Sanierung

Für den Umbau des Wolmirstedter Bahnhofs fehlt Baumaterial

Mit viel Eigeninitiative soll der Wolmirstedter Bahnhof zu einem sehenswerten Objekt für die breite Masse umgebaut werden. Allerdings scheint der Fertigstellungstermin in Gefahr.

Von Tom Wunderlich
Swen Pazina steht vor dem zukünftigen Video-Reisezentrum im Südteil des Bahnhofs. Rund 3,4 Millionen Euro werden hier investiert. Zwei Millionen Euro übernimmt das Land.
Swen Pazina steht vor dem zukünftigen Video-Reisezentrum im Südteil des Bahnhofs. Rund 3,4 Millionen Euro werden hier investiert. Zwei Millionen Euro übernimmt das Land. Fotos (3): Tom Wunderlich

Wolmirstedt - Wenn Swen Pazina durch den Bahnhof in Wolmirstedt läuft, kann er seine Freude auf das, was hier einmal sein soll, kaum verbergen. Pazina gehört zum Stiftungsvorstand des Bodelschwingh-Hauses und überwacht den Großteil der Tätigkeiten im Bahnhof. „Wenn das hier einmal fertig ist, wird es eines der schönsten und modernsten Gebäude in der Region sein. Das wird wirklich klasse“, erzählt er. Seit dem offiziellen Spatenstich, an dem auch Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) teilnahm, hat sich schon einiges getan. „Wir haben bereits die Ausschreibungslose Eins und Zwei komplett abgeschlossen.“ Los Eins sei die Einrichtung der Baustelle gewesen, Los Zwei nötige Abbrucharbeiten. In dessen Rahmen sei unter anderem der Anbau auf der Südseite des Gebäudes verschwunden. Außerdem seien im Gebäude nicht tragende Wände entfernt worden. „Wir befinden uns aktuell in der Anfangsphase von Los Drei“, erklärt Pazina weiter. Hierbei handle es sich um Rohbauarbeiten. Damit sei auch aktuell sein Kollege Andre Klein beschäftigt. Dieser stemmt mit einem Bohrhammer im Keller einen Rundbogen vorsichtig von der Decke ab. Hier soll künftig die Energieversorgung des Gebäudes ihren Platz finden.

Baumaterial für verschiedene Gewerke fehlt

„Eigentlich laufen unsere Arbeiten hier echt gut und wir befinden uns auch noch im Zeitrahmen. Allerdings gibt es da auch ein Problem.“ Damit meint Pazina die aktuelle Rohstoffknappheit, welche sich wiederum auf die Baumaterialien auswirken würde. So wird unter anderem für Aussteigungsarbeiten an der Außenwand Holz benötigt. „Allerdings gibt es aktuell kein passendes Bauholz. Wir müssen hier mit Lieferzeiten von sechs bis acht Wochen rechnen“, erklärt Swen Pazina weiter. Das sei natürlich erstmal ein verkraftbarer Zeitraum. „Natürlich könnten wir einfach andere Arbeiten vorziehen, indem wir sie ausschreiben, allerdings haben zur Zeit alle Gewerke Probleme, Baumaterialien heranzubekommen.“ Was die Ausschreibungen angeht, ist Pazina froh, dass die Stadtverwaltung dabei helfe. „Wir sind keine Profis, was Ausschreibungen angeht, da greift uns die Vergabestelle schon sehr unter die Arme. Dafür sind wir echt dankbar.“ Laut Pazina sei das Fertigstellungsziel im Mai 2022 durchaus noch machbar, wenn sich der Baustoffmarkt entspannen würde. „Ansonsten müssen wir leider mit Verzögerungen rechnen.“

Mit Fertigstellung wird der Bahnhof auch kein Bahnhof mehr im herkömmlichen Sinne sein. „Aktuell befinden sich noch Versorgungsleitungen der Deutschen Bahn im Gebäude, sobald diese entfernt sind, handelt es sich nur noch um ein Gebäude im herkömmlichen Sinn“, so Pazina beim Vorort-Termin.

Fahrkarten, Café und Fahrradservice

Allein für das historische Gebäude, welches 1880 errichtet wurde, sind rund 3,4 Millionen Euro an Investitionskosten eingeplant. Rund zwei Millionen Euro der Revitalisierungskosten werden durch das Land Sachsen-Anhalt übernommen. Dass das Empfangsgebäude nicht nur von außen ein Hingucker werden soll, bekräftigt auch Swen Pazina vom Bodelschwingh-Haus. „Wir wollen in dem Gebäude so viel wie möglich unterbringen“, sagt er.

Das fange schon beim ursprünglichen Zweck, dem Reisen, an. So ist unter anderem ein Fahrkartenverkauf und die Unterbringung eines Video-Reisezentrums geplant. Hierbei handelt es sich um einen besonderen Fahrkartenautomaten. Zukünftig sitzt kein Bahnmitarbeiter mehr am Kartenverkauf, sondern schaltet sich je nach Bedarf auf einen integrierten Videobildschirm zu und leitet die Kunden durch die Reisebuchung. In neun Bundesländern wird diese Technik bereits erfolgreich angewendet. Der große Vorteil: Rund um die Uhr können Bahnmitarbeiter beim Kauf des Tickets helfen. „Natürlich soll auch ein moderner Wartebereich für alle Fahrgäste integriert werden“, erklärt Pazina weiter.

Außerdem sollen ein Café sowie eine Fahrradservice-Station mit Werkstattservice entstehen. Hier sollen bis zu 15 Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung beschäftigt werden. „In der oberen Etage werden nach altem Vorbild wieder Wohnungen entstehen.“ Auch ein Büro der Bördebus-GmbH soll mit einziehen. Immerhin soll der Bahnhof wieder ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Region werden.