Wolmirstedt l Die zehnten Klassen feiern am Freitag, 10. Mai 2019, ihr letztes Klingelzeichen. Lange haben sie sich darauf gefreut, am Donnerstagnachmittag eifrig die Schule geschmückt. Doch in die ausgelassene Freude mischt sich die Sorge: Wird wieder ein Feuer gelegt? „Man muss wirklich Angst haben“, sagt Schülersprecherin Jasmin Schulz. Die 17-Jährige weiß: „Viele Schüler kommen inzwischen zur Schule und hoffen, dass nichts passiert.“

Am Mittwoch, 8. Mai 2019, wurde ein Papierhandtuchhalter in der Mädchentoilette der ersten Etage des Westflügels angezündet. Es war die dritte Brandstiftung dieser Art. Erst zwei Tage zuvor war das Feuer auf die gleiche Art im Ostflügel gelegt worden. Die erste Brandstiftung dieser Serie erfolgte am 6. Februar 2019 im Untergeschoss.

Mann an der Schule gesehen

Die Schüler machen sich so ihre Gedanken, fragen sich, ob Mädchentoiletten gezielt ausgesucht wurden. Sie sind kaum noch benutzbar, brennendes Plastik hat einen beißenden Geruch hinterlassen. Immerhin: Die Toilette, in der im Februar gezündelt wurde, ist inzwischen wieder hergerichtet.

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Im Februar wurde ein Täter von der Polizei dingfest gemacht und kurz darauf auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Grund: „Es besteht ein Anfangsverdacht“, sagt Staatsanwaltschafts-Sprecher Frank Baumgarten, „die Ermittlungen dauern an.“ Am Montag wurde ein Mann gesehen, der deutlich älter ist, als die Schüler der Leibniz-Schule, direkt erkannt wurde die Person nicht.

Am Mittwoch kam der junge Mann an die Schule, der nach dem Februar-Feuer von der Polizei gestellt worden war. Schüler berichten, er habe vor der Turnhalle gestanden und ihnen gegenüber beteuert, den Brand am Montag habe er nicht gelegt. Wenige Zeit später wurde das Mittwochsfeuer entdeckt. Zwei Schulmitarbeiterinnen haben es mit dem Feuerlöscher erstickt. Die Feuerwehr musste in diesem Fall nicht ausrücken.

Polizei warnt vor Vorverurteilung

Dennoch: Was einen möglichen Täter anbelangt, warnt Polizeisprecher Matthias Lütkemüller unbedingt vor jedweder Vorverurteilung. „Es gibt keine Zeugen, die jemanden in der Damentoilette gesehen haben.“ Auch die Ermittlungsergebnisse reichen bisher nicht aus, um jemanden zu beschuldigen. Ungeachtet dessen widmet sich die Polizei akribisch dem Fall, hat jegliche Spuren gesichert, wertet sie aus, hat Lehrer und Schüler befragt.

Schulleiter Ingolf Berg indes hat die Faxen dicke. Er möchte die Sicherheit aller gewährleisten, die diese Schule besuchen. Vorerst hat er den Hausmeister beauftragt, jegliche Papierhandtuchhalter abzubauen. Außerdem hat er seine Forderungen an den Landkreis bekräftigt. Die lauten: Die Schule soll eine Eingangstür bekommen, die nur von innen zu öffnen ist. Eine Klingel und eine Kamera sollen die Verbindung zwischen dem Besucher und dem Sekretariat herstellen. Weiterhin soll sich der Hausmeister ausschließlich in der Schule aufhalten. Derzeit betreut er noch ein Landkreis-Objekt in der Schwimmbadstraße. Ingolf Berg hält auch einen Sicherheitsdienst für angebracht. Außerdem hat er den Innenminister um Unterstützung gebeten.

Schüler sind tapfer

Die Kinder seien trotz des mulmigen Gefühls sehr tapfer, hat Ingolf Berg erfahren. „Sie halten zu ihrer Schule, haben sogar Vorschläge für Sicherheitsmaßnahmen gemacht.“ Er ist in jede Klasse gegangen, hat noch einmal die Fluchtwege erklärt und darauf hingewiesen, dass die Brandschutztüren Fluchtwege sichern und einem Feuer mindestens 30 Minuten standhalten. Trotzdem seien die Mädchen und Jungen besonders angehalten, jeden Schulfremden zu melden.

Die Brandschutztüren wurden im vergangenen Jahr eingebaut und haben sich bereits beim „Montagsfeuer“ bewährt. Doch nun, nach der dritten Brandstiftung, sucht das Amt für Gebäudemanagement des Landkreises nach Möglichkeiten, wie die Sicherheit erhöht werden kann. Am Freitag will Landrat Martin Stichnoth Ergebnisse vorstellen. Jasmin Schulz steht zu ihrer Schule: „Wir sind sauer, dass es passiert.“