Groß Ammensleben l Groß Ammenslebens Ortsbürgermeister Rüdiger Pfeiffer berichtet im Interview über die Vorhaben, die trotz Corona umgesetzt wurden. Er lobt den Zusammenhalt im Ort und hebt das Engagement der Vereine hervor, blickt aber auch auf künftige Projekte. Mit ihm sprach Volksstimme-Redakteur Christian Besecke.

Wie sieht Ihre persönliche Bilanz für das Jahr 2020 aus?
Rüdiger Pfeiffer:
Die Bilanz für das vergangene Jahr ist natürlich aufgrund der Beschränkungen durch die Lockdown-Verordnungen durchwachsen. Wir sind ja im Ortschaftsrat und in den Vereinen anfangs noch mit Elan an die Vorbereitungen unserer Planungen gegangen, doch die Unsicherheiten, ob die Events dann auch durchgeführt werden können, wurden immer größer. So gab es erst einmal eine große Verschieberitis, bis klar wurde, dass gegenwärtig nichts richtig planbar ist. Ich dachte bis zuletzt, dass es möglich werden könnte, nach den ersten Freiheitseinschränkungen auf der Domäne ein kleines Volksfest durchzuführen nach dem Motto „Wir haben es überstanden“. Alle Akteure und Mitwirkenden standen in den Startlöchern: Aber nun ja. Die Domäne als Veranstaltungsort lag im vergangenen Jahr recht verlassen da. Erfreulicherweise konnten ein paar Trauungen in der neu eingerichteten Hochzeitsstube auf der Domäne durchgeführt werden und weiße Tauben aufsteigen.

Eigentlich standen ja einige besondere Vorhaben auf dem Plan?
Ja, besonders hart traf der Corona-Bannstrahl im vergangenen Jahr unsere Schalmeienkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Groß Ammensleben. Alle Vorbereitungen waren getroffen, vor den Sommerferien ein tolles Fest auf der Domäne zu veranstalten. Das Festkomitee hatte befreundete Kapellen eingeladen, das Festprogramm stand fest, Geschenkartikel waren entworfen und geordert und die Festschrift „60 Jahre – laut wie eh und je“ war bereits für die Leipziger Buchmesse fertiggestellt, die bekanntlich als erstes großes Projekt mit internationaler Ausstrahlung ausfallen musste. Wir hoffen, dass wir das Fest in diesem Jahr nachholen können.

Aber dennoch gab es einige positive Dinge im verflixten Coronajahr?
Erfreulich war es, dass wir in einer der kurzen Phasen der Lockerungen die Ehrennadel der Gemeinde Niedere Börde an unsere Schalmeienkapelle überreichen konnten. Die Würdigung auf Vorschlag des Ortschaftsrats Groß Ammensleben erfolgte beim ebenfalls abgespeckten Lodenmanteltreffen in Klein Ammensleben durch den Gemeinderatsvorsitzenden Matthias Meinecke und Bürgermeister Stefan Müller. Seit 1960 ist die Schalmeienkapelle so etwas wie das musikalische Wappen der Gemeinde Niedere Börde und sie hat Generationen geprägt. Ebenso hat uns in Groß Ammensleben gefreut, dass das großartige langjährige uneigennützige Engagement von Eva Isensee für das soziale Miteinander sowie für das kulturelle und Vereinsleben im Ort ebenfalls mit der Ehrennadel der Gemeinde Niedere Börde gewürdigt werden konnte.

Wie lief die Arbeit im Ortschaftsrat?
Der Ortschaftsrat ist unter den derzeitigen Umständen in der Alltagsarbeit inzwischen auf elektronische Kommunikation umgestiegen und trifft sich unter Beachtung der Hygieneregeln nur, wenn es notwendig ist. Die Gelegenheit führte auch dazu, dass bei Wikipedia, der internationalen Online-Enzyklopädie, ein paar Einträge zu Groß Ammensleben eingestellt und der Hauptartikel ergänzt werden konnte.

