Farsleben/Wolmirstedt l Bis heute erinnert nichts an den Gleisen in Farsleben, was im Jahr 1945 hier passierte. Insgesamt 2500 Juden harrten einen Tag lang in dem Zug, der aus dem ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen nach Theresienstadt unterwegs war, aus und wurden schließlich am 13. April befreit. An gleicher Stelle soll 75 Jahre später ein Stein an das Geschehen erinnern.

Der Verein „Gestrandeter Zug“ setzt sich dafür ein, dieses Mahnmal bis April 2020 an den Gleisen in Farsleben zu errichten. Der Stein soll für die Hinterbliebenen eine Anlaufstelle sein, an der sie trauern können und sehen, dass das Ereignis in Wolmirstedt nicht vergessen wurde. Nach zahlreichen Ideen, wie dieser Stein aussehen soll, gibt es nun einen konkreten Entwurf: einen Würfel.

Stein soll Widmungen erhalten

„Wir haben uns an der Stadt Passau orientiert, die sich ebenfalls für einen quadratischen Stein als Mahnmal entschieden hat“, sagt Anette Pilz, eine der Vorstandsmitglieder des Vereins. Der Stein in der bayerischen Stadt ist von allen Seiten beschriftet. Ähnlich soll auch das Denkmal in Farsleben aussehen.

Der Stein soll im Gegensatz zu dem Passauer Mahnmal größer werden. Etwa 1,20 Meter sollen alle Seiten messen. An den Außenseiten soll jeweils eine Widmung für die Opfer des gestrandeten Zuges stehen. Sie soll in deutscher, hebräischer und englischer Schrift verewigt werden.

Für die Oberseite des Würfels gibt es eine besondere Idee. Dieser soll nicht mit Text versehen werden, sondern mit einer Karte. Diese soll die Route der drei Häftlingstransporte aus dem ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen zeigen und wo die Züge schließlich ankamen. So strandete ein Zug im brandenburgischen Tröbitz, einer in Farsleben und der dritte erreichte nach zweiwöchiger Fahrt das ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt.

Im Gespräch mit Hinterbliebenen

Trotz des Entwurfes könne sich an der Form des Gedenksteines laut Anette Pilz trotzdem noch etwas ändern. „Wir sind mit den Hinterbliebenen, die teils in der ganzen Welt verstreut sind, im Gespräch. Es soll ein Ort für sie werden, deswegen ist ihre Meinung uns wichtig“, sagt sie. Diese Absprachen sind sehr umfangreich und mitunter langwierig. Vor kurzem war Anette Pilz in New York und traf sich dort mit Micha Tomkiewicz, der als Fünfjähriger in dem KZ-Zug saß.

Wie der Gedenkstein schlussendlich aussieht, wird in den kommenden Monaten entschieden. Bis zum Ende des Jahres muss der Stein in Auftrag gegeben werden, damit er bis zum Gedenktag am 13. April 2020 fertig wird.

Der Verein „Gestrandeter Zug“ lädt am Montag, 27. Mai 2019, zu einer Lesung ein. Um 17 Uhr wird es in der Aula des Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasiums mit Zeitzeugen und Autor Peter Lantos losgehen.