Wolmirstedt l In der August-Bebel-Straße sind am Dienstag drei Stolpersteine verlegt worden. Sie sollen an die jüdische Familie Herrmann erinnern, die im Jahr 1944 im KZ Auschwitz ermordet wurde und die in der August-Bebel-Straße 43 ihr Geschäfts- und Wohnhaus hatte. Zu dieser Verlegung waren zahlreiche interessierte Bürger erschienen.

Organisiert hatte die Verlegung die Arbeitsgruppe „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ des Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasiums, die sich über Jahre hinweg mit der jüdischen Geschichte in Wolmirstedt beschäftigt hat. Dazu wurde unter anderem auch ein Stadtführer mit dem Titel „Orte des jüdischen Lebens in Wolmirstedt“ herausgegeben, in dem die genaue Geschichte der Familie Herrmann nachzulesen ist. Die Steine wurden durch den Leiter des Gedenkprojekts, Gunter Demnig, verlegt.

„Wir sind sehr froh, dass es geklappt hat und die Arbeit der Gruppe mit dem Verlegen der Stolpersteine abgeschlossen wird“, sagte Andrea Schlaugat, die als Lehrerin die Arbeit der AG unterstützte.

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Bürgermeister Martin Stichnoth wandte sich direkt an die anwesenden Schüler: „Durch eure Arbeit werden die Menschen wachgerüttelt“, lobte er die Arbeitsgruppenmitglieder. Dem schloss sich Museumsleiterin Anette Pilz an: „Wir müssen uns erinnern und dürfen nicht vergessen.“

Nach der Verlegung war es den Wolmirstedtern möglich weiße Rosen niederzulegen, die die Besonderheit dieses Platzes unterstreichen sollten. Im Anschluss ging es im Museum mit einer Gedenkveranstaltung weiter. Dieser Einladung folgten ebenfalls viele der anwesenden Gäste.

Anette Pilz und das Museumsteam beschäftigen sich bereits seit einigen Jahren mit der jüdischen Geschichte in Wolmirstedt. So kam die Kooperation mit der Schule zustande. Neben der Gedenkveranstaltung wurden dort auch Ausstellungsexponate, Gedenktafeln und ein Erinnerungskoffer von den Schülern aufgestellt, die Materialien ihrer Recherche beinhalten. Zu Beginn der Gedenkveranstaltung spielte die Klezmer-Gruppe der Musikschule Wolmirstedt einige Stücke, bevor erneut die Schüler der Arbeitsgruppe übernahmen. Es wurden jüdische Lieder wie „Yankele“ und „Yerushalayim“ gesungen und geschichtliche Fakten vorgetragen. Dazu kam ein Vortrag, der sich speziell mit der Familie Herrmann beschäftigte, sowie eine Lesung aus einem Brief eines jüdischen Kindes, das diesen aus dem KZ an seine Eltern geschrieben hatte.

Das Geld für die Verlegung hatte die AG selbst aufgebracht. Den Besuchern der Gedenkveranstaltung war es allerdings möglich, für die Finanzierung der Verlegung zu spenden. Zum Abschluss gab es für die Schüler und ihre Gäste noch einen kleinen Imbiss am Museum sowie die Möglichkeit sich weiter auszutauschen.