Ebendorf l Der Mühlenhof in Ebendorf macht stets einen aufgeräumten Eindruck. So auch an diesem Tag. Dennoch klafft auf der einen Seite des Anwesens ein Loch gleich einem fehlender Zahn. Die einstige Mauer, die das Grundstück zu jenem des Nachbarn abgrenzte, gibt es nicht mehr. Die Bühne wurde umgesetzt und die Verkaufshütten ebenfalls. Dafür stehen etliche Paletten mit Porenbetonsteinen zum Verbauen bereit. Und ein ganzes Stück einer neuen Steinwand ist sogar schon entstanden.

„Die alte Mauer war einsturzgefährdet und es war Gefahr im Verzug“, berichtet der stellvertretende Vorsitzende des örtlichen Kultur- und Geschichtsvereins, Heinz Reckler. Seit gut 20 Jahren hauchen die Heimatfreunde dem alten Ensemble inmitten der Ortschaft neues Leben ein. Ob Tage der offenen Tür, Ausstellungen, Adventsmärkte oder Lesungen: Der Mühlenhof ist als kulturelles Zentrum Ebendorfs nicht mehr wegzudenken.

Doch wenn Gäste das Gelände betreten, steht Sicherheit an oberster Stelle. „Die war im Prinzip nicht mehr gegeben“, sagt Heinz Reckler und kommt damit wieder auf die Mauer zu sprechen. So war unter anderem deren Fundament abgesackt.

Gutachter stellt Schäden fest

Bestätigung kommt von Gemeindesprecher Thomas Zaschke. „Ein Gutachter hat diverse Schäden an dem sieben Meter langen Bauwerk festgestellt“, sagt er auf Volksstimme-Nachfrage. So sei die Mauer wohl einst ein Teil eines ehemaligen Gebäudes gewesen. Die Fugen zwischen den Ziegeln waren im Laufe der Jahrzehnte ausgewaschen, bestanden nur noch aus Sand. Außerdem habe das Bauwerk schief gestanden, die Standsicherheit war nicht mehr gegeben. Deshalb habe die Gemeinde als Vermieter des Grundstückes reagiert und den Bau der neuen Mauer beauftragt. Die Arbeiten würden dieser Tage abgeschlossen sein.

Sowie das Bauwerk steht, sollen die Fläche davor hergerichtet und Hütten sowie Bühne wieder an ihren alten Platz rangiert werden. Damit werden Auftrittsmöglichkeiten für Tanzgruppen und Chöre geschaffen, sagt Vereinsvize Reckler.

Im Mühlenhof in Ebendorf wurde seit den 1920er Jahren bis ins Jahr 1965 Getreide zur Schrot und Mehl vermahlen. Vor 20 Jahren hatte die damals noch eigenständige Gemeinde das Grundstück erworben. Für neues Leben in den alten Gemäuern sorgte dann der Kultur- und Geschichtsverein mit seinen Veranstaltungen.

Drei Jahre später begann die Sanierung des ehemaligen Wohnhauses, also des linken Gebäudeteils. Insgesamt 630.000 Euro wurden damals verbaut, wobei die Hälfte aus Leader-Fördermitteln stammte. Im Jahr 2013 zog der Kultur- und Geschichtsverein endgültig in die Räume des teilsanierten Mühlenhofes. Seither sind die rund 70 Mitglieder dabei, das Ensemble mit viel Fleiß und Kraft zu verschönern.

Gebäudeteil soll gerettet werden

Erst vor wenigen Monaten war der über 100 Jahre alte Elektromotor zum Antreiben der historischen Mühle von einer Fachfirma abtransportiert worden. Doch nicht zum Verschrotten, sondern um ihn wieder in Gang zu bringen. „Der Antrieb wurde repariert und überholt. Der funktioniert tadellos“, erzählt Heinz Reckler weiter. Und er verrät, dass der Motor in den kommenden Wochen wieder zurück an seinen Stammsitz kommt und eingebaut werden wird. Dann könnte der Wunsch der Heimatfreunde tatsächlich in Erfüllung gehen, hier einmal wieder Mehl zu mahlen. Geht alles gut, könnte die Mühle das erste Mal seit gut 70 Jahren Korn beispielsweise zum Mühlentag im kommenden Jahr verarbeiten.

Doch bis es tatsächlich soweit ist, muss noch allerhand passieren. Das nächste Kapitel der Sanierung wird laut Heinz Reckler schon bald begonnen. So sind die Fußböden in den drei Etagen marode. Nur über eine provisorische Dielung sind die einzelnen Bereiche zu betreten. Die Verlegung neuer Eichenbohlen würde mit mehreren tausend Euro zu Buche schlagen. „Glücklicherweise konnten wir eine Hausbaufirma als Sponsor gewinnen“, berichtet der Vereinsvize.

Und ein weiteres Projekt wartet auf die Vereinsmitglieder, sofern es sich umsetzen lässt. So muss die Frage geklärt werden, ob auch der rechte Gebäudeteil erhalten werden kann. Bisher standen die Zeichen auf Abriss. Doch nun sieht es tatsächlich nach Rettung aus. So könnte das Gebäude mittels einer Stahlkonstruktion gesichert werden. Der erwähnte Sponsor hat seine Unterstützung angeboten. Dann würde dem Erhalt des historischen Ambientes nichts mehr im Wege stehen.