Was ist im zurückliegenden Jahr alles umgesetzt worden?
Neben den eben erwähnten größeren Events gab es auch einige kleinere, aber gleichfalls wichtige Vorhaben, von denen aufgrund der regen Mitwirkung von Vereinsmitgliedern vieles doch umgesetzt werden konnte. Es ist gut zu wissen, dass trotz eingeschränkter direkter Kommunikation lediglich über digitale Absprachen dennoch vieles funktioniert.

Gibt es Beispiele für die Vorhaben, die im kleinen Rahmen umgesetzt worden sind?
Es konnten wenigstens im kleinen Rahmen das zehnjährige Jubiläum von „Tante Silkes Laden“, als wichtiger Versorgungsstätte mit Waren des täglichen Bedarfs, und das vom Bäcker Schmengler gefeiert werden. Die Jugendlichen um unseren Sozialpädagogen Steffen Niemann nutzten die Corona-beschwerte Zeit, um die Räume des Jugendklubs in der Halle „Niemanns Land“ mit viel Eigeninitiative neuzugestalten. Unser Anglerverein hat den Weihnachtsbaum aufgestellt und damit ebenso wie die Beleuchtung des Kirchturms weihnachtliche Stimmung verbreitet.

Wie war es um das Vereinsleben bestellt?
Auch wenn das Vereinsleben derzeit ziemlich brach liegt, gab und gibt es doch immer wieder freudige Ereignisse. In dem Fall war es der Fund eines Wappensteins vom Abt Beda Litze, der Ende des 18. Jahrhunderts auch die Schauseite des Schäfertores mit Stifterfiguren und Kartusche über der Einfahrt repräsentativ gestalten ließ. Durch Zufall hatte Frank Wapenhans den Inschriftenstein entdeckt und Frau Monika Kulas hat ihn für unsere historische Ausstellung im Info-Zentrum an der Straße der Romanik zur Verfügung gestellt. In Zusammenarbeit von Förderverein Historische Klosterkirche und Kulturhistorischer Gesellschaft konnte mit Unterstützung vieler Spender die Gedenktafel für die Teilnehmer an den Napoleonischen Befreiungskriegen von dem Restaurator Matthias Müller-Belter restauriert und wieder angebracht werden.

Es wurden aber auch etliche neue Ideen umgesetzt. Gerade in Bezug auf die neuen Medien hat sich die einiges getan, oder?
Der Volkstrauertag erhielt ein neues Format. Da eine Live-Veranstaltung zu unwägbar schien, wollten wir ihn nicht klanglos vorüberziehen lassen, zumal auch der Ökumenische Chor im 25. Jahr seines Bestehens pausieren musste. Dank der inspirierten filmkünstlerischen Umsetzung durch Adrian und Julian Löderbusch konnten wir eine digitale Videobotschaft auch auf die Website der Gemeinde Niedere Börde stellen. Dafür begleitete Michael Löderbusch am Klavier, unser Historiker Wilfried Lübeck erinnerte an das letzte Aufgebot am Ende des Zweiten Weltkriegs im Ort und Eva Isensee trug mahnende Worte zur Bewahrung des Friedens vor, während Markus May von der Feuerwehr und Gordon Westphal vom DRK den Ehrenkranz am Gedenkstein niederlegten.

Trotz der vielen Ausfälle präsentierten sich die Vereine und ihre Mitstreiter mit findigen Ideen. Kam das gut an?
Bereits das traditionelle Ständchen der Schalmeienkapelle zum 1. Mai konnte nicht stattfinden, dafür zog Monika Bednarz durch den Ort und erfreute die Herzen mit Drehorgelmusik. Da ebenfalls das Radwegfest zwischen Gutenswegen und Groß Ammensleben und dann auch noch der traditionelle Adventsmarkt ausfallen mussten, kam Theaterchefin Monika Bednarz auf die Idee: Wenn die Kinder und Erwachsenen nicht zum Adventsmarkt auf die Domäne kommen können, dann kommt eben der Weihnachtsmann zu ihnen vor die Haustür. Und so gab es mit einem wunderbar illuminierten Wagen und Drehorgelmusik eine Rundfahrt durch den Ort mit Weihnachtsmann und seinen Gaben.

