SüdOstLink

Im Umspannwerk in Wolmirstedt bleibt vorerst das Brummen und ein Konverter kommt

Das Wolmirstedter Umspannwerk entwickelt sich immer mehr zum Drehkreuz für den Windstrom. Mit Folgen. Neben leistungsstärkeren Leitungen nach Norden entsteht eine Gleichstromtrasse nach Süden. Der Konverter entsteht in Wolmirstedt.

Von Gudrun Billowie
Wolmirstedt ist das Drehkreuz für Windstrom. Noch wird nur Wechselstrom gesammelt und verteilt.
Wolmirstedt ist das Drehkreuz für Windstrom. Noch wird nur Wechselstrom gesammelt und verteilt. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt - Die großen Windparks im Norden und Nordosten der Bundesrepublik liefern immer mehr Strom. Der wird im Süden dringend gebraucht, vor allem von der Industrie. Damit der Strom möglichst verlustarm von Nord nach Süd gelangt, soll er nicht – wie herkömmlich - als Wechselstrom, sondern als Gleichstrom geschickt werden. Die Gleichstromleitung wird von Wolmirstedt bis ins bayerische Isar bei Landshut führen. Ihr Name ist SüdOstLink.

Damit wird sich das Gesicht des Wolmirstedter Umspannwerks ändern, ein großer Konverter wird gebaut. Der Windstrom kommt in Wolmirstedt als Wechselstrom an, muss also in Gleichstrom umgewandelt werden. Dafür braucht es einen Konverter, der zum Teil auf dem Gelände des Wolmirstedter Umspannwerks, zum Teil aber auch auf angrenzenden Flächen entstehen wird. Siemens wird diesen Konverter bauen. Der Auftrag ist vergeben.

Konverter wird kleiner, als ursprünglich geplant

Ursprünglich sollte dieser Konverter sieben bis neun Hektar Fläche einnehmen, inzwischen bietet Siemens eine Kompaktbauweise an, sodass 4,5 Hektar ausreichen dürften. Dieser Konverter wird in einer Art Halle errichtet.

Für den Konverterbau wird zum Teil ein Areal genutzt, auf dem zurzeit noch 220-Kilo-Volt-Leitungen steht. Die werden weichen, weil sie durch 380-Kilovolt-Leitungen ersetzt werden. Diese leitungen schicken den Wechselstrom in alle Landesteile, allerdings reichen 220-Kilovolt längst nicht mehr aus, deshalb wird generell auf 380 Kilovolt hochgerüstet. Sind die 220-Kilovolt-Leitungen ersetzt und außer Betrieb, wird auch der Trafo abgeschaltet, der Bürger in Farsleben und Teilen Wolmirstedts mit seinem Brummen nervt.

Eigentlich sollte dieser Trafo längst abgeschaltet sein, doch der Bau der 380-Kilovolt-Leitung Richtung Norden stockt. In Sachsen-Anhalt bis zur Landesgrenze nach Brandenburg läuft alles nach Plan, auf Brandenburger Seite passiert nicht viel, sagt sinngemäß Umspannwerkchef Andreas Mötzing. Solange nicht die komplette 380-Kilovolt-Leitung steht, muss die alte 220-Kilovolt-Leitung in Betrieb bleiben.

Trafo-Brummen bleibt noch lange

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum dieser Brumm-Trafo in Wolmirstedt am Lebengehalten wird. Er muss mit dafür sorgen, den Notbetrieb für Berlines Nordwesten zu sichern. Dort wird gerade von 220 auf 380 Kilovolt umgebaut, deshalb sind dort die Anlagen ausgeschaltet.

Sobald also Berlins Nordring auf 380 Kilovolt umgestellt ist und der Trassenbau in Brandenburg weitergeht und beendet wird, wird es in Wolmirstedt still. Der Brumm-Trafo wird verschwinden. Genaue Zeit-Prognosen kann zurzeit niemand geben.

Trotzdem rechnet 50Hertz, dass der erste Spatenstich für den Konverter 2022/23 erfolgen kann. Dann müsste das 220-Kilovolt-Schaltfeld entfernt und der Brumm-Trafo abgeschaltet sein.

Der SüdOstLink, also die Gleichstromleitung, die nach Bayern führt, bringt zwar den dringend benötigten Strom dort hin, die Bayerische Landesregierung hatte sich jedoch vehement gegen zusätzliche Strommasten gewehrt und durchgesetzt, dass dieses Gleichstromkabel als Erdkabel geführt wird. Das stößt jedoch nicht auf dem gesamten Streckenverlauf auf Gegenliebe.

SüdOstLink wird in der Börde wohl Freileitung

In der Börde haben sich zahlreiche Kommunen für Freileitungen ausgesprochen. Grund ist vor allem der Schutz des landwirtschaftlich stark genutzten Bördebodens. Ob der SüdOstLink auch oberirdisch auf Masten laufen kann, musste daraufhin gesondert geprüft werden. „Noch sind die Prüfungen nicht abgeschlossen“, heißt es von 50Hertz-Sprecher Axel Happe, „aber es steht wohl nichts gegen die Freileitung.“

Das bedeutet, ausgehend vom Konverter würde die Freileitung das Wolmirstedter Umspannwerk gen Westen verlassen und im Landkreis Börde bis Höhe Magdeburg-Olvenstedt verlaufen (Siehe Grafik). Dafür würden zum Teil bereits vorhandene Wechselstrommasten genutzt, wegen der notwendigen Abstände müssen aber auch zusätzliche Masten neu errichtet werden . Ab Höhe Magdeburg-Olvenstedt würde der SüdOstLink innerhalb einer Kabelübergangsstation in die Ede verlegt.

Das Stromnetz bis zur bayerischen Grenze betreibt das Unternehmen 50Hertz, für den bayerischen Teil ist der Netzbetreiber TenneT zuständig. Auch TenneT lässt seinen Konverter, der am unteren Ende der Gleichstromleitung in Isar den Gleichstrom zurück in Wechselstrom umwandelt, von Siemens bauen. Die Bauphase wird etwa dreieinhalb Jahre dauern, beide Konverter kosten mehrere hundert Millionen Euro. Insgesamt liegen die Kosten für den SüdOstLink bei vier bis fünf Milliarden Euro.

Nächste Gleichstromtrasse ist in Planung

Mit dem SüdOstLink, dem sogenannten Vorhaben 5, ist der Hunger nach Strom noch nicht gesättigt. 50Hertz plant eine weitere Gleichstromtrasse, das sogenannte Vorhaben 5a. Sie soll von Klein Rogahn, westlich von Schwerin ausgehen und ebenfalls ins bayerische Isar führen. Dafür wird zum Teil die Trasse des SüdOstLinks genutzt, es werden Leerrohre mitverlegt.

Die Börde ist von dieser weiteren Trasse nicht tangiert, heißt es von 50Hertz, sie stößt erst dort auf die SüdOstLink-Trasse, wo das Gleichstromkabel als Erdkabel verläuft, also Höhe Magdeburg-Olvenstedt. Die erforderlichen Konverter werden in Klein Rogahn und Isar errichtet.

Der Netzbetreiber 50Hertz wird in der zweiten Julihälfte mit dem Dialogmobil auf Tour gehen und in Wolmirstedt einen Zwischenstopp einlegen.