Dahlenwarsleben l Jürgen Dürrmann hat einen Hobbyraum. Rechts in dem etwa zehn Quadratmeter großen Zimmer im Keller seines Einfamilienhauses steht ein voll ausgestattetes Schlagzeug. Links im Raum ist eine Staffelei aufgebaut. Vor dem Gestell aus Holz sitzt Jürgen Dürrmann mit einem Pinsel und malt an einem etwa 50 mal 40 Zentimeter großen Landschaftsbild. Es riecht ausgiebig nach Ölfarben. Tuben und Pinsel liegen umher, als Palette dient dem Hobbymaler eine alte Fliese. Wer Jürgen Dürrmann über die Schulter schaut, fühlt sich unweigerlich in das Atelier eines großen Meisters versetzt.

Künstlerisches Talent liegt in der Familie

Der im Jahr 1956 geborene Dahlenwarsleber merkte schon früh, dass er „ganz gut malen kann. Das ist wohl ein bisschen familiär veranlagt“, sagt Dürrmann. So hätten bereits sein Opa und sein Onkel gewisse Talente gezeigt, doch nie etwas daraus gemacht. „Mein Onkel durfte einmal nach Frankreich reisen. Doch anstatt Fotos zu machen hat er Pariser Ansichten gemalt, die sahen aus, wie Postkartenmotive“, erzählt der Dahlenwarsleber.

Er selbst habe im Zeichenunterricht „ganz gute Ergebnisse erzielt“, erinnert sich Dürrmann an seine Schulzeit, doch habe er das nie weiter verfolgt. Manchmal, so sagt er, ärgere er sich darüber, das Malen nicht professionell erlernt zu haben. Denn zunächst machte der Dahlenwarsleber seinen Abschluss an der Oberschule und erlernte den Beruf eines Kälteanlagenmonteurs. Viel gemalt habe er nicht. Doch an eine Anekdote während seiner Reservistenzeit in Zingst an der Ostsee erinnere er sich. „Ein Offizier erteilte mir den Auftrag, ein Plakat für einen Kegelabend zu gestalten. Zu sehen waren zwei Kegel und eine Kugel, fotorealistisch und in perfekter Perspektive. Die Vorgesetzten waren so begeistert, dass für mich der Drill ab sofort vorbei war“, erzählt Jürgen Dürrmann weiter. Ab diesem Zeitpunkt seien ihm Aufgaben wie die Gestaltung der Wandzeitung übertragen worden.

Bilder

Doch auch während dieser Periode habe er nur sporadisch gemalt, ab und zu mal Dekomalereien realisiert. So gestaltete er in den 1980er Jahren die Fassade der einstigen Eisdiele des Ortes, heute „Butzis Kneipe“. Seither schmückten eine große Kokospalme und ein blauer Himmel auf weißem Grund die Wand des Gebäudes. „Zu DDR-Zeiten war ja alles grau in grau. Die weiße Fassade mit der riesigen Palme war da schon sehr exotisch“, sagt der Hobbykünstler nicht ohne Stolz.

Nach der politischen Wende war der Hobbymaler 20 Jahre selbstständig. Mit seiner Bohr- und Sägefirma führte es ihn bis weit über die Region seiner Heimat hinaus. „Wir haben mit speziellen diamantbesetzten Systemen ganz Gebäude zersägt. Da waren echt spektakuläre Sachen dabei“, erinnert er sich. Anschließend war er für neun Jahre am Thünen-Institut in Braunschweig beschäftigt. Hier wird fachgebietsübergreifend in der Land-, Forst- und Holzwirtschaft sowie der Fischerei geforscht mit dem Ziel einer nachhaltigen Weiterentwicklung.

Vor etwa fünf Jahren habe er dann eine Fernsehsendung gesehen, „wohl mit Bob Ross, so genau weiß ich das nicht mehr. Da sagte ich mir: ‚Das bekomme ich auch hin’.“ Dann habe er begonnen, im Keller seines Hauses zu malen. „Wenn schon, dann richtig“, sagte er sich, und begann sogleich mit Öl auf Leinwand.

Für sein erstes Werk habe er nur wenige Stunden gebraucht, „das war aber nur Klischeemalerei nach Bob Ross“, meint der Dahlenwarsleber. Tatsächlich sieht das Werk im ersten Moment so aus, als stamme es von dem bekannten Fernsehkünstler persönlich. So sieht der Betrachter eine Landschaft im Mondlicht. Im Vordergrund befindet sich ein von Bäumen umstandener See, im Hintergrund schneebedeckte Berge.

Dann folgten weitere Ölgemälde. Zumeist zeigen sie Landschaften seiner Heimat in ganz unterschiedlichen Jahreszeiten. Teils fotorealistisch schafft es der Hobbymaler, Eindrücke eines ganz bestimmten Momentes, beispielsweise vom Felsenberg, auf die Leinwand zu bringen. Dabei spielt der Künstler gekonnt mit Licht und Schatten.

Als Vorlagen dienen Jürgen Dürrmann Fotos und seine eigenen Erinnerungen. „Mit der Staffelei in der Landschaft sitzen ist mir zu aufwendig. Da müsste ich ständig höllisch aufpassen, dass sich kein Staub auf die noch feuchten Farbe absetzt. Auch Wind und Regen könnten dazwischenfunken“, sagt der Maler und fügt hinzu: „Und ich greife auch nur zu Pinsel und Palette, wenn ich mich fit fühle, denn Malen ist eine geistige Leistung.“ Auch Lust müsse er verspüren. „Ich schaffe also gar nicht so viel und habe auch Bilder zu stehen, die nichts geworden sind.“

Sein Motiv analysiere er vorher ganz genau. Er mache sich Gedanken um die Perspektive und die Aufteilung des Bildes. Auch der Ablauf und die zu verwendenden Farben müsse er in seine Überlegungen einbeziehen. Nach einer Skizze gehe es dann an das Endwerk.

Amerikaner stehen auf Dürrmanns Werke

Rund 30 Bilder zumeist im Mittelformat, so um die 50 mal 40 Zentimeter groß, sind so in den vergangenen fünf Jahren entstanden. Gut ein Dutzend davon zieren seine eigenen vier Wände. Die meisten seiner farbenfrohen Landschaften verschenkt Dürrmann jedoch. Eines ist auch als Spende an den Heimatverein verschenkt und dann weiter an den Höchstbietenden versteigert worden. Mittlerweile ist der Künstler Mitglied in mehreren Foren, die das Internet so bietet. Vor allem Amerikaner mögen seine Werke. Und verkauft habe er auch schon.

Auf mehreren Ausstellungen waren seine Gemälde nun schon zu sehen, so beispielsweise in der Kulturfabrik in Haldensleben. „Ich war erstaunt, welch renommierten Künstler da schon ausgestellt haben“, sagt Dürrmann. Eine weitere Schau fand im Thünen-Institut in Braunschweig statt. Für weitere Ausstellungen zeigt sich der Künstler offen.