Elbeu l Corona hält das öffentliche Leben auf Sparflamme, auch in den Wolmirstedter Ortsteilen. Wie Elbeus Ortsbürgermeister Guido Kratzenberg (KWG Börde) trotzdem seine Motivation behält, erzählt er Volksstimme-Reporterin Gudrun Billowie.

Herr Kratzenberg, wie fühlt es sich an, mitten in einer Pandemie Ortsbürgermeister zu sein?
Guido Kratzenberg:
Es ist ziemlich ruhig, man kann nur wenig organisieren, da momentan nichts stattfinden kann.

So viel Ruhe ist sicher nicht Ihr Lieblingszustand. Haben Sie, haben die Elbeuer Lust auf Aktivitäten im Ort?
Ich habe auf jeden Fall Interesse an einem regen Leben in Elbeu und ich werde auch von den Bürgern oft angesprochen, die sich das ebenfalls wünschen. Ein Beispiel dafür wäre die Müllsammelaktion mit anschließendem Beisammensein am Sportplatz, die im vergangenen Jahr coronabedingt leider abgesagt werden musste. Immer wieder werde ich angesprochen: „Guido, wann machen wir das denn? Wir machen mit.“

Selbst wenn in absehbarer Zeit wohl nicht viel Miteinander möglich sein wird, eine Art Frühjahrsputz an der frischen Luft ist vorstellbar. Gibt es ernsthafte Planungen?
Ich stelle mir vor, dass wir dafür den 18. September nutzen, den World Cleanup Day, den weltweiten Tag zur Beseitigung des Plastikmülls. Das wäre ein guter Anlass, um auch in Elbeu aufzuräumen. Wir können aber auch kurzfristig Aktionen starten, sobald dies wieder möglich ist.

Elbeu wächst rasant, bekommt immer mehr neue Einwohner. Wie integrieren Sie Neulinge ins Ortsleben?
Ich freue mich, dass das Wohngebiet „Sonnenblick“ so gut angenommen und nun sogar zur Jersleber Straße hin erweitert wird. Es ist schön, dass die Stadt so schnell agiert hat, damit weitere Neuansiedlungen möglich sind. Außerdem freue ich mich über die Lückenbebauungen in Elbeu, wie in der „Siedlung“ und in der Dorfmitte. Damit wird nicht noch mehr Acker bebaut, sondern die freien Stellen im Ort genutzt.

Die Neu-Elbeuer zu „integrieren“, ist zurzeit wegen Corona schwierig. Viele von ihnen haben kleine Kinder, das heißt, sie lernen die anderen Elbeuer durch den Kontakt in der Kita oder Schule kennen. Aber sowie es wieder Veranstaltungen gibt wie zum Beispiel den Kindertag und Himmelfahrt, können wir die Kinder und die Eltern ins Boot holen. Die Erfahrung zeigt: Kinder müssen Kumpels haben, dann kommen die Eltern mit dazu.

Manche Straßen Elbeus ärgern die Anwohner schon lange. Wo wünschen sie sich Besserung?
Die Neubauernsiedlung hat eine ganz schlechte Fahrbahndecke. Da wird zwar immer mal neu gesplittet, aber dadurch ist die Straße so gewölbt, dass Regenwasser in die Keller läuft. Dort muss dringend was passieren. Auch die Quergasse und die Maschenstraße brauchen dringend eine Erneuerung. Aus dem Rathaus weiß ich aber, dass wir auf das Dorferneuerungsprogramm hoffen können.

Der ehemalige Rewe-Markt zwischen Elbeu und Wolmirstedt bietet keinen schönen Anblick. Wünschen Sie dem Objekt eine Zukunft?
Ich stehe im regen Kontakt mit dem Verwalter. Der hat ganz gute Ideen, wie zumindest der Hof zum Leben erweckt werden kann. Genaueres werden wir zu gegebener Zeit bekannt geben. Aber wenn ich an den ehemaligen Rewe-Markt denke, kommt mir vor allem die Radwegsituation in den Sinn. Da hat Elbeu Nachholbedarf.

Inwiefern?
Vor dem ehemaligen Rewe-Markt wäre es zum Beispiel sinnvoll, den Radweg gerade fortzuführen, nicht über einen Schlenker. So wie er jetzt verläuft, ist das ungünstig für Radfahrer, es gibt immer wieder Unfälle. Besser wäre es, die Spur geradeaus weiterzuführen, untersetzt von einem roten Streifen, der über die Straße führt und dazu den Bordstein abzusenken.

Braucht Elbeu weitere Radwege?
Auf jeden Fall wäre ein Radweg auf der Straßenseite gegenüber des ehemaligen Rewe-Marktes sinnvoll. Der vorhandene Grünstreifen wird auch jetzt schon teilweise als Radweg genutzt und es wäre besser, wenn es hier einen befestigten Weg bis zur Ohrebrücke geben würde.

Davon abgesehen ist Elbeu ein großer Verteiler zum Fahrradfahren. Von hier aus geht es in Richtung Wolmirstedt, Barleben, Magdeburg, zum Jersleber See, nach Haldensleben oder zur Trogbrücke. Für diese Stellung als Knotenpunkt ist das Radwegenetz schlecht ausgebaut. Die Strecke zwischen Wolmirstedt und Elbeu muss als guter Radweg ausgebaut werden, damit wir dem Radverkehr gerecht werden.

Elbeus Ortsleben wird maßgeblich vom Sportverein „Stern Elbeu“ geprägt. Wie geht‘s den Sportlern nach einem Jahr Corona-Pandemie?
Für den Sportverein ist es schwer. „Stern Elbeu“ musste bereits seine Mini-Jobber entlassen. Es gibt keine Einnahmen, weil es keinen Spielbetrieb gibt, aber die Betriebskosten sind ja da. Ich halte engen Kontakt zum Vorstand um Mathias Bergmann, der im vergangenen Jahr zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Ich versuche, ihn und den Verein so gut wie möglich zu unterstützen.

Dabei hatten die „Elbeuer Sterne“ doch ein paar Pläne...
Die Vision ist immer noch, einen Anbau am Sportlerheim zu schaffen. Das soll ein gemütlicher Raum werden, der als Begegnungsstätte dienen kann, als Ortsbürgermeisterbüro, als Treffpunkt für unsere Senioren, als Sitzungsort des Ortschaftsrates. Bisher tagen wir im engen Schiedsrichterraum. Es wäre schön, wenn es eines Tages diesen Anbau gäbe. Die Sportler und viele Elbeuer sind bereit, mit anzupacken.