Wolmirstedt l Die Sirene heulte Sonnabendmittag um 13 Uhr, starker Rauch drang aus dem Dachgeschoss eines Hauses in Wolmirstedts Burgstraße. Umgehend rückte die Feuerwehr an, zog mit dem Wasserschlauch durch das Haus in die obere Wohnung und löschte den Brand. Eine Couch war in Flammen aufgegangen, vermutlich hat der Mieter das Sofa mit einer Kerzenflamme angezündet.

Während innen die Flammen gelöscht wurden, näherten sich von außen zwei Feuerwehrleute im Drehleiterkorb dem Fenster der Einraumwohnung. Sie nahmen von ihren Kameraden durchs Fenster eine Propangasflasche nach der anderen in Empfang. Am Ende wurden 13 Propangasflaschen, ein Gasofen und eine Kiste voller Kartuschen gezählt. Hätte das Haus in die Luft gehen, die Häuserzeile gesprengt werden können?

Flaschen mit Wasser gekühlt

Die Situation wirkte wohl gefährlicher, als sie tatsächlich war. „Bis auf eine Flasche waren alle anderen leer“, sagte ein Polizeisprecher. Das war während des Einsatzes noch nicht klar, dennoch blieb die Feuerwehr souverän. Einsatzleiter Marco Reinhardt erklärt: „Wir haben die Flaschen sofort mit Wasser gekühlt, so schnell gehen die nicht in die Luft.“

Hinter dem Brand stand offenbar böse Absicht, das Feuer war wohl mutwillig mit einer Kerze gelegt worden. Dem Brand vorausgegangen war ein Streit zwischen Mieter und Hauseigentümer.

Der Hauseigentümer berichtet, er habe die alte Stromheizung des Hauses durch eine Gasheizung ersetzen wollen. Um einen Schornstein zu setzen, hätte er die Wohnung des Mieters betreten müssen. Der habe den Zugang schon mehrfach verweigert. Am Sonnabend war der Streit eskaliert.

Streit mit Mieter

Der Hauseigentümer berichtet: „Wir haben in der Wohnung darunter mit sechs Leuten gearbeitet, wollten sie renovieren und anschließend neu vermieten.“ Im Zuge der Sanierung habe er erneut gebeten, die Dachgeschosswohnung betreten zu können, der Mieter habe sich erneut dagegen gewehrt. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel. Der Hauseigentümer berichtet den Fortgang so: „Dann hat er (der Mieter) gesagt: jetzt knallt`s. Dann habe ich ein Zischen gehört und ich weiß, wie Gas zischt. Ich habe zu den anderen bloß noch gesagt: Raus hier.“ Er und seine Mitstreiter haben das Haus verlassen. Die Feuerwehr wurde alarmiert.

Der Mieter hatte offenbar das Sofa mutwillig angezündet und wollte flüchten. Das hat der Hauseigentümer verhindert. „Ich habe ihn mit der Brechstange festgehalten, bis die Polizei kam.“ Die Beamten legten dem mutmaßlichen Brandstifter Handschellen an und nahmen ihn vorläufig fest.

Warum lagert jemand so viele Gasflaschen in der Wohnung, ist das erlaubt? „Solange sie leer sind, geht von ihnen keine Gefahr aus“, sagte ein Polizeisprecher. Auch gegen eine Propangasflasche sei generell nichts einzuwenden, damit könne schließlich ein Kocher betrieben werden.

Keinen Strom bezahlt

Der Mieter hat offenbar schon sehr lange keinen Strom mehr bezahlt, sodass der längst abgeklemmt war. Deshalb habe er bei Kerzenlicht gelebt. Auch ein Mietvertrag lag nicht mehr vor.

Doch Brandstiftung ist nicht der einzige Vorwurf, dem der Verdächtige ausgesetzt ist. „Wir gehen davon aus, dass diese Gasflaschen von mehreren Einbruchshandlungen stammen“, heißt es von der Polizei. Das müsse noch geprüft werden.

Beim Einsatz war die gesamte Stadtfeuerwehr mit 54 Kameraden und 12 Fahrzeugen vor Ort. Zwei Atemschutzgeräteträgertrupps haben im Innenangriff das Feuer gelöscht. Wie hoch der Schaden ist, kann noch nicht beziffert werden. Nach dem Einsatz hat Wirt Roland Bohlein die Feuerwehrleute zum Katharinensaal eingeladen, auf je zwei Kugeln Eis.