Barleben l Der Ton der Stahlglocke hat die Barleber lange Jahre begleitet. Ganze Generationen von Einwohnern der Gemeinde haben noch ihren dunklen Klang im Ohr. „Gestiftet wurde sie von dem Fabrikbesitzer-Ehepaar Heinrich und Elisabeth Spoer“, erzählt Pfarrer Johannes Könitz im Gespräch mit der Volksstimme. „Die große 47 Zentner und 78 Pfund schwere Edelstahlglocke mit Intonierung D sollte an die verstorbene Tochter Ilse des Paares erinnern.“ Die Weihe erfolgte Ostern 1922. Die Stifter sorgten mit Mann und Gerät für die Verbringung der Glocke in den Turm und ihre Inbetriebnahme. Konzipiert war sie für eine Dauer von 70 Jahren, doch Ilse hielt über 95 Jahre durch.

Oftmals läutete sie auch allein, da die Bronzeglocken auch im zweiten Weltkrieg aus den Türmen der Gotteshäuser geholt wurden, um in Kriegsgerät umgeschmolzen zu werden. Die betagte „Ilse“ rief zum Gebet, begleitete Taufen, Konfirmationen, Eheschließungen und war Sterbeglocke für Gefallene und in Barleben bestattete Menschen. Sie begleitete die Barleber in Freud und Leid. Seit 2004 gab es wieder drei Glocken im Kirchturm. Die dringend erforderlichen und umfangreichen Sanierungsmaßnahmen an demselben, inklusive Glockenstube, brachten nach einem längeren Abwägungsprozess die Entscheidung: „Wir holen die Ilse-Glocke zurück an den Boden.“

Das geschah auch noch, bevor sich eventuelle Materialermüdungen durch einen Sprung bemerkbar machen konnten. „Die Ilse hat also ihre dunkle Stimme behalten“, resümiert der Pfarrer. Die soll auch weiterhin hörbar sein, allerdings ganz anders als zu ihrer „aktiven Einsatzzeit“.

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Glockenstuhl aus Holz wird errichtet

„Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Glocke einen besonderen Platz vor dem Gotteshaus erhalten soll“, erklärt Johannes Könitz. „Also wird hier ein Glockenstuhl aus Holz errichtet, in dem die ,Ilse‘ fest verankert wird.“ Um auch künftig den Klang hörbar zu machen, soll sie mit einem Anschlagsklöppel versehen werden. „Man kann sich da vereinfacht die Verwendung wie bei einem Gong vorstellen“, sagt der Pfarrer.

Einen Glockenstuhl aus Stahl hätten die Barleber schon vor Ort haben können, aber sie setzen auf die klassische Variante. „Ein Unternehmen hatte sich seinerzeit angeboten, den Aufwand zu finanzieren“, erinnert sich der Pfarrer. Die Variante wurde aber abschlägig beurteilt.

An ihrem Platz neben dem Zugang zur „Vorwerkschen Loge“ harrt die gute „Ilse“ nun auf die Dinge, die da kommen werden. Ihr Platz im Turm soll aber keineswegs leer bleiben. „Wir wünschen uns Ersatz und vertrauen darauf, dass Menschen aus Nah und Fern unser neues Projekt wieder großzügig unterstützen werden“, informiert Ute Lüder, die Schriftführerin des Fördervereins Bau und Kultur im Kirchspiel Barleben.

Dieser ruft nun ein besonderes Glocken-Projekt ins Leben. Dabei können Spender zu „Glockenbronze-Paten“ werden, indem sie symbolisch ein Kilo Bronze zum Preis von 29 Euro erwerben und somit die Neubeschaffung unterstützen. Auch für den geplanten Glockenstuhl der „Ilse“ sind der Förderverein und die Kirchengemeinde auf Spendengelder angewiesen.