Zugleich blickt er auf neue Vorhaben in 2021 voraus. Kritisch sieht er die immer noch mangelhafte Internetversorgung in Mose. Mit ihm sprach dazu Volksstimme-Redakteur Christian BeseckeVolksstimme: Herr Röhrmann, wie sieht Ihre ganz persönliche Bilanz für das Jahr 2020 aus?

Das Jahr 2020 haben wir uns anders vorgestell

Marco Röhrmann: Nun, wir alle haben uns sicherlich das Jahr 2020 im Vorfeld anders vorgestellt. Die Corona-Pandemie hat die Menschen nicht nur in Mose hart getroffen. Das gilt für zwischenmenschliche wie auch kulturelle Aspekte. Eigentlich sind alle Veranstaltungen, die wir uns vorgenommen hatten, ausgefallen. Das trifft uns um so mehr, da wir hier auf dem Dorf doch eine funktionierende Gemeinschaft haben und viele Dinge gemeinsam machen. Daher bleiben die Dinge, die wir als Ortschaftsrat und mit der Stadt Wolmirstedt gemeinsam umgesetzt haben.

Können Sie mehr über die im zurückliegenden Jahr umgesetzten Vorhaben verraten?

Dorfteichsanierung war ein Großprojekt

Natürlich. Die Sanierung des Dorfteichs ist da zu nennen. Sie ist im Großen und Ganzen planmäßig erfolgt und hat eine sechsstellige Summe gekostet, einschließlich Fördermitteln. Für uns ist das ein echtes Großprojekt. Mit dem, was da umgesetzt worden ist, dürfen wir sehr zufrieden sein. Die Sache hat uns aber auch gezeigt, dass wir noch weiter an der Kommunikation mit den Bürgern arbeiten müssen. Die Arbeiten sind in mehreren Abschnitten erfolgt. Das war einigen Bürgern so nicht von vorn herein klar. Daher mussten wir den geplanten Ablauf mehrfach erklären. Den ganzen Erfolg werden wir wohl im Frühjahr bewundern dürfen, wenn die Natur zu neuem Leben erwacht. Dann werden die Menschen sicher gern auf den Bänken und in der Jägerschenke Platz nehmen und das Biotop bewundern.

Die derzeitige Internet-Situation ist unbefriedigend. Wir haben hier noch die alten Kupferleitungen und die geben Raten von 2,0 bis maximal 4,6 Mbit her.

Ein guter Platz, um künftig Feste zu feiern

Was ist denn am Teich genau erfolgt?

Der Schlamm wurde zu zwei Drittel ausgehoben – gemäß der Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde. Er wurde mit neuem Mutterboden vermischt und auf das Gelände gebracht. Die Wasserentnahmestelle und der Platz, auf dem jetzt die Jägerschenke steht, wurden komplett saniert. Außerdem gibt es hier eine Hinweistafel, Papierkörbe, einen Fahrradaufsteller und mehrere neue Bänke. Es ist ein guter Platz, um hier künftig Feste zu feiern. Natürlich auch die entsprechende Einweihung, wenn das dann wieder möglich ist.

Gibt es weitere positive Dinge?

Ja, wir setzen uns für den Bau eines Radweges von Mose nach Farsleben ein, um somit einen Ringschluss um die Stadt herum zu erreichen. Außerdem zählen touristische und verkehrstechnische Aspekte in das Thema hinein. Gerade der Lkw- und Pkw-Verkehr ist durch die Freigabe des A 14-Autobahnteilstücks vor unserer Haustür stark angestiegen. Als Erfolg können wir und die Stadt Wolmirstedt werten, dass das Vorhaben 2020 in das Radwegekonzept des Landkreises aufgenommen wurde. Jetzt gilt es, diesen Weg weiter zu verfolgen und Möglichkeiten der Finanzierung zu finden.

Internet-Situation ist unbefriedigend

Wie ist der Stand in Sachen Internet. Da ist Mose ja nicht ganz so gut aufgestellt.

