Samswegen l Vor ein paar Tagen war Jagdpächter und Waldbesitzer Alexander Lessing einmal mehr mit seinen Kindern im Wald nördlich von Samswegen unterwegs. So genossen der Vater, sein Sohn Max und Tochter Paula die Stunden im Wald und lauschten den vielen Vögeln wie dem Pirol.

Doch was sie während ihres Spaziergangs noch entdeckten, stieß ihnen richtig sauer auf. Inmitten der idyllischen Natur, mehrere Kilometer entfernt von bewohnter Bebauung, hat die Familie ein Sofa und mehrere Sessel entdeckt. Dass es sich hier jemand nicht etwa gemütlich machen wollte, war den Dreien sofort klar. Denn neben den Möbeln fanden sich auch ein altes Fernsehgerät sowie ein defekter Staubsauger. Das konnte also nur eines bedeuten: Hier hat jemand illegal seinen Sperrmüll entsorgt!

„So etwas finde ich richtig doof. Das ist Umweltverschmutzung“, macht sich Sohn Max seinem Ärger Luft. Und der Neunjährige weiß noch mehr: „Der Fernseher ist Elektroschrott. Der kann Feuer fangen, das dann auf die Gräser übergeht und sich die Bäume hoch frisst. Schon gibt es einen Waldbrand“, beschreibt Max und betont: „Dieser Müll gefährdet die Natur!“

Der Freund ist entsetzt

Auch Freund Oskar Oelze ist entsetzt. Heute ist er zwar das erste Mal mit Kumpel Max, dessen Schwester und dem Vater im Wald. Der Forst an sich ist für den Neunjährigen allerdings nicht neu. „Mit meinen Eltern gehe ich oft in den Wald, zum Beispiel um Pilze zu sammeln“, erzählt Oskar. So weiß er auch, wie wichtig dieser für viele Tiere ist, sofern er noch intakt ist. „Dieser Müll gehört hier nicht her, sondern auf den Schrottplatz“, prangert der Blondschopf an.

Für Jäger Alexander Lessing ist indes völlig unklar, weshalb der oder die Umweltsünder solch einen großen Aufwand betrieben. Schließlich braucht es mehrere Minuten über teils unbefestigte Wege, nur um von der Ortsgrenze von Samswegen in das betroffene Waldstück zu gelangen. „Das ist Sperrmüll. Der wird sogar kostenlos abgeholt“, sagt Lessing.

Saftige Bußen drohen

Zumal das betreffende Waldstück zum Areal für die Wasserentnahme der Trinkwasserversorgung Magdeburg in Colbitz zählt. Wer hier illegal entsorgt, dem drohen damit noch saftigere Bußen als ohnehin schon. Das weiß der Pressesprecher des Polizeireviers Börde, Matthias Lütkemüller. So bewegten sich die Täter in diesem Fall zwischen Ordnungswidrigkeit und Umweltstraftat. Zunächst komme es bei dem entsorgten Müll auf das Material an. „Kippt jemand Öl in den Wald oder entsorgt alte Asbestplatten, dann kann das große Nachteile für die Natur nach sich ziehen. Dementsprechend handelt es sich hierbei um eine Umweltstraftat“, klärt der Polizist auf. Bei illegal entsorgtem Sperrmüll drohten den Täten Ordnungswidrigkeitsanzeigen, „wobei die Tat im Trinkwasserschutzgebiet wohl mit einer anderen Ordnungshöhe versehen werden würde“, sagt Lütkemüller.

Somit kann die illegale Müllentsorgung entsprechend der abgelagerten Menge mit Bußgeldern in Höhe von 500 bis 1000 Euro geahndet werden, teils sogar mit bis zu 50 000 Euro. Zusätzlich schlagen die Entsorgungskosten zu Buche. Für diese ist laut dem Polizeisprecher die zuständige Gemeinde verantwortlich. So rät er Bürgern, die illegal entsorgten Müll entdecken, diesen immer bei der zuständigen Kommune oder den Regionalbereichsbeamten der Polizei zu melden.

Alexander Lessing und die Jagdpächter und Waldbesitzer in der Nachbarschaft werden wohl selbst die Entsorgung organisieren. „Eigentlich machen wir das immer während unserer jährlichen Müllsammlung mit den Sportvereinen, der Freiwilligen Feuerwehr sowie dem Heimatverein und weiteren Helfern. Die ist in diesem Jahr wegen der Corona-Krise ausgefallen. Wir sind aber bemüht, diese nachzuholen“, sagt der er.