Klein Ammensleben l Am großen Torbogen zur Einfahrt auf das Grundstück der Magdeburger Straße 33 in Klein Ammensleben wird schon seit Tagen fleißig gewerkelt. Bauarbeiter sind dabei, den alten Putz von dem über hundert Jahre alten Bauwerk zu entfernen. Um den Torbogen seitlich zu stabilisieren, wurde die benachbarte Mauer verstärkt. „Wenn es das Wetter zulässt, werden wir die freigelegten Steine verfugen“, erzählt einer der Bauarbeiter. Bei den Steinen handelt es sich um gebrannte Ziegel sowie Brocken aus sogenannter Grauwacke.

„Für uns ist das ganz selbstverständlich, dass wir diese alten Dinge erhalten“, erzählt Steffen Fitzek. Sein Unternehmen hat das Objekt im Jahr 2016 erworben. Seither ist viel passiert. Die einsturzgefährdeten Gebäude wie Scheune und Ställe sind verschwunden und die Wohnungen in dem großbäuerlichen Haus wurden saniert. Fünf Mietparteien haben hier ihre eigenen vier Wände.

Mehr über die Geschichte erzählen kann Bewohnerin Bärbel Krull. Die rüstige Seniorin weiß, dass dieser Hof einst Familie Peine gehörte. Die Inschrift einer Steinplatte an dem freigelegten Torbogen verrät, dass das Anwesen im Jahr 1883 errichtet worden ist. Von dem Vermögen der einstigen Großbauern zeugen noch heute die farbenfrohen Fliesen mit floralen Mustern auf dem Fußboden der Diele im Eingangsbereich. „Die stammen von ‚Villeroy und Boch’“, erzählt die Seniorin, deren Familienstammbaum mütterlicherseits bis Anfang des 17. Jahrhunderts in Klein Ammensleben zurück zu verfolgen ist.

Ehemalige Kommandantur

„Auf dem Hof gab es früher noch die Scheune und die Ställe. Hier wurden Pferde, Rinder, Schweine und Hühner gehalten“, erinnert sich Bärbel Krull. Und sie weiß weiter zu erzählen, dass die Wohnung gegenüber zum Ende des Zweiten Weltkriegs als Kommandantur für eine Flakstellung und eine Scheinwerferstation genutzt worden ist. Nach 1945 wurde das Anwesen einer der zwei örtlichen LPGs zugeschlagen.

„Ich finde es traurig, dass in den vergangenen Jahren so viele der alten Höfe verschwunden sind“, sagt die 83-Jährige. Aber sie sei schon ein bisschen stolz, dass sich die neuen Eigentümer um das Anwesen kümmern und den alten Torbogen wieder auf Vordermann bringen.

Ländereien neu aufgeteilt

Auch Kreisdenkmalschützer Erhard Jahn aus Wolmirstedt hat viel für „Menschen übrig, die die alten Zufahrten“ in den Dörfern des Landkreises erhalten. „Das sind Zeitzeugen der Geschichte“, erklärt der Ingenieur. So zeugen die Bauwerke von neuen großbäuerlichen Ställen, wie sie es erst seit Napoleon gegeben habe. Auf Befehl des französischen Eroberers wurden nämlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts viele Ländereien neu aufgeteilt. „Das war zwar auch eine Zeit, in der viele Steuern gezahlt werden mussten. In diesen Jahren entstanden aber auch die neuen großbäuerlichen Familien. Und davon zeugen die Torbögen bis heute“, erzählt der Denkmalpfleger.

Denkmalgeschützt seien die Bauwerke übrigens nicht, „nur im Zusammenspiel mit einem dazugehörigen Gebäude oder der betreffenden Mauer“. Daher gebe es auch kein Programm, um die Bauwerke zu erhalten, „wobei einzelne Gemeinden unterschiedliche Wege gehen.“

Ganz typisch für die Region sind übrigens Torbögen in sogenannter Korbbogenbauweise. Dabei handelt es sich nicht um einen Halbkreis, sondern um zwei unterschiedlich große Radien. „Wenn Eigentümer ihre Torbögen selbst sanieren und erhalten, ist das begrüßenswert“, sagt der Kreisdenkmalpfleger. Es sei ein Fehler, diese Abzureißen und Zeitzeugen verschwinden zu lassen.