Groß Ammensleben l Auf einem Feld gleich neben der Bundesstraße 71 bei Groß Ammensleben: Hier ragt ein Freileitungsmast rund 50 Meter in die Höhe. Am Fuße des Giganten aus Stahl ist eine riesige Winde aufgebaut. Ein Arbeiter in Arbeitsschutzschuhen, Helm und oranger Warnweste überwacht das große Ungetüm. Zentimeter für Zentimeter wird ein Stahlseil abgewickelt. In 30 Metern Höhe wird der Strang über eine Umlenk-Rolle und horizontal in Richtung des nächsten, rund 400 Meter entfernten Mastes geschoben. „Wir sind gerade dabei, die Kabel neu einzuziehen. Sicherheit steht ganz oben. Das Gerüst wurde über die Bahnlinie gebaut, um die Strecke zu schützen“, erklärt Marius Libberoth. Der 33-Jährige arbeitet als Kolonnenführer für 50Hertz und trägt die Verantwortung für dieses und weitere Vorhaben des Netzbetreibers.

Ein paar Kilometer weiter an einer Brücke über den Mittellandkanal nordöstlich von Groß Ammensleben sind wiederum Monteure in einem Mast zu sehen. In schwindelerregender Höhe sind die Männer dabei, das ankommende Kabel in Empfang zu nehmen und zu montieren. Ebenfalls über eine Umlenk-Rolle wird das Seil in Richtung Boden geschickt, wo es von einer Winde aufgenommen und aufgewickelt wird.

Viel Aufwand für Sicherheit

„Wir verfolgen bei uns ein striktes Sicherheitskonzept“, betont Siegfried Wagner, Pressesprecher bei 50Hertz. „Wir müssen die Versorgungssicherheit herstellen, die Infrastruktur sichern und die Menschen schützen, sowohl unsere Mitarbeiter als auch die Bürger.“ Deshalb werde jedes Mal, wenn an Masten und Leitungen herumgebaut wird, ein so großer Aufwand betrieben.

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Für die Versorgungssicherheit wird aktuell noch viel mehr getan. So startete 50Hertz im Jahr 2013 sein sogenanntes Mastverstärkungsprogramm. „Im Januar 2007 zog der Orkan Kyrill eine Schneise der Verwüstung durch Europa. Dabei hatten dutzende von Masten Schaden genommen“, erklärt der Sprecher. Seither werden sukzessive Freileitungsmasten ausgetauscht, vor allem an neuralgischen Punkten. „Die Bahnlinie parallel zur B71 ist ein solch neuralgischer Punkt, deshalb ist hier in den vergangenen Wochen der Mast getauscht worden“, hebt Siegfried Wagner hervor.

Und das lief folgendermaßen ab: Zuerst wurden die Teile des künftigen Mastes angeliefert und vor Ort in einzelne Segmente vormontiert. Parallel dazu wurde genau an dem Ort, an dem der alte Mast noch stand, ein Fundament für das neue Stahlgerüst gebaut. Anschließend begann der Aufbau des neuen Mastes, und zwar um den alten herum. „Den Zusammenbau nennen wir Stocken, weil wir den Mast segmentweise in die Höhe wachsen lassen“, erklärt Kolonnenführer Marius Libberoth.

Der Clou: Hat der neue Mast die erforderliche Höhe erreicht, werden die Seile aus dem alten Mast mittels Kränen ausgehängt, die entsprechenden Teile des neuen Mastes montiert und anschließend die Kabel in das neue Gerüst eingehängt. „Die Arbeiten für diesen Mast haben etwa drei Wochen gedauert und sind beendet“, klärt Libberoth auf.

50Hertz betreibt das Stromübertragungsnetz im Norden und Osten Deutschlands. Es ist insgesamt 10.200 Kilometer lang und entspricht der Entfernung von Berlin nach Rio. Das Netzgebiet umfasst Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin und Hamburg.