Das kann man laut sagen. Die derzeitige Internet-Situation ist unbefriedigend. Wir haben hier noch die alten Kupferleitungen und die geben Raten von 2,0 bis maximal 4,6 Mbit (Ergebnisse aus einem Volksstimme-Test) her. Das ist in der heutigen Zeit absolut unzureichend und dabei denke ich an Menschen, die Home-Office oder gar Homescooling in Lockdown-Zeiten betreiben müssen. Da gibt es richtige Probleme. Kurzfristig ist da keine Lösung in Sicht.

Warten seit 2019 auf Umsetzung

Aber der Partner der Stadt Wolmirstedt, die Firma MDDSL, hat schon Besserung in Aussicht gestellt, oder?

Dabei sind wir dann spät dran. Wir warten auf die Umsetzung seit 2019 und es geht um das Vectoringverfahren. Die Fertigstellung soll laut MDDSL im April erfolgen. Sicher, für uns ist das ein Quantensprung, aber es ist nicht der neueste Stand der Technik, sondern genügt dann gerade so für die derzeitigen Anforderungen. Zukunftsträchtig ist in jedem Fall ein Glasfaserausbau. Da haben wir die besten Beispiele in der Nachbarschaft, so in der Elbe-Heide oder in der Niederen Börde, wo kommunal ausgebaut wird. Um mich für den Internetausbau einzusetzen, bin ich vor sieben Jahren in den Ortschaftsrat gegangen und der Stand ist immer noch der selbe. MDDSL hat inzwischen einen Glasfaserausbau für Mose in Aussicht gestellt. Allerdings sind die Kosten für die Bürger vergleichsweise hoch. Das kann so nicht die Lösung sein. Ich wünschte mir für uns und andere betroffene Ortschaften mehr Anbieter, die in einen Wettbewerb treten können.

Ein Motto 2021: "Mose putzt sich"

Was steht für den Ortschaftsrat in diesem Jahr auf der Agenda?

Wir wollen das Friedhofskonzept der Stadt Wolmirstedt mit Leben ausstatten. Unter dem Motto „Mose putzt sich“ wollen wir Arbeiten am Spielplatz vornehmen. Wir möchten das Ortswappen wieder verwenden. Nicht, um uns irgendwie abgrenzen zu wollen. Nein, es dokumentiert die Entwicklung unseres Ortes vom Fischer- zum Agrardorf. Außerdem stärkt es den sozialen Zusammenhalt im Dorf. Darauf wollen wir stolz sein. In Mose lässt es sich gut Leben, auch wenn wir langsam eingebaut werden vom neuen Konverter des Nord-Süd-Links und der A 14. Das muss man aber auch positiv sehen. Die Wege sind kurz. Mit dem neuen Konverter wird das Brummen des Umspannwerks verschwinden, welches in der Backofenbreite immer zu hören ist. Allerdings sehen wir diesen Standort trotzdem als kritisch an.

Trotz unterschiedlicher Meinung Dialog

Ich hoffe, dass unsere Gemeinschaft schon bald wieder intensiver ausgelebt werden kann. Vielleicht sogar noch besser als vor der Corona-Krise.

Gibt es trotzt Kritik die Möglichkeit zum Dialog?

Das ist auch unser Ansatz. Man kann unterschiedlicher Meinung sein, sollte aber miteinander reden. Ein Beispiel ist die A 14, die zwischen Samswegen und Mose verläuft. Hier wird es eine Schallschutzwand geben. Dafür haben sich schon die vorherigen Ortschaftsräte stark gemacht.

Wir haben zwei sehr rührige Vereine

Bei all den Bautätigkeiten im Umfeld lässt es sich in Mose wirklich gut leben?

Ja, wir haben zwei sehr rührige Vereine. Gerade die Feuerwehr unterstützt das Dorfleben enorm. Aber selbst hier ist nach dem Rückzug des verdienstvollen Wehrleiters Thomas Nagel noch nicht die Nachfolge geklärt, da ja keine Versammlungen stattfinden können. Ich hoffe, dass das große Engagement durch die Kameraden fortgeführt wird. Ebenso haben wir einen sehr aktiven Ortschaftsrat. Wir mögen miteinander diskutieren, ziehen aber an einem Strang. Gemeinsam haben wir das Wohl der Gemeinschaft im Auge. Ich hoffe, dass unsere Gemeinschaft schon bald wieder intensiver ausgelebt werden kann.