Wolmirstedt l Der neue Wohnkomplex am ehemaligen Kloster ist von außen ein Schmuckstück geworden. Seit Februar ziehen die Mieter ein. Zufrieden sind nicht alle, in den vergangenen Monaten hat sich viel Ärger angestaut. „Zurzeit ist der Lärm besonders schlimm“, macht Mandy Glotzbach deutlich. Außer sonntags wird jeden Tag im Außenbereich gebaut, ab früh um sieben Uhr. Besonders das Kreischen beim Pflastersteineschneiden gehe an die nervliche Substanz.

Für Nacharbeiten haben die Mieter durchaus Verständnis, aber die Dauer dieser Nacharbeiten und viele weitere Mängel bringen bei einigen das Fass zum Überlaufen. Zumal einige auch von Schimmel in der Wohnung sprechen.

Küche bei Handylicht aufbauen

Als sie im Februar eingezogen waren, sei gerade das Treppenhaus gefliest worden, erzählt ein junger Mann, die Möbel mussten über Holzbohlen getragen werden. Ein weiterer junger Mann zeigt Handyfotos, die zeigen, wie ein Handwerker die Küche bei Handylicht aufbaut. Strom stand offenbar nicht immer zur Verfügung, die Wohnungen wurden notdürftig über die Baustromleitung versorgt. Eine Mieterin sagt, Kühlschrank und Kaffeeautomat hätten das nicht überlebt. Die Heizungen blieben kalt, Wände wurden bei Minus zehn Grad gemalert. Auch die Balkone und Terrassen seien erst kürzlich angebaut worden, am Anfang habe es kein Internet gegeben. Namensschilder sind bis heute nicht vorhanden. „Für Paketboten ist es schwierig, uns zu finden“, sagt Mandy Glotzbach. Warum die Mieter nicht später eingezogen sind? „Viele hatten ihr Haus verkauft oder die Wohnung gekündigt“, erzählen sie.

Bilder

Bauherr ist Steffen Mack von der Templ Bausanierungsgesellschaft. Er bestätigt, dass noch Restarbeiten erledigt werden mussten und noch müssen. In einer Anlage des Mietvertrages sei jedoch sinngemäß festgeschrieben worden, dass Restarbeiten noch sechs bis neun Monate nach dem Einzug erledigt werden müssen und auch dürfen, Balkone und Terrassen erst nach dem Einzug angelegt werden, dass deshalb kein Anspruch auf Mietminderung bestehe.

Provisorische Stromstation

Der Strom sei tatsächlich manchmal weg gewesen, bestätigt er, jedoch „höchstens eine Stunde.“ Die Stadtwerke hätten stets schnell reagiert. Die provisorische Stromversorgung war offenbar dem Wetter geschuldet, die „richtigen“ Kabel konnten aufgrund der Kälte zunächst nicht in die Erde gelegt werden. Deshalb habe es eine provisorische Stromstation samt Baustromversorgung gegeben. „Da gab es übrigens auch keine Zähler“, sagt Steffen Mack, „deshalb haben die Mieter in dieser Zeit keinen Strom bezahlt.“

Der Bauherr zeigt sich betroffen über die heftige Reaktion mancher Mieter, hat trotz der Pannen einen anderen Blick. „Es ist eines der schicksten Objekte, die wir je saniert haben.“ Die Außenanlagen sollen in dieser Woche fertig werden. Trotzdem: Manche Mieter haben einen Anwalt eingeschaltet.