Wolmirstedt l Ein schlimmer Fall von Mobbing soll sich an einer Wolmirstedter Schule ereignet haben. Wie eine Volksstimme-Leserin berichtet, sei davon die Tochter einer Nachbarin betroffen gewesen. Am Ende ist das Mädchen mit ihrer Familie aus der Stadt weggezogen. Weitere Details wollte die Leserin zwar nicht nennen, doch sie frage sich schon, warum es erst so weit kommen musste. Was denn an Wolmirstedts Schulen gegen Mobbing getan werde, wollte sie wissen.

Für die Antwort darauf ist Friederike Hecht, die Leiterin des Amtes für Bildung und Kultur im Landkreis Börde, zuständig. Sie sagt, dass es im Kreis kein eigenständiges Mobbing-Programm oder eine Mobbing-Anlaufstelle gibt. Die Amtsleiterin verweist aber auf Schulsozialarbeiter, Familienberatung, die jeweilige Schule selbst und das Jugendamt, die in solchen Fällen eingreifen können. Das Problem dabei: Nicht jede Schule hat einen Schulsozialarbeiter. In Wolmirstedt gibt es nur einen an der Leibnizschule und zwei an der Gutenberg-Schule.

Schulsozialarbeit wichtig

Keinen Schulsozialarbeiter hat das Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium in Wolmirstedt. „Für das Gymnasium in Wolmirstedt wurde in der letzten Förderperiode ein ESF-Antrag (Europäischer Sozialfonds) gestellt, der jedoch vom Fördermittelgeber nicht bewilligt wurde“, teilt Friederike Hecht mit.

Das bestätigt Carsten Koslowski, der Direktor des Gymnasiums. Die Ablehnung sei damit begründet worden, dass Schulsozialarbeit an Gymnasien nicht so wichtig sei. „Die Argumentation ist jedoch nicht schlüssig. Das Haldensleber Gymnasium hat einen Schulsozialarbeiter. Es wäre gut, wenn alle Schulen einen Sozialarbeiter hätten“, sagt er.

Nicht jeder Konflikt ist Mobbing

Konkrete Fälle von Mobbing seien ihm an seiner Schule allerdings nicht bekannt, sagt Koslowski. Ohnehin sei er der Meinung, dass dieses Wort zu häufig benutzt werde. Um aber Streitigkeiten oder Konflikten an der Schule besser Herr werden zu können, habe er sich Hilfe von außen geholt. Koslowski meint damit das Netzwerk „Schulerfolg sichern“, eine Initiative der Arbeiterwohlfahrt, die Beratungen und Schulungen zum Thema anbietet.

Wenn sich Konflikte unter Schülern häufen, es zu gewalttätigen Übergriffen kommt und die Betroffenen aus eigener Kraft nicht mehr aus diesen Konflikten ausbrechen können, erst dann sei es tatsächlich Mobbing, sagt Enrico Viohl vom Netzwerk „Schulerfolg sichern“.

Netzwerk bietet Hilfe

Das Netzwerk bietet in solchen Fällen Trainings mit Schülern, Eltern und Lehrern an. Diese Projekte sollen aber auch eine vorbeugende Wirkung haben, damit es gar nicht erst zu Mobbing kommt. „Das Programm ist sehr erfolgreich“, sagt Schulleiter Carsten Koslowski. Er bleibt aber trotzdem bei seiner Auffassung: „Wenn direkt ein Ansprechpartner an der Schule wäre, wäre das schon besser“.

Eine der beiden Schulen in Wolmirstedt, die noch einen Schulsozialarbeiter hat, ist die Gutenberg-Grundschule. Rico Lehmann übt diesen Job seit fünf Jahren aus. Während dieser Zeit seien an der Schule keine Fälle von Mobbing vorgekommen. Wohl aber Streitigkeiten. Dafür gibt es an der Schule das Projekt der Streitschlichter. Gemeinsam mit den Schülern versucht er, größere Probleme in der Klasse zu klären. Das funktioniert schon mit jüngeren Schülern ab acht Jahren. Auch im Ethik-Unterricht wird das Thema Mobbing behandelt.

Doch was passiert in einem Fall, wie ihn die Leserin geschildert hat, wenn es für ein Kind eben keine Lösung innerhalb der Schule mehr gibt? Dann sei es das beste, sich an die Familienberatungsstellen in Oschersleben oder in Haldensleben zu wenden, sagt Enrico Viohl. In Wolmirstedt gebe es keine solche Stelle.