Groß Ammensleben l Die „Kulturhistorische Gesellschaft Groß Ammensleben an der Straße der Romanik“ möchte in einer neuen Veranstaltungsreihe mithilfe von Erzählungen und Dokumenten auf frühere Zeiten zurückblicken.

Der Auftakt des neuen Formates fand am vergangenen Mittwoch statt. Im Mittelpunkt standen die 1930er Jahre – sowohl die großen welthistorischen Ereignisse als auch die kleinen lokalen Geschehnisse und Personen in Groß Ammensleben.

Neue Veranstaltungsreihe

Nach einführenden Worten von Vereinspräsident Dr. Rüdiger Pfeiffer stellte Eva Isensee, Hauptorganisatorin der Veranstaltung, die technischen und kulturellen Entwicklungen der dritten Dekade des vorigen Jahrhunderts vor.

Bilder

Technische und kulturelle Neuerungen

Von Zeppelin und Kunstfaser über Farbfilm und VW Käfer ging es auch zum 1. Boxweltmeister Schmeling und den Olympischen Spielen sowie zu Musik- und Modetrends.

„Für Groß Ammensleben waren dies die Jahre der ersten archäologischen Erkundungen im Zusammenhang mit dem Bau des Mittellandkanals, des Umbaus der stillgelegten Zuckerfabrik zu Wohnhäusern und zum Sportplatz vor allem durch die vielen arbeitslosen sportinteressierten Männer“, erklärt Rüdiger Pfeiffer.

Abtauchen in Erinnerungen

Kinder seien in den Kindergarten und zur evangelischen oder katholischen Schule gegangen. Neben der Kirchenglocke waren auch Häuser und Geschäfte in Groß Ammensleben Thema. „So manche Erinnerung wurde wachgerufen und führte im Publikum zu unmittelbaren Kommentaren“, resümiert der Vereinspräsident.

In besonderer Weise sei der Abend einer Anregung von Christina Alpert zu verdanken. Von ihrer Mutter habe sie ein Büchlein mit Aufsätzen von Schülern der 1920er Jahrgänge der evangelischen Schule Groß Ammensleben erhalten.

Der Lehrer Hermann Fach hatte laut der Kulturhistorischen Gesellschaft 1931 seine etwa zehn- bis zwölfjährigen Schüler Geschichten aus dem Alltagsleben des Ortes schreiben lassen.

Alte Aufsätze werden vorgetragen

„Und da jedes Dorf so seine ‚Originale‘ hatte, stand das Ehepaar Hermann und Emma Kegel im Mittelpunkt. Auf der untersten sozialen Stufe stehend, wurden beide mit ihrem Leierkasten häufig zu Zielscheiben von Gespött und so manches Mal zeittypisch bösen, aber auch drolligen Kinderstreichen“, heißt es weiter.

Weil die Handschrift jener Zeit vom Übergang der deutschen Kurrentschrift zu Sütterlin geprägt gewesen sei, mussten die Aufsätze erst in das heutige Schriftbild „übersetzt“ werden.

Christina Alpert, Marlies Elling, Eva Isensee und Ingrid Schrader lasen abwechselnd aus den Aufzeichnungen vor. Wie Rüdiger Pfeiffer informiert, habe es damals zu jedem Schüler Anmerkungen über Verwandtschafts- , Familien- und Bekanntheitsgrade sowie zu Wohnstätten und späterem Lebensweg gegeben.

Fortsetzung geplant

„Und wo die Recherchen bislang nicht weiter gekommen waren, konnte so mancher der Zuhörer mit seinem Kenntnisstand noch etwas beitragen. So kam ein hochinteressanter kulturhistorischer Abend zustande, dessen Fortsetzung mit Spannung erwartet wird“, sagt der Vereinspräsident. „Im nächsten Jahr wollen wir uns die 1940er Jahre vornehmen“, informiert Eva Isensee.