Wolmirstedt l Sven ist gestorben. Zehn Jahre lang hatte er versucht, sich dem Krebs zu widersetzen. Nun wird sein letzter Wunsch erfüllt: Eine Seebestattung, der Menschen beiwohnen, die ihm wichtig waren. Das bedarf einer Summe von 2000 Euro. 1690 Euro sind bereits gespendet. Die Differenz zahlt der Verein „Blaue Nase hilft“.

Roger Altenburg ist Vorsitzender des Vereins und weiß: „Sveni war immer fröhlich.“ Oft war er dem jungen Mann begegnet, bei Sommerfesten des Elternhauses krebskranker Kinder der Magdeburger Uniklinik. Nun tritt Sven seine letzte Reise an.

Kinder an Krebs verlieren

Schicksale wie „Svenis“ kennen die Mitglieder der „Blauen Nasen“ zuhauf. Einige sind selbst betroffen, haben Kinder an den Krebs verloren, dabei das Ende ihrer Kräfte kennengelernt. „Wer Kinder hat, schläft ohnehin nicht mehr so gut“, erzählt Nadine Hübner, „aber wer ein krebskrankes Kind hat, schläft so gut wie gar nicht mehr.“

Nadine und Norman Hübner haben ihre kleine Tochter sterben sehen, das wird sie ein Leben lang begleiten. „Klar sind wir auch glücklich und lachen“, sagt Nadine Hübner. Der Schmerz sei jedoch immer da. „Der geht nie wieder weg.“

Einen Lichtblick gab es, als sie ihre Kleine im Krankenhaus begleitet haben, dieser Lichtblick war das Elternhaus krebskranker Kinder. „Dort trifft man Menschen, die dasselbe erleben oder erlebt haben“, sagt Nadine Hübner. Das bringt ein tieferes Verstehen, schafft Verschnaufpausen und ermöglicht Schlaf. „Dort lassen sich die Rollläden soweit schließen, dass es auch mittags noch stockfinster ist.“ Mitunter sei ein Quentchen Ruhe die größtmögliche Kraftquelle in der schweren Zeit.

Für dieses Elternhaus sammelt der Blaue-Nase-Verein Spenden, unterstützt aber auch andere Projekte. Demnächst soll auch das neue Kinderhospiz in Calbe/Milde profitieren.

Auf Krebs aufmerksam machen

Um auf das Thema Krebs bei Kindern aufmerksam zu machen, nutzt Showmusiker Roger Altenburg ganz große Bühnen, zeigt beim Oktoberfest oder auf Stadtfesten die blauen Stoffnasen, die gelten als Symbol für die Hilfe beim Kampf gegen den Krebs. Wer will, kann so eine blaue Nase für zwei Euro erwerben. „Mittlerweile verschenken wir sie auch“, sagt Roger Altenburg, „auf diese Weise kommen trotzdem genug Spenden zusammen.“ Der Verein wurde im August in Wolmirstedt gegründet, hat inzwischen 40 Mitglieder und bereits etwa 8500 Euro gesammelt.

Wie geht das zusammen, die ausgelassene Stimmung großer Partys, das Getümmel und die Traurigkeit darüber, dass ein Kind an Krebs erkrankt oder daran gestorben ist? Roger Altenburg sieht in der Verbindung zwischen Partys wie einem Oktoberfest und der Aktion „Blaue Nase hilft“ keine Diskrepanz: „Leben ist Kommen und Gehen, Geburt und Tod gehören dazu.“ Michael Blume-Kühnast ergänzt: „Die Leute wissen auch bei solchen Veranstaltungen, worum es geht.“ Er und seine Frau Angelika haben ihren dreijährigen Sohn Elias vor einem Jahr verloren. Der Vater sagt: „Selbst, wenn das Unvermeidbare passiert ist, muss es weitergehen.“

Auch eine der nächsten Aktionen des Vereins wird laut und bunt. Es gibt eine Wette mit einer Handelskette, die einen neuen Markt in Magdeburg eröffnet. „Dort sollen 50 Weihnachtsmänner kommen und blaue Nasen tragen“, sagt Roger Altenburg. Gelingt das, bekommt „Blaue Nase hilft“ 1000 Euro. Wenn nicht, werden es „nur“ 500 Euro sein. Auch beim Wolmirstedter Adventsfest auf der Schlossdomäne wird es ein Bühnenprogramm samt Spendenaufruf geben.

Und Sven? Er hat dann die letzte Ruhe auf See gefunden.