Wolmirstedt l So seltsam es auch klingen mag: Beton bestimmt das Leben von Kati Fleischer. In ihrem Haus in Wolmirstedt tummeln sich in jeder Ecke zahlreiche kleine Elemente. Der Schriftzug „Willkommen“ auf der Kommode, ein Herzchen auf der Heizung, eine Plätzchenschale auf dem Küchentisch – überall findet ihre Leidenschaft Ausdruck. Doch das wahre Paradies wartet auf der Terrasse – dort tummeln sich so viele Arbeiten, dass das Weihnachtsmarkt-Flair sofort einsetzt.

Und genau da haben viele Wolmirstedter sie auch gesehen, auf dem diesjährigen Wolmirstedter Adventsmarkt. Dort war die 48-Jährige im Bürgerhaus mit ihren Betonlieblingen zu Gast. „Natürlich wollten die meisten keine Betongeschenke über den Weihnachtsmarkt schleppen“, sagt Kati Fleischer und schmunzelt. Trotzdem flattern seither die Aufträge fast stündlich ins Haus.

Die Idee kam vor der Hochzeit

Was lange ein sehr zeitraubendes Hobby für die Kreative war, ist nun ein kleines Gewerbe geworden. „Erst vergangene Woche habe ich ein Kleingewerbe angemeldet“, sagt sie stolz.

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Inzwischen füllt ihr Hobby die gesamte Freizeit der gebürtigen Magdeburgerin. „Ich denke nur noch an Beton“, sagt sie und lacht. Und da sich ihre grauen Lieblinge auch immer besser verkaufen, hat sie diese nun zum zweiten Standbein gemacht. Hauptberuflich ist sie Mitarbeiterin bei einem großen Paketauslieferer in der Region.

Wo die Liebe hinfällt, kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen. Kati Fleischer fand ihre Liebe zum Beton, als sie ihre große Liebe heiratete – im Mai 2017. Für die urige Atmosphäre im Schlosskeller suchte sie für den schönsten Tag des Lebens eine passende Dekoration. Im Internet holte sie sich Anregungen – und stolperte über einen Teelichthalter aus Beton.

Werkstatt und Atelier auf Küchentisch

Am nächsten Tag stand sie auf ihrer Terrasse, rührte Beton und Sand an und goss ihre eigene Hochzeitsdekoration. Der Funke sprang über, die Leidenschaft war geweckt. Alles, was sie sah, formte sie fortan aus Beton. „Ich musste alles ausprobieren“, sagt sie. Herausgekommen ist nicht nur saisonale Dekoration für die Festtage, sondern auch sommerliche Lieblinge für den Garten.

Wenn wieder eine Fuhre der kleinen Kunstwerke ansteht, wird die Wohnung zum Atelier. Im heimischen Bade- oder Wohnzimmer wird dann der Beton angerührt. Diesen gießt Kati Fleischer in verschiedene Formen oder formt ihn mit den Händen. Anschließend muss sie die Betonwerke erst einmal in Ruhe lassen, damit sie trocknen können. Je nach Größe der Werke und der Umgebungswärme dauert dies bis zu zwei Wochen.

Ist diese Zeit ausgestanden, ist die Feinarbeit dran. Schleifen, drucken, malen – an den Unikaten ist alles zu 100 Prozent von Kati Fleischer. So werden auch die Mützen der kleinen Schneemänner selbst gestrickt. Beliebt sind vor allem individualisierte Geschenke, die mit Sprüchen oder Namen versehen sind.

Gerade in der Vorweihnachtszeit ist für die Kreative an Schlaf kaum noch zu denken. Damit sie dem Weihnachtsmann die fertigen Stücke mitgeben kann, läuft die Arbeit nun im Akkord. „Mein Mann muss wirklich gerade viel aushalten“, sagt sie und lacht. Doch was soll sie machen, es war Liebe auf den ersten Blick – beim Hobby und beim Gatten.