Wolmirstedt l Die Schule hat begonnen und Carl, Tatjana, Tom und Paulus strahlen. „Es ist schön, die Freunde wiederzusehen“, sagen sie. Die ersten Tage laufen ohnehin entspannt ab. Wegen der Hitze und auch überhaupt. Die ersten Schultage gehören ganz allein dem Klassenlehrer, der Unterricht läuft locker an und weil die Sonne seit Wochen gnadenlos vom Himmel brennt, ist nach der vierten Stunde Schluss. Wie die Kinder schauen auch die Schulleiter vorwiegend optimistisch in das neue Schuljahr. Der vielbeklagte Lehrermangel trifft die Wolmirstedter Schulen kaum. Unterrichtsausfall ist nicht zu erwarten, allerdings wackeln manche Förderstunden.

Verkürzter Unterricht wegen der Hitze

In der Diesterweg-Grundschule lernen 224 Kinder in zehn Klassen. Fast alle Lehrerstellen sind besetzt. Schulleiterin Ines Vogler ist fast einhundertprozentig mit Personal versorgt. Nur fast. Es fehlen 19 Stunden. Damit ist der reguläre Unterricht abgesichert. Förderstunden fallen jedoch weg. Die sind für Kinder vorgesehen, denen das Lernen schwerer fällt, sie bekommen Hilfe, damit sie den Anschluss an die Klasse in Mathe oder Deutsch behalten. Ines Vogler würde den Kindern diese Unterstützung liebend gern auch in diesem Schuljahr bieten, doch solange die Stunden nicht besetzt sind, geht das nicht. „Bisher gibt es keine Aussicht auf Ersatz.“

Die Kinder indes strahlten, fast alle freuten sich, die Klassengemeinschaft wieder zu erleben. Der Hitze-Schultag endete um 11.25 Uhr. Kinder die auf den Bus warten müssen, wurden in der Schule bis 13.30 Uhr betreut. Der Hort hat regulär geöffnet. „Bleibt die Hitze so, werden wir auch Montag nur die ersten vier Stunden unterrichten“, sagt Ines Vogler. Dann lernen die neuen Abc-Schützen schon an ihrem ersten Schultag, was es heißt: Hitzefrei.

Unterricht ist abgesichert

In der Gutenberg-Grundschule lernen 208 Kinder in neun Klassen. Dort gibt es keinen Lehrermangel, die Schule ist mit über 100 Prozent versorgt. „Allerdings fehlen pädagogische Mitarbeiter“, sagt Schulleiterin Doreen Haensch. Von dreieinhalb Stellen ist nur eine einzige besetzt. Auch das wirkt sich auf die individuelle Betreuung von Migrantenkindern und anderen Mädchen und Jungen aus, die besondere Zuwendung benötigen. Die Hitze hat das Schulgebäude fest im Griff. In der oberen Etage wurden 34 Grad im Klassenraum gemessen. Da hilft nur eins: Um 12 Uhr ist mit dem Lernen Schluss. Betreut werden die Kinder ebenfalls, bis die Busse kommen, bei Bedarf auch länger.

Hitzefrei gibt es in der Die Gutenberg-Gemeinschaftsschule ebenfalls. Bis 11.30 Uhr werden Kinder unterrichtet, wer auf Busse angewiesen ist, wird bei Bedarf bis 16 Uhr betreut. In der Schule gibt es 18 Klassen, in denen 454 Mädchen und Jungen von der fünften bis zur zehnten Klasse lernen. Nicht alle passen in das Schulhaus in der Meseberger Straße, deshalb besuchen zwei fünfte, zwei sechste und drei siebte Klassen die Außenstelle in der Harnisch-Schule. Eine sechste Klasse bleibt im Hauptgebäude in der Meseberger Straße, weil zum Klassenverband ein Kind gehört, das auf Barrierefreiheit angewiesen ist.

Zwei Lehrer fehlen

Der reguläre Unterricht ist auch an dieser Schule abgesichert, doch bei Kursen oder Angeboten hakt es. Schuld ist der Personalmangel. „Zwei Lehrer fehlen uns zur einhundertprozentigen Versorgung“, sagt Schulleiter Helmut Thiel. Zum Glück sind zwei Lehrer, die an die Gutenberg-Schule abgeordnet wurden, schon seit Montag da. Ein weiterer Lehrer ist versprochen. Die Ungewissheit nervt.„Wir ändern ständig unseren Stundenplan.“ Helmut Thiel hätte sich gewünscht, dass die Personalplanung bereits zum Ende des vergangenen Schuljahres abgeschlossen worden wäre.

Dennoch erlebte der Schulleiter den ersten Schultag voll Vergnügen. Bei seiner Willkommenstour durch alle Klassen hat er festgestellt: „Die Stimmung ist gut. Es ist schön, wenn die Schüler lächeln und freudvoll warten, was jetzt kommt. Das wird mir fehlen.“ Es wird das letzte Schuljahr Helmut Thiels sein, dann geht er in den Ruhestand.

Neuer pädagogischer Mitarbeiter

In der Leibniz-Schule dauern die Schulstunden bei der Hitze nur eine halbe Stunde statt einer dreiviertel. Damit werden alle Fächer unterrichtet und es ist trotzdem früher Schluss. Ausreichend Lehrer stehen den 245 Schülerinnen und Schüler in 14 Klassen zur Verfügung. Schulleiter Ingolf Berg sieht gelassen auf das Schuljahr: „Wir sind zu einhundert Prozent versorgt.“

In der Gerhard-Schöne Schule lernen Kinder, die eine besondere Betreuung brauchen. Deshalb sind die Klassen dort sehr klein. 61 Mädchen und Jungen sind auf neun Klassen verteilt, in diesem Jahr gibt es eine Klasse mehr als sonst. Zwölf Lehrer stehen zur Verfügung. „Ich wünsche mir, dass das so bleibt“, sagt Schulleiterin Dagmar Lupu. Sie freut sich außerdem, dass zu den acht pädagogischen Mitarbeitern ab Oktober ein weiterer stößt. Diese Mitarbeiter sind bei der Betreuung der Kinder, die teilweise als schwerbehindert gelten, unbedingt vonnöten. Die Hitze macht natürlich auch den Schöne-SchülerInnen zu schaffen. Dennoch: „Wir gehen es gelassen an“, sagt Dagmar Lupu. Das Lerntempo werde ohnehin stark an die Bedürfnisse der Kinder angepasst. Viele genießen es, sich zwischendurch von einem sprühenden Wasserschlauch abkühlen zu lassen.

Lehrermangel kennt auch der Schulleiter des Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasiums in diesem Schuljahr nicht. Carsten Koslowski sagt: „Wir starten üppig durch, wir sind mit 104 Prozent versorgt.“ Konkret heißt das: Für 39 Klassen stehen 76 Lehrer bereit. Unterrichsausfall ist nicht zu erwarten, jedenfalls nicht aufgrund von Lehrermangel. Lediglich die Hitze lässt das Lernen etwas schwerfallen, deshalb folgt das Gymnasium dem Runderlass des Landesschulamtes und entlässt die Kinder nach dem zweiten Block aus dem Unterricht. Da auch viele Gymnasiasten auf Busse angewiesen sind, werden diese bei Bedarf bis 12.30 Uhr in der Schule betreut.