Colbitz l Herbert Bilang, ehrenamtlicher Leiter des Museumshofes, ist ein echter Experte, was Eulenkunde betrifft. Einerseits kümmert er sich fortwährend um Pflege und Erweiterung der Dauerausstellung zum Thema Eulen, andererseits liegen ihm die hier in der Region lebenden gefiederten Freunde am Herzen.

„Schleiereulen sind speziell. Als einzige brüten sie in Gebäuden. Mich stimmt es sehr froh, dass sich die Schleiereulen wieder hier niedergelassen haben. Wir beringen diese Eulen, um ihren Flugweg nachvollziehen zu können“, macht er deutlich. „Zum ersten Mal haben wir hier im vorletzten Jahr Eulen beringt“, sagt Herbert Bilang. „Dass Eulen drei Jahre hintereinander am selben Ort brüten, ist wirklich etwas Besonderes“, versichert der Colbitzer.

Er hilft bei der Beringung der Jungvögel, hat dieses schon etliche Male getan. Die flauschigen Federbündel werden noch vor dem Frühstück aus dem Schlaf gerissen. Björn Schäfer besteigt eine Leiter und nähert sich dem Nistkasten, der in luftiger Höhe unter dem Scheunendach angebracht ist. „Ich zähle drei Vögel“, sagt er. Also habe es knapp die Hälfte des Geleges geschafft, lautet Herbert Bilangs nüchterner Kommentar. „Wir haben anfänglich sieben Eier gezählt. Schade, dass nicht mehr Jungvögel geschlüpft sind. Doch sind drei Tiere besser als überhaupt keines“, sieht es der Colbitzer positiv.

Bilder

Vorsichtig werden die Jungvögel aufgenommen und einer nach dem anderen für den kurzen Weg zur Erde fachgerecht verpackt. All diese Dinge geschehen ohne Hast. So hält sich der Stress für die Schleiereulenkinder in engen Grenzen und sie lassen ohne große Regung die nun folgende Prozedur über sich ergehen.

Björn Schäfer ist seit vielen Jahren als ehrenamtlicher Beringer für die Vogelschutzwarte Hiddensee aktiv und regelmäßig Gast in der Elbe-Heide. Jeder Handgriff sitzt und in Windeseile sind die kräftig entwickelten Füße der Jungvögel mit einem Erkennungsring aus Aluminium versehen, der alle wichtigen Daten trägt. So kann das Verhalten der Tiere in freier Wildbahn verfolgt und dokumentiert werden. „Die Ringe bestehen aus unterschiedlichen Materialien, sind pflegearm und leicht, so dass die Vögel sie kaum spüren“, ist sich Herbert Bilang sicher. Der Mann weiß, wovon er spricht. 60 Jahre Eulen-Erfahrung hat Herbert Bilang auf dem Buckel. Der 74-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender des NaBu-Landesverbandes Sachsen-Anhalt, Mitglied der Arbeitsgruppen Eulenschutz für Deutschland und für Sachsen-Anhalt.

Das Gewicht ist entscheidend

Nach dem Beringen werden die drei Schleiereulenkinder gewogen. Deren Gewicht liegt zwischen 330 und 414 Gramm. Damit haben die Jungen das Gewicht der Altvögel erreicht. Bevor sie ausfliegen, können sie durchaus schwerer als ihre Eltern sein. Danach nehmen sie wieder ab, dem Energieverbrauch durchs Fliegen geschuldet. „Das Gewicht ist recht ordentlich. Es verrät die gute Versorgungslage und spricht dafür, dass die Jungvögel genug Nahrung bekommen“, erklären Bilang und Schäfer. Die Annahme wird beim Blick in den Nistkasten bestätigt. Dort haben die Altvögel einen Vorrat an Mäusen angelegt. Ein paar Rauchschwalben haben sie ebenfalls gefangen, um ihre Jungen satt zu bekommen. Pro Tag brauche eine Schleiereule, zwei bis drei Mäuse, um genug Nahrung zu haben, weiß Herbert Bilang.

Nach Beringen, Wiegen und Fotoshooting werden die Jungvögel wieder an ihren angestammten Platz verbracht. Dort können sie sich vom Stress erholen und womöglich eine Maus verputzen.

Derweil dokumentieren die beiden Vogelkundler die erfassten Daten. Der Ring sei eine Art „Personalausweis“, mit dem die Eulen direkt identifiziert werden können. Er hilft den Experten zu Erkenntnissen, wie es um die Population bestellt ist. „Uns interessieren natürlich auch Beobachtungen, die die Bevölkerung macht. Wir möchten Artenschutz praktizieren, daher sind solche Informationen bei Sichtung der Vögel sehr wichtig“, bittet Herbert Bilang um Unterstützung. Er ist unter der Telefonnummer: 0152/23 32 88 37 zu erreichen.

Wer gern mehr über die Eulen erfahren möchte, kann sich die Ausstellung im Colbitzer Museumshof ansehen. Die Mehrzahl der europäischen Eulen sind dort als Präparate im natürlichen Lebensraum dargestellt. Unter ihnen findet sich auch der Waldkauz – Vogel des Jahres 2017. „Das ausgestopftes Exemplar eines jungen Waldkauzes ist der einzige Todfund, den wir bislang zurückbekommen haben“, berichtet Herbert Bilang.

Optimal wäre es, die Alttiere beim Brüten und die Jungtiere beim Heranwachsen live beobachten zu können. „Leider fehlen uns die Mittel, Kamera und Monitor anzuschaffen“, weiß Bilang. Vielleicht könne diese Lücke in Zukunft einmal geschlossen werden, wünscht sich der Vogelkundler.