Wolmirstedt l Die Windräder im Norden Wolmirstedts nördlich des Bauernwegs gehörten längst zum Ortsbild. Tag für Tag drehten die Rotorblätter ihre Runden, unermüdlich, immer im Uhrzeigersinn. Diese Drehrichtung wurde irgendwann einmal festgelegt, damit ein Windpark nicht unruhiger wirkt als nötig. Nun wurden zwei Windräder abgebaut. Der Grund: Ihre Zeit war gekommen, ihre Lebensdauer beträgt etwa 20 Jahre. Eines war bereits beschädigt, eine Reparatur nicht mehr lohnenswert. Das dritte Windrad in diesem Verbund wird noch bis zum Jahresende Energie liefern, dann wird auch das entfernt.

Neue Windräder werden an dieser Stelle nicht wieder aufgestellt. Sachsen-Anhalts Regionalplan sieht in diesem Bereich keinen Windpark mehr vor. Die Firma „psm“, der die Windräder gehören, kann das nachvollziehen. „Die Rotorblätter neuer Anlagen sind wesentlich größer, haben einen Durchmesser von etwa 150 Metern“, heißt es, „für die großen Rotorblätter stehen die Hochspannungsmasten viel zu nah.“ Die Flügel der gerade entfernten Windräder waren nur etwa halb so lang. Was aber passiert mit den abgebauten Windrädern?

Turm vor Ort zerteilt

Ein Blick auf den Acker zwischen Wolmirstedt und Mose zeigte: Der Turm und die Rotorblätter wurden vor Ort zerteilt, sodass sie ohne große Umstände abtransportiert werden konnten.

„Um den Staub einzudämmen, haben wir mit Wassersägen gearbeitet“, heißt von der Firma psm. Das Unternehmen hat seinen Sitz im nordrhein-westfälischen Erkelenz und legt Wert darauf, dass keine Überreste in den wertvollen Bördeboden gelangen. Eine Filzlage zwischen Rotorblättern und Boden sollte verhindern, dass beim Zerkleinern Stoffe ins Erdreich gelangen konnten.

Das technische Innenleben, mit dem diese Windräder betrieben wurden, wird möglichst wiederverwertet, dient quasi als Ersatzteilspender für andere Windkraftmaschinen.

Wiederverwertung in Bremen

Der riesige Turm, der die Flügel gehalten hat, wird verschrottet. Die Rotorblätter werden wiederverwertet. Das ist kompliziert, sie bestehen aus glasfaserverstärktem Kunststoff, kurz GfK genannt. Es gibt noch nicht viele Unternehmen, die sich mit dem Recycling von Rotorblättern beschäftigen. In Bremen steht so eine Wiederverwertungsanlage.

Betreiber ist die Firma „neowa“, die ihren Sitz in Lüneburg hat. Und die bestätigt, dass es gar nicht so einfach ist, diese Rotorblätter wieder in den Kreislauf zu führen. Dennoch gelingt es. Sie werden im Bremer Werk sehr klein gemahlen und bei der Zementherstellung verwendet.

Der Kunststoff besteht zu einem Großteil aus Harz und hält die Glasfasern zusammen. Dieses Material lässt sich weder einschmelzen noch zufriedenstellend in der Müllverbrennungsanlage verbrennen. Die Temperaturen dort reichen für glasfaserverstärkten Kunststoff nicht aus. Deshalb hat sich die Firma „neowa“ für ein mechanisches Verfahren entschieden. Die Rotorblätter werden zerkleinert und am Ende des Prozesses sehr, sehr fein gemahlen. „Dabei entsteht viel Staub“, weiß Umweltingenieur Jörg Lempke, „deshalb muss unbedingt professionell gearbeitet werden.“ Dazu zählen spezielle Staubabwehrmaßnahmen.

Der fein gemahlene glasfaserverstärkte Kunststoff wird anschließend der Zementherstellung zugesetzt, könnten also, grob gesagt, zu Beton werden.

In Beton verankert

In Beton waren auch die Windräder auf dem Acker zwischen Wolmirstedt und Mose fest verankert. „Wir werden die Fundamente komplett entfernen“, heißt es von der psm nature power, „es werden keine Überreste im Boden bleiben. Die Fläche wird so hergerichtet, als hätten dort nie Windkraftanlagen gestanden.“

Um wirklich jedes Bröckchen aus dem weichen Bördeboden zu graben, müht sich derzeit ein Bagger.