Wie sah es bei den kommunalpolitischen Entscheidungen aus?
Trotz der Beschränkungen im gesellschaftlichen und kulturellen Leben richteten sich die kommunalpolitischen Projekte und Entscheidungen auf die zukünftige Entwicklung. So konnte der Bebauungsplan für den neuen Feuerwehrkomplex auf dem Areal Gatzweg-B71-Magdeburger Straße vom Gemeinderat verabschiedet werden und ebenso ist der Bau der Kita auf der Domäne vorangebracht worden. Die entsprechenden Ausschreibungen für den Bau laufen bereits. Wenn auch ein Großteil über fördernde Zuwendungen finanziert werden kann, bleibt dennoch ein erheblicher Finanzteil an der Gemeinde hängen. Gemeinsam mit dem Bauamt wurde ein neuer Flächennutzungsplan für die regionale Entwicklung in der Vorausschau bis 2035 erarbeitet, in den jedoch unterschiedlichste Vorstellungen und Konstellationen einfließen mussten, wie der regionale Entwicklungsplan zu Magdeburg und Umgebung. Auch wenn wir hier landwirtschaftliches Vorranggebiet sind, ging es dem Ortschaftsrat darum, Flächen für die Wohnbebauung mit möglichst Einfamilienhäusern, aber auch Mischgebiete für die Ansiedlung von Handwerk und Kleinbetrieben auszuweisen.

Wo sehen Sie noch Probleme im Ort?
Da sind wir schon etwas bei Problemen für die weiteren kommunalen Gestaltungsmöglichkeiten. Es ist für uns recht unbefriedigend, dass Groß Ammensleben selbst momentan so gut wie keine Bauplätze ausweisen kann und dadurch in seiner Bevölkerungsentwicklung durchaus etwas gehemmt ist. Die Umsetzung des neuen Integrierten ländlichen Entwicklungskonzepts (ILEK) der Region soll mit dazu beitragen, die Lebensqualität im ländlichen Raum zu verbessern. Dazu gehört auch die weitere Begehbarkeit des Bahnhaltepunktes für gute Nahverkehrsverbindungen Richtung Magdeburg und Haldensleben-Wolfsburg. Zwar liegen Bahnhofsgebäude und Straße inzwischen in Privathand, doch wäre ein attraktiveres Willkommen in Groß Ammensleben sehr wünschenswert.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte 2021?
Selbstredend müssen wir abwarten, was uns die Pandemie-Eindämmungsverordnungen noch bringen werden. Wir sind bestrebt, die großen Veranstaltungen nachzuholen, die ausfallen mussten. Dazu gehört auf jeden Fall das Jubiläum der Schalmeienkapelle mit einem Fest auf der Domäne, möglichst vor den Sommerferien. Unsere Theatergruppe um Monika Bednarz steht parat, am Ostermontag wieder ein Ostercafé durchzuführen. Des Weiteren bleibt die Gestaltung der Ruhegemeinschaftsanlage auf dem Friedhof ein Anliegen des Ortschaftsrats, ebenso die Schaffung eines Radweges von Groß Ammensleben über Klein Ammensleben nach Dahlenwarsleben mit Anbindung an die Grundschule „Astrid Lindgren“.

Das schnelle Internet kommt auch nach Groß Ammensleben. Das Engagement der Mitglieder des Ortschaftsrates war also erfolgreich?
Die Mitglieder des Ortschaftsrats haben stets fleißig für den Anschluss an das Glasfasernetz geworben und der Ausbau ist gut vorangekommen, auch wenn die Arbeiten momentan leider ruhen müssen. Bis auf wenige Schachtarbeiten liegen die Leerrohre und es müssen noch die Glasfaserkabel eingeblasen werden. Eine Inbetriebnahme in diesem Jahr ist dennoch denkbar. Darüber hinaus hoffen wir, dass Gastronomie, Friseur und weitere Einrichtungen bald wieder öffnen können und dass Groß Ammensleben ab 1. März einer der Standorte für die vom Landkreis vorgesehenen Impfzentren in den Gemeinden wird, um möglichst viele Impfwillige zu erreichen.