Naturschutz

Eulenfreund Herbert Bilang freut sich auf dem Colbitzer Museumshof wieder über Nachwuchs

Auf dem Muesumshof in Colbitz sind in diesem Jahr wieder kleine Schleiereulen geschlüpft. Als die Fünf jetzt bei der Beringung ihren Personalausweis bekamen, wurden große Entwicklungsunterschiede deutlich.

Von Constanze Arendt-Nowak
Nach der Beringung zeigt Herbert Bilang die unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Eulenkinder.
Nach der Beringung zeigt Herbert Bilang die unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Eulenkinder. Foto: Constanze Arendt-Nowak

Colbitz - In einem Stall auf dem Museumshof hat der Colbitzer Herbert Bilang schon vor Jahren Hunderte von Eulen angesiedelt – hübsch sortiert in seinem Eulen-Museum. Lebendige Exemplare sind nicht dabei im Sammelgut, weswegen Herbert Bilangs Herz immer noch etwas höher schlägt, wenn die Uhlenflucht im Giebel genutzt wurde und es hoch oben unter dem Dachgebälk piept und krächzt. Ein Zeichen, dass sich hier wieder Schleiereulen angesiedelt haben.

„Die Schleiereulen kommen hier unregelmäßig zum Brüten, denn es gibt noch zwei weitere Nistkästen hier in Colbitz“, erklärte der Eulenfreund. Im vergangenen Jahr und im Jahr zuvor waren die Schleiereulen zum Beispiel nicht auf dem Museumshof.

Dafür gab es für den Beringer Björn Schäfer in diesen Tagen reichlich zu tun. „Vier oder fünf junge Eulen sind es, die da ganz eng zusammengekuschelt saßen“, schätzte Herbert Bilang nach einem ersten vorsichtigen Blick in den Eulenkasten, bevor Björn Schäfer für endgültige Gewissheit sorgte. Eine Kamera, die wie in anderen Eulenkästen regelmäßig die Beobachtung der Alteulen und ihres Nachwuchses zulässt, gibt es hier nicht.

Kurz vor dem ersten Ausflug

Die kleinen Eulen hatten ihren ersten „Ausflug“ vor sich – und zwar noch nicht fliegend, sondern jede separat in einem Stoffbeutel sitzend. Beim Beringen auf dem Hof wurde dann auch deutlich, dass die kleinen Schleiereulen sehr unterschiedlich entwickelt waren. War eine noch mit einem deutlichen Flaum überzogen, trug eine andere bereits ein schönes braunes Federkleid und wird wohl schon in den nächsten Tagen ihre ersten Flugversuche unternehmen.

Die beiden Eulenexperten hatten aber sofort eine Erklärung für den Laien: Demnach waren es ursprünglich sieben Eier in dem Gelege. „Die Schleiereule legt jeden zweiten Tag ein Ei, fängt aber auch sofort an, dieses zu bebrüten“, beschrieb Herbert Bilang. Somit schlüpft nach etwa einem Monat auch alle zwei Tage ein Küken. Das bedeutet, dass das älteste Geschwisterchen bei sieben Eiern über zehn Tage älter sein kann als das jüngste. Zehn Tage, in denen das Eulenküken nicht nur wächst, sondern sich auch sehr im Aussehen verändert. „Die Älteste ist vermutlich sieben Wochen alt, die Kleinste vielleicht fünf“, schätzte Björn Schäfer.

„Wenn die Schleiereulen geschlüpft sind, bleiben sie etwa 60 Tage im Kasten“, ergänzte Herbert Bilang. Feinde gibt es dort keine, denn der Kasten ist wie eine Höhle und verschlossen. Weniger Luxus haben da, wie Herbert Bilang sagte, die Jungen der verwandten Sumpfohreule. Da die hier selten vorkommende Eulenart in Moorgebieten an der Erde brütet, dauert die Nestlingszeit lediglich 14 Tage.

Um die Versorgung kümmern sich während der Nest-Zeit die beiden Elterntiere. „Bei solch einer Zahl Junge müssen die Altvögel pro Tag 20 Mäuse heranschaffen, das sind im Monat 600 Stück“, gab Herbert Bilang noch ein bisschen mehr Eulenwissen preis. Wenn sie ausfliegen, seien die Jungvögel schwerer als die Alttiere. Für Björn Schäfer ist die Anzahl der Jungen aber auch ein Beweis, dass das Nahrungsangebot, das sich nachts in der näheren Umgebung des Museumshofes finden lässt, recht gut sein muss.

Insgesamt aber beurteilen die beiden Eulenfreunde dieses Jahr nach zwei guten Eulenjahren in der Gegend um Wolmirstedt als „mäßig durchwachsen“. Eine Begründung dafür könnten auch acht Totfunde liefern, die vermutlich aufgrund von Frost und Nahrungsknappheit im Februar zu verzeichnen waren.

Eulenkästen angebracht

Nachweise für das Vorkommen von Schleiereulen hat Herbert Bilang aus Farsleben, Loitsche, Angern, Wenddorf und Cröchern. Damit Schleiereulen einen Unterschlupf finden, haben Herbert Bilang und seine Mitstreiter in den vergangenen Jahren auch zahlreiche Eulenkästen angebracht. „Wenn es neue Brutplätze gibt, sammele ich die Gewölle ein und schicke sie zur Untersuchung, um zu wissen, welche Kleinsäuger in diesem Gebiet vorkommen“, fügte er hinzu.

Ebenso einen wissenschaftlichen Nutzen hat auch die Beringung der jungen Eulen. Wenn die Tiere irgendwo gefunden werden, lässt sich ermitteln, wo ihre Heimat ist. So wurde bei Wolfsburg in Niedersachsen eine Schleiereule entdeckt, die in Wenddorf beringt worden ist. Eine andere tauchte etwa 1000 Kilometer weit weg im Baltikum auf – sie stammte aus Farsleben.

Herbert Bilang ist als Ornithologe sehr daran interessiert, zu wissen, wo Eulen im Landkreis Börde vorkommen. Dabei meint er sich nicht nur auf die Schleiereule, sondern auch die Waldohreule, Waldkauz und Uhu.