Barleben l Obwohl keine Gottesdienste in Kirchen stattfinden dürfen, hat Johannes Könitz viel zu tun. Der evangelische Pfarrer ist viel in seinen Gemeinden unterwegs. „Die Bauprojekte laufen natürlich weiter“, sagt Könitz und meint damit die Sanierungsarbeiten an den Kirchen „Sankt Peter und Paul“ in Barleben sowie „Sankt Bartholomäus“ in Gersdorf. Anträge müssten geschrieben und Besichtigungen durchgeführt werden. Auch für die Dahlenwarsleber Kirche muss viel vorbereitet werden, „auch das wollen wir ja angehen“, sagt der Pfarrer. Denn bevor der altehrwürdige Sakralbau ein Culumbarium, also eine oberirdische Grabstätte, erhalten wird, muss die Kirche saniert werden.

So verbringt der Gottesmann außerordentlich viel Zeit am Telefon, wie er sagt. „Ich rufe dort an, wo ich wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen nicht mehr rein darf“, erklärt Johannes Könitz weiter.

Kirchentür steht offen

Dennoch steht die Pforte beispielsweise der Kirche „Sankt Peter und Paul“ in Barleben ganztägig offen. „Hier kann still gebetet und eine Kerze angezündet werden“, erzählt der Pfarrer. Desinfektionsmittel stünden am Eingang bereit. Und er berichtet, dass seit Corona viel mehr Lichter angezündet würden als zuvor. „Ich habe etliche Hüllen der abgebrannten Teelichte gesammelt. Es sind so viele, dass ich mir eine Aktion überlegen werde.“

Die seelsorgerische Begleitung laufe im Moment nur telefonisch ab. Auch da habe sich ein sprunghafter Anstieg bemerkbar gemacht. Mindestens zwei Mal am Tag führe er ein längeres Gespräch. Dabei gehe es um ganz persönliche Dinge. Oft würden familiäre Probleme erörtert.

Dennoch, so findet der Pfarrer, klappe das Netzwerken innerhalb der Gemeinde seit Ausbruch der Corona-Pandemie hervorragend, „da bin ich sehr dankbar und schon ein bisschen stolz drauf“, hebt Könitz hervor. So würden vor allem Senioren über die Kinder oder Enkel versorgt, „oder es helfen Freunde und Nachbarn.“ Auch Vereine wie die Volkssolidarität, die Feuerwehr oder den Heimat- und Kulturverein nennt der Gottesmann als Helfer erster Stunde.

Waretn auf das Land

Wann die ersten öffentlichen Gottesdienste gefeiert werden können, vermag Pfarrer Könitz indes nicht zu sagen. „Wir warten auf die nächste Verordnung von der Landesregierung zur Eindämmung des Virus“, erklärt er. Dann brauche es zwei bis drei Tage, bis der Krisenstab der Landeskirche angepasste Hinweise an die Gemeinden weitergibt. „Ich bereite mich schon einmal darauf vor. Desinfektionsmittel stehen ja schon bereit. Nun soll es auch die klinischen Schutzmasken mit der Bezeichnung FFP2 geben, falls die Gottesdienste nur mit Mundschutz durchgeführt werden dürfen“, erklärt Könitz.

In diesem Zusammenhang erzählt er von einer Spende eines großen Pharmakonzerns, der in Barleben einen Standort hat. „Die haben uns Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. Das war völlig unproblematisch“, freut sich der Gottesmann. Auch die privaten Verbindungen würden ausgiebig genutzt. So wurde er von dieser Seite gut mit selbstgenähten Masken ausgestattet.

Mehr Teilnehmer an digitalen Gottesdiensten

„Dennoch fehlt mir ein bisschen die Phantasie, wie denn die Gottesdienste künftig ablaufen werden. Denn schließlich soll der Besuch der Kirche ja auch Spaß und Freude bereiten“, meint der Pfarrer.

Allerdings bewiesen er und seine Mitstreiter, vor allem Mitglieder der Evangelischen Jugend des Kirchenkreises Haldensleben-Wolmirstdt, schon Phantasie. Denn wem die Gottesdienste in der Kirche fehlen, der kann Andachten im Internet verfolgen. Aktuell kann eine Bibelstunde zum Thema „Der Herr ist mein Hirte“ verfolgt werden. Diese Andacht zum vergangenen Hirtensonntag kann online unter www.wasbewegt.de abgerufen werden. Vor allem junge Menschen nähmen das Angebot eines modernen Gottesdienstes wahr, „ich bekomme aber auch vermehrt Rückfragen von Älteren“, berichtet Könitz.

Unterdessen wagt der Pfarrer schon einmal einen Blick voraus. „Was von Corona bleiben wird, ist der E-Mail-Verkehr“, ist sich der Gottesmann sicher. Für jeden Sonntag bereite er mehrere Blätter für die Anwesenden der Gottesdienste vor. Nun versende er die wichtigsten Anregungen zum Sonntagsthema per Mail, so unter anderem die Propriums, also die entsprechenden Bibeltexte, sowie die Predigt und das Hauptgebet, das Vaterunser. Die Blätter lägen aber weiterhin aus und würden an die Gemeindekirchenräte verschickt. „Ich habe festgestellt, dass ich über den digitalen Weg viel mehr Menschen erreiche als während der herkömmlichen Gottesdienste“, sagt der Pfarrer. Während die Andachten nur wenige Gläubige besuchten, würden es über Mail und Internet bis zu 100 Gläubige pro Wochenende sein.

Wer dennoch sonntags nicht auf seinen Kirchgang verzichten möchte, kann dies weiterhin tun. „Um 10 Uhr werden wie immer die Glocken läuten und unsere Kirchen für stille Gebete offen stehen“, lädt Johannes Könitz in die Gotteshäuser seiner Gemeinden ein.