Groß Ammensleben l Bei herrlichstem Sonnenschein nutzten viele Interessenten den Sonntagnachmittag zu einem Ausflug in die nähere Umgebung und zu historischen Gebäuden, die am Tag des offenen Denkmals ihre Türen aufhielten. So kamen auch zahlreiche Besucher auf die Domäne Groß Ammensleben und in die historische Klosterkirche St. Peter und Paul an der Straße der Romanik, um sich über geschichtliche Zusammenhänge, architektonische Besonderheiten und heutige Traditionsbezüge zu informieren.

Musikalisch-literarische Entdeckungsreise

Bereits zum 14. Mal und damit ebenfalls schon fast denkmalverdächtig lud das bekannte Rossini-Quartett zu einer musikalisch-literarischen Entdeckungsreise in die romanische Klosterkirche, die auch ihrer hervorragenden Akustik wegen berühmt ist.

Zugleich war die Kirche mit dem Konzert des Rossini-Quartetts zum vorerst letzten Mal geöffnet. Der barocke Hochaltar ist bereits eingerüstet und die vorgesehenen Sanierungs- und Bauarbeiten setzen sich demnächst im Kirchenschiff weiter fort, so dass die Wiederöffnung mit Spannung erwartet werden kann.

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„Mit königlichen Klängen der Trompete eröffnete Solist Tilmann Schneider den Reigen musikalischer Hochgenüsse des Konzertnachmittags, bevor Kammersängerin Undine Dreißig das Publikum begrüßte und beginnend mit Dorothea von Erxleben in literarischen Texten bedeutende Ärzte aus der Geschichte der heutigen Region Sachsen-Anhalt vorstellte“, berichtet Groß Ammenslebens Ortsbürgermeister Rüdiger Pfeiffer von dem für ihn hoch gelungenen Konzert. Interessanterweise, so sagt er, seien viele der gleichwohl humorvoll bis nachdenklich-betroffen vorgestellten Persönlichkeiten vom Begründer der Homöopathie Hahnemann in Köthen bis hin zu Gustav Nagel am Arendsee der Musik zugetan gewesen oder spielten selbst ein Instrument.

„Undine Dreißig trug nicht nur gesprochene Texte vor, sondern erfüllte den Kirchenraum auch mit ihrem wohlklingenden Mezzosopran. Begleitet von Wolfram Wessel, der seinen Kontrabass gegen die Gitarre tauschte, gestaltete Undine Dreißig mit nuancierter Stimmgebung und ausdrucksvoller Tönung das berühmte Liebeslied „Come again“ des seinerzeit hochberühmten englischen Renaissance-Komponisten John Dowland sowie die Canzonetta spirituale des frühen Barockkomponisten Merulo und das innige „Ave Maria“ des Spätromantikers Joseph Gabriel Rheinberger“, so Pfeiffer.

Mit der Oboe d‘amore, der Liebes-Oboe, habe Henning Ahlers die Ohren der Zuhörer beim bekannten Bach-Konzert BWV 1055 umschmeichelt und Atsuko Koga brillierte mit glasklar perlenden Tonketten und Trillerverzierungen beim Flötenkonzert des Magdeburger Komponisten Georg Philipp Telemann.

Rüdiger Pfeiffer beschreibt weiter: „In eine völlig andere Klangwelt entrückte Luigi Boccherinis Quintett zur Nachtmusik in den Straßen von Madrid. In diesem witzigen Stück imitierten die Instrumente beispielsweise das Läuten von Kirchenglocken sowie den Singsang des Nachtwächters und auf dem Violoncello brachte Marcel Körner dazu das nächtliche Ambiente von Madrid melodiös zum Klingen.“

Musiker vereint zum Finale

Alle Musiker vereinten sich noch einmal zum fulminanten Finale: Drei Solisten standen mit ihren Instrumenten Trompete, Oboe und Flöte dem Streicherensemble von Yoichi Yamshita und Marco Reiß an den Violinen, Ingo Fritz an der Viola und Wolfram Wessel am Kontrabass sowie Reinhard Seehafer am Cembalo gegenüber, um sich die musikalischen Motive gegenseitig zuzuspielen und an den nächsten Solisten weiterzureichen.

Für das Rossini-Quartett und seine musikalischen Gäste gab es, so berichtet Rüdiger Pfeiffer, langanhaltenden Beifall und stehende Ovationen. Mit zwei Zugaben bedankten sich die Musiker und Konzertmeister Yoichi Yamshita konnte seine Violine mit der Melodie aus Bachs berühmtem Air singen lassen, womit ein wunderbares Konzert zum Tag des offenen Denkmals in der historischen Klosterkirche Groß Ammensleben ausklang und die Ohren der Zuhörer die Melodie auf den Heimweg mitnahmen.