SüdOstLink

Der Konverter in Wolmirstedt wird so groß wie ein Baum

Die Vorbereitungen für den SüdOstLink gehen in die heiße Phase. Die Gleichstromtrasse ins bayerische Isar beginnt in Wolmirstedt, hier wird der Wechselstrom in Gleichstrom gewandelt. Der dafür erforderliche Konverter wird weithin sichtbar sein.

Von Gudrun Billowie
Die 50-Hertz-Mitarbeiter Axel Happe und Eric Michel stehen auf der Plattform des Infopunktes im Umspannwerk. Von dort aus  können später die Bauarbeiten beobachtet werden.
Die 50-Hertz-Mitarbeiter Axel Happe und Eric Michel stehen auf der Plattform des Infopunktes im Umspannwerk. Von dort aus können später die Bauarbeiten beobachtet werden. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt - Dem Wind ist in der Energiewende eine große Rolle zugedacht worden. Ungehindert bläst er über freie Flächen hinweg, die gibt es vor allem Norden, auch über der Ostsee, deshalb sind an vielen solcher Stellen große Windparks entstanden. Die großen Windräder speisen den Strom ins Wechselstromnetz und dieser Windstrom ist auch im Süden des Landes begehrt, dort, wo viel Industrie angesiedelt ist. Doch wie kommt er dort hin? Wie lassen sich große Strommengen über große Strecken transportieren, ohne das zwischendurch viel verloren geht?

Dafür eignet sich Gleichstrom besonders gut. Deshalb wird eine Gleichstromleitung von Wolmirstedt bis ins bayerische Isar gebaut. Damit bekommt Wolmirstedt eine weitere Bedeutung als Drehkreuz des Windstroms. Diese Bezeichnung verdient das örtliche Umspannwerk längst.

In Wolmirstedt kommt der Windstrom als Wechselstrom an, wird zumeist auf 380 Kilovolt hochgespannt und verlässt das Umspannwerk in fast alle Richtungen. Das geschieht über Freileitungen, die an den unübersehbaren Masten befestigt sind. Doch nun kommt die Gleichstromleitung hinzu.

Die erlaubt keine Abzweigungen, und bevor der Strom hindurchfließt, muss er von Wechselstrom in Gleichstrom gewandelt werden. Dafür wird der Konverter benötigt.

Konverterhalle wird kleiner als geplant

Dieser Konverter wird in einer Halle errichtet. Die sollte ursprünglich gut 30 Meter hoch werden. Doch inzwischen haben die Fachleute bei Siemens die Technologie weiterentwickelt. Die Höhe der Halle konnte auf 20 Meter, die benötigte Fläche der Halle und aller Nebenanlagen von sieben auf 4,5 Hektar reduziert werden. Damit wird die Konverterhalle immer noch so hoch wie ein ausgewachsener Ahorn-Baum oder ein mindestens sechsgeschossiges Haus.

Standort am Umspannwerk aus Sicht der Planer sinnvoll

Vorwiegend wird die Fläche des Umspannwerkes in etwa Richtung Mose genutzt, aber auch darüber hinaus. Das hat die Bürger von Mose bereits zu Protesten herausgefordert. Sie hätten sich gewünscht, dass der Konverter weitab der Wohnbebauung errichtet wird, da sie bereits von der B189, der Autobahn 14, einem Recyclinghof und den Masten in unmittelbarer Umgebung des Umspannwerks umzingelt sind. Doch ihr Protest hatte keinen Erfolg. Die Vorteile im Sinne der Netzbetreiber überwogen.

Dazu zählt die im Umspannwerk vorhandene Infrastruktur, der Gleisanschluss dorthin, das vorhandene unmittelbare gewerbliche Umfeld. Nicht zuletzt müsste ein Konverter an einem anderen Ort mit zusätzlicher Wechselstromleitung ans Wolmirstedter Umspannwerk angeschlossen werden.

Die Gleichstromleitung verläuft im Bereich Wolmirstedt nach jetzigen Stand nicht als Erdkabel. Die Gemeinden der Region hatten sich vorwiegend für eine Freileitung ausgesprochen.

Zweite Gleichstromleitung kommt hinzu

Inzwischen ist bestätigt, dass es eine weitere Gleichstromleitung geben wird, um den Strombedarf im bundesdeutschen Süden zu decken. Die beginnt in der Nähe von Schwerin in Klein Rogahn und wird voraussichtlich in der Börde auf die Trasse des SüdOstLinks treffen und von dort aus gemeinsam ins bayerische Isar verlaufen. Wolmirstedt wird von diesem Kabel nach jetzigen Stand nicht berührt.

Im Trassenverlauf des Erdkabels, also südlich weitab von Wolmirstedt, laufen derzeit die archäologischen Vorarbeiten. Archäologen tragen im Trassenverlauf des SüdOstLinks in Sachsen-Anhalt und Sachsen über die gesamte vorgesehene Trasse hinweg auf zwei jeweils vier Meter breiten Streifen den Oberboden ab und machen anhand der Bodenverfärbungen archäologische Fundstellen ausfindig. Wo Funde vermutet werden, wird tiefer gegraben. „So können wir sicher sein“, sagt 50 Hertz-Sprecher Axel happe, „dass es keine Verzögerungen während der Bauzeit gibt.“

Nach den Untersuchungen wird der Zustand des Bodens wieder hergestellt.