Barleben l Der Ausflug in die Geschichte von Barleben hat die Einwohner schlichtweg begeistert. Auch beim Heimatverein ist man sehr zufrieden mit der Resonanz auf die beiden Veranstaltungen, bei denen Zeitzeugen auftraten, Bilder und Dokumente präsentiert wurden und die Besucher viel Wissenswertes über die medizinische Vergangenheit erfuhren.

Die zweite Auflage der Zeitreise erfreute sich gar eines Rekordbesuchs, wenn auch aus „medizinischen Gründen“ nur eine gewisse Zahl an Gästen möglich war. Die Corona-Beschränkungen mussten und wurden dabei eingehalten. Eben an diesem Abend war auch die Barleberin Bärbel Brämer anwesend und sie meldete sich zu Wort. Mitgebracht hatte sie den Ausweis ihrer Mutter, Irmgard Klinkmüller. Der stammt aus dem Jahr 1941 und dokumentiert die abgeschlossene Ausbildung zur Hilfsschwester beim Deutschen Roten Kreuz.

Beim Heimatverein gibt es eine Kopie des Ausweises zu sehen. Die Mutter von Bärbel Brämer wollte ihre Fähigkeiten in den Lazaretten einbringen. „Mein Vater hat es ihr jedoch dann nicht erlaubt“, erzählt die Barleberin. „Er war selber Soldat und hat viel Elend sehen müssen.“ Mit dieser Erzählung beeindruckte Bärbel Brämer die Anwesenden. Eine zweite Geschichte hatte sie auch noch im Gepäck, aber um sie zu erzählen, reichte der Zeitrahmen der Veranstaltung des Heimatvereins einfach nicht aus.

Bilder

„Da hat mir die Vorsitzende des Vereins, Annemarie Keindorff gesagt, ich soll die Berichte doch einfach einmal aufschreiben“, sagt die Barleberin. „Da habe ich mich entschlossen, die Geschichte der Volksstimme zu erzählen.“

Mit historischen Bildern lässt Bärbel Brämer das Leben ihrer Familie und der Arztfamilie Schuppe lebendig werden. Von 1953 bis 1956 arbeitete nämlich Irmgard Klinkmüller als Hausangestellte bei der Familie des Dr. Gerhard Schuppe. „Der Arzt selber hatte verschiedene Krankheiten, wie ein Kriegsleiden und Beschwerden mit der Lunge“, erzählt die Barleberin, die damals als junges Mädchen ebenfalls mit zupackte. „Die Hilfe war den Schuppes sehr willkommen“, sagt sie. Das Ehepaar hatte drei Kinder, die Söhne Konrad und Wolfgang, sowie die Tochter Bärbel. „Konrad war Apotheker und Bärbel Säuglingsschwester, Wolfgang wird in diesem Monat 85 Jahre alt“, weiß sie zu erzählen. „Das Familienleben bei den Schuppes war sehr ausgeprägt und geregelt.“ So praktizierte Dr. Gerhard Schuppe bis zum Mittag. Als Vertragsarzt des Elektromotorenwerks ELMO in Barleben tauschte er sich jeden Tag zur Mittagszeit mit der Betriebskrankenschwester Anna Hanke über die Vorkommnisse des Tages im Werk aus. Danach fuhr er zu Hausbesuchen hinaus. Erst geschah das mit dem Fahrrad, später kaufte er sich einen Motorroller. Wegen seiner Gesundheit musste sich dann aber etwas im Leben des Arztes ändern. Er gab die Praxis im Jahr 1956 auf und fand einen neuen Wirkungskreis in Haldensleben in der dortigen Nervenklinik. Die Folge war ein Wohnungswechsel.

Das Haus wurde an Sanitätsrat Dr. Hans-Joachim Linke verkauft. „Bevor der neue Arzt einzog, mussten aber einige Malerarbeiten gemacht werden“, erinnert sich Bärbel Brämer. Die Reinigungsarbeiten danach übernahm wiederum Irmgard Klinkmüller. Ihr wurde freigestellt, sich eine zusätzliche Hilfskraft dazu auszuwählen. „Dafür kam dann ich in Frage“, sagt die Barleberin. „Ich war damals 14 Jahre alt und packte in den Sommerferien 1956 mit an.“ Dann zog die Familie Linke in das Haus in der Bahnhofstraße 18 und der Arzt praktizierte dort.

Und eben dieser Dr. Linke ist der bis heute einzige Ehrenbürger von Barleben. „Er hat sich als Landarzt große Verdienste erworben und bis ins hohe Alter hinein die Praxis geführt. Für viele war er die Vertrauensperson“, weiß die Vorsitzende des Heimatvereins, Annemarie Keindorff zu berichten. Dr. Linke war zudem begeisterter Springreiter und in der Wendezeit politisch aktiv. „Er schrieb seinerzeit einen offenen Brief und von ihm stammt der Ausspruch, dass wir den aufrechten Gang wieder gewinnen müssen“, erzählt die Vorsitzende.

Die Dokumente zur „medizinischen Zeitreise“ werden in der Heimatstube in Barleben aufbewahrt. Dort können sie eingesehen werden. Außerdem gibt es ein kostenloses Heft mit allen Texten der Veranstaltungen. „Wir haben heute für Interessenten geöffnet, aber es gibt derzeit keine Führungen durch das Haus“, sagt Annemarie Keindorff. „Dafür ist aber der Kalender für das neue Jahr erhältlich.“