Wolmirstedt l Schon in seiner Jugend war der Wolmirstedter Matthias Ebert ganz begeistert von Zweirädern. Angefangen hat alles mit einem seinerzeit ganz normalen 26er Herrenrad. Das war der erste Drahtesel, mit dem sich der heute 49-Jährige auf Tour begeben hat. „Mit 20 Mark von Mutti in der Tasche ging es dann auf zu Fahrrad-Tonnen“, erzählt Ebert. „Das war unser Fahrradgeschäft in Wolmirstedt und der Besitzer stand immer mit einem blauen Kittel bekleidet da.“ Egal, was die Kunden auf dem Herzen hatten, meist bekamen sie erst einmal den üblichen Spruch zu hören, der da lautete: „Ham wer nich!“

„Dieses denkwürdige Erlebnis hatte jeder Zweiradfan in Wolmirstedt“, ist sich Matthias Ebert sicher. „Für ein paar Reifen und Schläuche sowie eine verchromte Lampe bückte sich der Inhaber dann doch irgendwann und griff unter die Ladentheke.“ Voller Elan machte sich damals Zweiradfan Ebert dann an die Arbeit und brauchte zwei volle Flaschen mit roter Nitrofarbe, um sein erstes Gefährt zu verschönern.

Aus dem Hobby wurde eine Leidenschaft

„Irgendwann kam dann ein Minifahrrad ins Haus. Den äußerst feschen Hochlenker hat mir mein Opa spendiert, und der hat 54 Mark gekostet“, erinnert sich der Wolmirstedter.

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Natürlich musste er das gute Stück erst einmal allen Freunden präsentieren und hinterher ging es ab zum Eiscafé Cassuhn. Das Hobby wurde langsam zur Leidenschaft und die Fahrräder in der Sammlung wurden immer älter.

Heute führt Matthias Ebert guten Freunden gerne sein Kardanrad – das ohne Kette auskommt – vor. Außerdem gibt es ein Motorfahrrad und ein originales Hochrad aus dem Jahr 1885 zu bestaunen. An all diese historischen Drahtesel hat der Wolmirstedter persönlich Hand angelegt und sie wieder aufgebaut. Selbst ein im Schrott gefundenes, verbogenes Rad aus den 20er Jahren hat er wieder zum Leben erweckt und sogar den Hersteller herausgefunden.

In der Wendezeit kam bei Matthias Ebert das Interesse an motorisierten Zweirädern auf. „Ich habe mir eine Viertakt-EMW aus Gutenswegen gekauft“, verrät er. Zu dem Verkäufer besteht noch heute eine gute Freundschaft. Für Ebert war das Motorrad so etwas wie die Eintrittskarte in die Szene.

Gerne selbst auf dem Fahrrad unterwegs

Egal, welches Motorrad er später auch erwarb, er bastelte, baute und arbeitete am Design. Sein ganzer Stolz ist aber ein Ardie Silberpfeil. Den hat er komplett selbst gebaut. „Wenn ich mich von allen Dingen im Leben trennen würde, von dem guten Stück auf keinen Fall“, sagt er. „Das Motorrad hat eine eigene Seele, weil ich so viel Arbeit und Interesse hineingesteckt habe.“

Heute ist Matthias Ebert auch noch oft mit dem Zweirad unterwegs – einem Diamant Damen-Fahrrad, Baujahr 1949. Absolviert hat er schon Touren nach Dresden, Prag, Hamburg und Rügen und in den Spreewald. Dabei genießt er die Natur einmal ohne Handy und Uhr – Entschleunigung pur.

Die Begeisterung für das Basteln und Gestalten war bei dem 49-Jährigen schon zwangsläufig. Heute ist er Tätowierer, gelernt hat der Maschinenbau und Industriedesign. „Mich hat von jeher die Qualität begeistert, mit der früher gearbeitet wurde“, erzählt er. „Die Zweiräder haben lange gehalten und können immer wieder repariert werden und dann laufen sie meist ewig.“ Heute werde viel auf Verschleiß gebaut. „Was lange hält, bringt kein Geld“, sagt Ebert. „Dabei werden immer mehr Rohstoffe verballert. „So ein Fortschritt ist eher ein Rückschritt. Er schadet den Ressourcen und schädigt die Umwelt.“