Bibliothek

In der Wolmirstedter Bibliothek gibt es wieder neues Lesefutter

Lange war die Wolmirstedter Bibliothek geschlossen. Nun gibt es eine neue Bibliotheksleiterin und Leseratten können sich wieder mit neuem Stoff eindecken. Auch für Ferienkinder startet wieder eine Aktion.

Von Gudrun Billowie 20.07.2021, 18:55 • Aktualisiert: 20.07.2021, 19:08
Wolmirstedts Bibliotheksleiterin Janina Freimann bereitet den Lesesommer XXL vor.
Wolmirstedts Bibliotheksleiterin Janina Freimann bereitet den Lesesommer XXL vor. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt - Janina Freimann hat viel zu tun. Am Donnerstag starten die Sommerferien und mit ihnen der Lesesommer XXL. „Viele Kinder haben schon nachgefragt und freuen sich auf die neuen Bücher“, weiß die Bibliotheksleiterin. Bisher stehen 41 neue Kinder- und Jugendbücher bereit. Bevor sie von Hand zu Hand gehen können, müssen sie in den Bibliotheksbestand aufgenommen werden.

Die Bibliothek war mehrere Monate lang geschlossen. Wegen Corona, aber auch, weil es niemanden gab, der dort arbeiten konnte. Diese lange Schließung fiel ausgerechnet in die zeit, in der Menschen wegen Corona viele Aktivitäten ausfallen lassen mussten.

„Die Schließzeit war fürchterlich“, sagt Ina Bednarz, die zuvor regelmäßig in der Bibliothek anzutreffen war. Die Wolmirstedterin hat sich stattdessen Bücher zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken lassen oder neuen Lesestoff aus dem Tauschregal geholt.

Tauschregal ersetzt keine Bibliothek

Das Tauschregal betreibt der Bibliotheksförderverein „Lesezauber“ im E-Center im Lindenpark. Dort kann jeder Bürger ausgelesene Bücher hineinstellen und andere mitnehmen. „Aber das ist alles nicht dasselbe, wie der Besuch in der Bibliothek“, hat Ina Bednarz festgestellt. Die Begegnungen, die persönliche Beratung, der Austausch haben gefehlt.

Wie wichtig die Bibliothek als Begegnungsstätte ist, weiß auch die neue Bibliotheksleiterin Janina Freimann. „Ich möchte die Bibliothek verstärkt als Dritten Ort etablieren, mehr Aufenthaltsqualität bieten.“

Bibliothek als Dritten Ort etablieren

Als „Dritter Ort“ wird in der Soziologie ein Ort der Begegnung, des Lernens, der Inspiration, ein gesellschaftlicher Knotenpunkt bezeichnet. Wie wichtig den Wolmirstedtern die Bibliothek als Begegnungsstätte ist, hat Janina Freimann bereits in ihren ersten Wolmirstedter Diensttagen erfahren. „Viele Leser habe ich schon mehrfach gesehen.“ Besonders Familien seien froh, wieder einen Anlaufpunkt zu haben, für ihre Kinder wieder Bücher, Spiele und Tonie-Boxen ausleihen zu können.

Die häufigen Bibliotheksbesuche sind aber auch der großen Nachfrage nach Zeitschriften geschuldet. Magazine, die sich mit Kochen, Garten, Wissenschaft oder Reisen beschäftigen, seien enorm beliebt, müssen aber nach einer Woche wieder abgegeben werden. Über 40 Titel hat die Wolmirstedter Bibliothek im Bestand. „Das ist viel für so eine kleine Bibliothek“, weiß die Bibliotheksleiterin aus der Erfahrung.

Bis Ende Juli läuft Kulanz-Frist, danach wird gemahnt

Inzwischen wird wieder darauf geachtet, dass Zeitschriften, Bücher und Spiele rechtzeitig zurückgegeben werden. In den vergangenen Monaten war das Zurückgeben den Lesern wegen der Schließung der Bibliothek schlichtweg nicht möglich. Gut 250 Leser lagerten ihre Bücher zu Hause. Inzwischen haben die meisten ihre Bücher zurückgegeben. Die verbliebenen etwa 80 Leser haben noch bis zum 31. Juli Zeit, erst danach werden Säumnisgebühren fällig.

Noch muss Janina Freimann ohne Kollegen auskommen, kann sich aber auf die Unterstützung der ehemaligen Bibliothekarinnen Dagmar Müller und Bärbel Reim verlassen. Beide haben vor der Wiedereröffnung der Bibliothek bereits geholfen, den Bestand zu sichten und gegebenenfalls auszusortieren und stehen auch jetzt zur Verfügung. „Außerdem haben sich bereits viele Leser bereit erklärt, ehrenamtlich mitzuarbeiten, beispielsweise vorzulesen.“ Das freut die Bibliotheksleiterin, denn sie möchte perspektivisch regelmäßige Veranstaltungen anbieten.

Sachsen-Anhalt stellt zusätzliches Geld bereit

Die Leser können sich zudem auf neue Bücher freuen, sogar noch mehr, als ursprünglich geplant. Das Land Sachsen-Anhalt hat zusätzlich 5000 Euro locker gemacht. Die ergänzen die bisher vorhandenen 5000 Euro, die zur Hälfte ebenfalls vom Land stammen, die andere Hälfte trägt die Stadt Wolmirstedt bei.

„Wir werden aber auch neue Hörbücher, Spiele und Tonies anschaffen“, blickt die Bibliothekarin voraus. Tonies sind kleine Figuren, die Geschichten erzählen oder Lieder singen, in etwa vergleichbar mit herkömmlichen Hörspielkassetten, als „Kassettenrecorder“ dient bei diesem System eine Toniebox.

Ina Bednarz wird sicher nicht warten, bis die neuen Bücher da sind, sondern regelmäßig in den Regalen stöbern. „Ich habe aufgeatmet, als ich in der Zeitung gelesen habe, dass die Bibliothek wieder öffnet. Das war wie Weihnachten und Ostern zusammen.“