Irxleben l Für die Beteiligung am jüngsten Elternstammtisch mussten die Organisatoren der Veranstaltung den Eltern ein dickes „mangelhaft“ erteilen. Nur wenige Eltern aus einer Einheitsgemeinde, in der unter anderem etwa 600 Grundschüler beschult werden, schienen Interesse an dem Stammtisch zu haben. Dabei ging um das Thema „Handy und Internet sowie deren Gefahren“, vor dem sich wohl heutzutage kaum noch ein Elternteil verschließen kann.

Das wurde auch schnell bewusst, als Andreas Heilemann vom KiJu-Sicherheits-Team als Referent seinen Part übernahm. Bei unzähligen Schulungen mit Schülern aus verschiedenen Klassenstufen hat er in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, wie blauäugig die Schüler mit dem Internet umgehen und dass sie unbedingt von den Erwachsenen auf den richtigen Weg gebracht werden müssen. „Die Kinder wachsen mit dem Internet auf – wir können es ihnen nicht verbieten, aber wir müssen unsere Pflicht tun“, erklärte Andreas Heilemann.

Von Cybermobbing bis zu Gesundheitsrisiken

So wisse kaum ein Kind, dass im Internet über 2,5 Milliarden Rechner miteinander verbunden sind, die alle Zugriffe auf die Daten haben. Andererseits mache es Kinder in der siebenten Klasse aber stolz, wenn sie über 700 sogenannte Follower im sozialen Netzwerk Instagram haben. Das spreche für hohe soziale Anerkennung.

Andreas Heilemann ließ die Zahlen kurz wirken, um dann den wenigen interessierten Gästen – darunter auch Pädagogen – einige Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das Internet zu einer Gefahr für die Kinder und Jugendlichen werden kann. Preisgabe persönlicher Daten, strafbare Beleidigungen über Chats und Cybermobbing waren seine Schlagworte dabei. Nicht zuletzt warnte er vor Gesundheitsrisiken wie beispielsweise Kurzsichtigkeit, Rückenprobleme oder Muskelschwund, weil die Kinder zuviel mit dem Handy online spielen. Hinzu kommt der Stressfaktor. So werden die Kinder unter anderem durch Chats oder Online-Spiele von Hausaufgaben abgelenkt.

Wie wichtig es für die Eltern ist, Zugriff auf die Telefone der Kinder zu haben, erläuterte er auch an dem Beispiel, dass sich Junior mit seiner Internetbekanntschaft trifft, ohne der Mutter etwas zu sagen. Ist die Freundin denn wirklich so alt, wie sie im Internet angibt? Was kann passieren? Auch manche sogenannte Apps seien nach Aussage von Andreas Heilemann nützlich, um die Kinder vor Fehlern bei der Nutzung des Handys zu schützen.

Eltern müssen reagieren

Alternativen wie Sport im Verein können helfen, um die Handy- und Internetnutzung der Kinder und Jugendlichen generell einschränken. „Unsere Kinder müssen es nicht lassen, aber sie sollten im Umgang mit dem Internet sensibilisiert sein“, so Heilemann.

Bei den Anwesenden hinterließ der Vortrag von Andreas Heilemann einen Aha-Effekt. Den meisten war klar, was Jürgen Kebernik als Koordinator der Elternstammtische der Gemeinde Hohe Börde mit wenigen Worten auf den Punkt brachte: „Der Abend hat gezeigt, wir müssen als Eltern reagieren, um unsere Kinder zu schützen.“ Leider aber wäre es oft auch der Fall, dass die Erwachsenen es vorleben, wie es nicht sein sollte, indem sie ständig das Handy in der Hand haben.

Ines Umbusch, Leiterin der Irxleber Grundschule „Am Wildpark“, die für den jüngsten Elternstammtisch die Kulisse bildete, zog auch ihre Schlüsse: „Prävention in dieser Richtung muss also schon im Grundschulalter anfangen.“ Aus ihrer eigenen Erfahrung heraus befürchtete sie aber, dass einige Eltern selbst überfordert sein könnten, weil sie dem technischen Fortschritt nicht mehr folgen können.

Elternstammtische sind beispielgebend

Trotz der negativen Beteiligung seitens der Elternschaft sagt Jürgen Kebernik stolz, dass die Elternstammtische so in dieser Form einmalig in Sachsen-Anhalt sind. Mehrmals im Jahr werden diese thematischen Veranstaltungen durchgeführt, nicht nur um die Eltern und Lehrer zu informieren, sondern auch, um die Möglichkeit des Austausches zu bieten. Beispielsweise waren auch schon die Pubertät oder die Hirnforschung Themen, die besprochen wurden. „Die Organisation solcher Veranstaltungen ist für uns kein Problem, weil wir miteinander reden und nicht gleich die Handys zur Hand nehmen“, schlug Kebernik die Brücke zum Thema des Abends. Ein Beispiel, das Schule machen kann.