kauf nehmen. „Wir haben uns auf der Berufsschule kennengelernt und bei der Meisterschule wieder getroffen.“

Im Gegensatz zu Toni Plate absolviert Tom Diescher seinen dritten und vierten Teil der Meisterprüfung bei der Handwerkskammer in Magdeburg. „Bei uns läuft zumindest bisher alles nach Plan und ich hoffe natürlich, dass das so bleibt“, so der 24-jährige, der mit Plate einer der Jüngsten seines Meisterjahrgangs sein wird. Auch für Diescher ist die Selbstständigkeit ein Thema, „aber noch ist es nicht soweit.“

Selbstständigkeit ist ein Zukunftsmodell

Der Magdeburger arbeitet in Anstellung, allerdings scharrt der Onkel, der eine Baufirma betreibt schon mit den Hufen. „Mein Onkel wünscht sich einen Nachfolger und mit einem Meisterbrief macht sich das natürlich nicht schlecht.“ Aber der Onkel ist auch erst 50, „der kann noch bissel schaffen, und ich sammle noch ein wenig Erfahrung, aber für die Zukunft kann ich mir durchaus vorstellen, auch mein eigener Chef zu sein.“

Die Berufsaus- und Fortbildung läuft, auch mit Corona. Rüdiger Schmidt von der Handwerkskammer Magdeburg kann das nur bestätigen. „Auch bei uns hat es einige Verschiebungen gegeben. Der Lockdown hatte auch Auswirkungen auf unseren Betrieb.“ Trotzdem werden Meisterschullehrgänge im Präsenzunterricht abgehalten, auch wenn die Teilnehmerzahlen dabei teils auf zehn Personen reglementiert werden. „Teil drei und vier der Meisterschule wird auch bei uns mitunter als Online-Unterricht angeboten, wobei dabei eben immer ein Teil der Schüler in Präsenz da ist, ein anderer Teil daheim am Rechner sitzt. Da gab es bisher aber auch keine Probleme“, so Schmidt weiter.

Dan Tebel, im Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Handwerkskammer in der Landeshauptstadt tätig, führt dazu weiter aus: „Da die Meisterausbildung vor allem auch durch Ihre Praxisanteile lebt, ist eine digitale Abdeckung nur eingeschränkt möglich. Bevor ein Meisterkurs komplett abgesagt wird, versuchen wir jedoch, durch eine Terminverschiebung den Teilnehmern ein Alternativangebot zu unterbreiten. Für einzelne Meisterschüler wirft dies jedoch die gesamte Karriere- und Existenzgründungsplanung durcheinander. Der organisatorische Aufwand der mit solch einer Verschiebung einhergeht ist nicht nur auf Seiten des Berufsbildungszentrums immens, sondern auch bei den Meisterschülern.“

Auch Pressesprecher Tebel kennt die Problematik, dass sich künftige Meister ihren Freiraum für die Prüfung notfalls auch durch angemeldete Arbeitslosigkeit schaffen müssen.

Fakt ist, dass die Meisterausbildung im Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer aufgrund der derzeitigen Einschränkungen durch die Eindämmungsverordnung nur eingeschränkt möglich ist. Neben der Einhaltung und Durchführung der allgemeinen Hygiene- und Abstandsregelungen sei vor allem die Begrenzung auf zehn Teilnehmer in den Kursen eine große Herausforderung.

Durch diese Begrenzung kommt es teilweise zu Klassenteilungen und auch zu Unterrichtsausfall. Dozenten seien schließlich auch nicht jederzeit verfügbar und müssten planen. Raumkapazitäten wären dann immer wieder ein Thema in der Meisterausbildung. Damit können derzeit nicht alle Meisterklassen bei der Handwerkskammer in Magdeburg so und in vollem Umfang, wie es eigentlich sein sollte, geschult werden. Damit verzögere sich die Lehrgangslaufzeit der künftigen Meister in nicht unerheblichem Maße. Ausfälle von Lerneinheiten werde man, so Tebel, wohl nicht vollumfänglich kompensieren können.

Toni Plate zumindest hat jetzt erst einmal neu geplant. „Die nächsten Wochen wird noch für Pasemann gearbeitet, dann geht es noch einmal ab auf die Schulbank, hoffentlich mit Erfolg“, sagt er, ist sich aber sicher, dass alles klappt. Danach wird er sicherlich noch eine Weile für die Rottmersleber Firma arbeiten, „und dann seh ich mal, was ich mit dem Meisterbrief anstelle.“