Jersleben l Im Dorfgemeinschaftshaus „Flocke“ in Jersleben herrscht am Sonnabendnachmittag ein reges Treiben. Gut 20 Gäste haben sich eingefunden und stehen um eine große Tafel herum. Auf den zusammengestellten Tischen häufen sich neben Kürbissen aller Art auch Pflanzen und Blumen wie Fette Henne, Hagebutte, Mais, Eichel, Buchsbaum oder Hortensie. Alle Anwesenden – zumeist Frauen und Mädchen – greifen beherzt zu, wählen aus, verwerfen wieder und probieren weiter aus.

Materialien aus der Natur

„Schon seit 15 Jahren laden wir im Herbst dazu ein, mit uns gemeinsam an Kürbissen zu basteln“, erklärt Rosemarie Möbius vom Heimatverein. Nein, heute würden keine Kürbisse geschnitzt wie für Halloween, „obwohl natürlich Jeder gestalten kann, wie er möchte“, sagt die Jersleberin. Im Mittelpunkt stehe das Basteln bunter Herbstdekorationen.

„Die Kürbisse stammen von Heinz Schaper“, erzählt Mitstreiterin Gaby Blaschyk, „der pflanzt sie jedes an und stellt sie uns zur Verfügung. Das ist sehr großzügig.“ Die Pflanzen und Blumen, die sich gerade zu einem großen Berg auf der Tafel aufstapeln, hat sich jeder selbst mitgebracht. Die stammen entweder aus der Natur oder dem eigenen Garten der Teilnehmer. Und die kommen nicht nur aus Jersleben, sondern zum Beispiel auch aus Wolmirstedt, Farsleben, Samswegen oder Groß Ammensleben.

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Mehrere Dutzend Kürbisse

Die weiteste Anreise von allen hatte jedoch die neunjährige Anna Wichner. Für mehrere Tage schon weilt die Braunschweigerin bei Julia Singer in Jersleben. Ihren Kürbis hat die Neunjährige bereits „geköpft“, eine Mulde herausgeschnitzt und mit sogenannter Blumensteckmasse, einer Art Schaumstoff, verfüllt. Nun ist sie dabei, den Kürbis zu schmücken. „Ich finde es schön, dass man selbst gestalten kann“, erklärt die Neunjährige, „Ich nehme gern verschiedene Pflanzen, und stecke die so, dass am Ende eine Blume entsteht“, beschreibt Anna weiter. Dann erzählt Rosemarie Möbius, dass der Nachmittag bereits mit einer Kaffeerunde gestartet war. „Den Kuchen haben die Damen selbst gebacken. Das machen wir jedes Jahr so.“ Und Gaby Blaschyk ergänzt: „Wenn wir während des Bastelns oder danach erst Kaffee trinken wollten, käme niemand dazu. Dann sind ja alle lieber am Dekorieren, das hat uns die Erfahrung gezeigt.“

An der Stirnseite ist einer von nur zwei Jungs in der großen Runde dabei, seinen Kürbis mit Mais, Fetter Henne und anderen Herbstblumen zu verschönern. „Ich bin schon das zweite Mal dabei“, berichtet Matti Schleef und fügt hinzu: „Am besten gefällt mir das Basteln. Im nächsten Jahr bin ich wieder dabei.“

Nach mehr als einer Stunde werden immer mehr Kürbisse fertig. Wie am Fließband folgt Frucht auf Frucht. Am Ende werden alle für ein Abschlussfoto an einer Bank auf dem Außengelände postiert. Während die meisten der herbstlichen Dekostücke von den Teilnehmern mit nach Hause genommen werden, sind drei bereits reserviert. Rosemarie Möbius: „Die bekommen unsere drei kranken Damen vom Heimatverein, die heute nicht dabei sein konnten.“