Wolmirstedt l Im Dachsbau herrscht reges Kommen und Gehen. Das zeigen Spuren, die sich im Eingangsbereich zu einem Dellenmuster verdichten. Gras- und Heuhalme hängen im „Türrahmen“ fest. Diese Pflanzenreste nutzt Meister Grimbart, wie der Dachs in der Fabel genannt wird, um seinen Kessel, also das Wohnzimmer der Familie, zu polstern. Doch diesem Dachs wird kein dauerhaftes Wohnrecht in seinem Hügel gewährt, denn leider ist dieser Wohnhügel hauptsächlich Elbdeich.

Das kann der Dachs nicht wissen, ihm erscheint dieser Hügel als ideale Behausung, als Wassergrundstück sogar, denn direkt vor seiner Tür liegt ein Tümpel, der als Biotop unter besonderem Schutz steht.

Deich verliert Stabilität

Dieses Deichstück zwischen Heinrichsberg und Glindenberg entspricht geradezu der dächsischen Vorstellung eines Luxuswohnsitzes. Von der menschlichen Zivilisation ausreichend weit entfernt, lassen sich in diesem Hügel ganz hervorragend Gänge anlegen, auf mehreren Etagen sogar. Darauf legen Dachse Wert und wenn ihnen niemand in die Quere kommt, schaufeln sie über Generationen und Jahrzehnte hinweg immer neue Wohnkessel und Gänge aneinander.

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Diesem Frechdachs wird das nicht gelingen, denn der Elbdeich darf nicht unterhöhlt werden. Das Bauwerk muss Bollwerk sein, standsicher halten, sollte die Elbe über die Ufer treten und noch einmal mit einem so hohen Wasserstand aufwarten, wie 2013. Ein Dachsbau würde dem Wasser Tür und Tor öffnen und dem gesamten Baukörper die Stabilität nehmen. Deshalb müssen die Menschen handeln.

Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft hat beim Landkreis einen Antrag gestellt, diesen Dachs trotz bereits angebrochener Schonzeit zu jagen. Noch wird dieses Ansinnen in der unteren Jagdbehörde geprüft. Ziel sei es, heißt es aus dem Landkreis, den Deich vor weiteren Beschädigungen zu schützen.

Jäger wird Dachs nachstellen

Wird eine Jagdgenehmigung erteilt, wird der zuständige Jäger aktiv und den Dachs in eine Falle locken. Möglicherweise mit Eiern, verrät Jens Dedow, der Revierleiter des Reviers Elbaue. Eine Umsiedlung des gefangenen Meister Grimbart ist wohl nicht vorgesehen. Zu groß ist die Gefahr, dass er in sein Luxusappartment zurückkehrt. Vermutlich wird der Jäger die Flinte anlegen.

Für Jäger ist die Jagd eines Dachses nicht ungewöhnlich. Im Bördekreis wurden in der Saison August 2017 bis Januar 2018 455 Dachse erlegt, in der Saison zuvor gar 482.

Der Bau des Frechdachses im Elbdeich ist dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz seit Ende vergangenen Jahres bekannt. Die Mitarbeiter haben dem Dachs eine Chance gegeben, haben großflächig Erde abgetragen, ein Drahtnetz verlegt, den Bereich wieder mit Erde verfüllt und Rasen gesät. Auch Bäume wurden gefällt, weil Meister Grimbart den Wurzelbereich so stark unterhöhlt hatte, das sie zu stürzen drohten. Doch weder der Baulärm noch das Drahtgeflecht haben den Dachs abgehalten, wieder im Deich zu graben. Diese Hartnäckigkeit wird Meister Grimbart wohl nun zum Verhängnis.