Ebendorf l Am Ebendorfer Steinbruch steht ein Feuerwehrauto, das Blaulicht blinkt hektisch. Viele Menschen in Feuerwehruniformen stehen am Steilufer, auf dem Wasser treibt ein Gummiboot, mit Einsatzkräften besetzt. Die sind noch sehr jung, noch lange nicht volljährig, die gesamte Atmosphäre wirkt entspannt. Schnell ist klar, es handelt sich um eine Übung. Zwei leblose Personen sind Gummipuppen, anschließend müssen noch ein aufgeblasener Affe und eine Gummiente gerettet werden. „So einen Einsatz habe ich noch nicht geübt, seit ich bei der Jugendfeuerwehr bin“, zeigt sich Nevio Zacharias begeistert.

Der Elfjährige gehört zu den 30 Mädchen und Jungen der Gemeinde Barleben, die einen 24-Stunden-Dienst der Berufsfeuerwehr imitieren. Dieser Einblick in das echte Feuerwehrleben ist in der Jugendfeuerwehr Tradition. „Wir bieten jedes Jahr einen Berufsfeuerwehrtag an“, sagt Ines Opitz. Sie ist Betreuerin der gastgebenden Ebendorfer Truppe und weiß: „Diese 24 Stunden sind der jährliche Höhepunkt im Jugendfeuerwehrleben.“ Dabei können die Mädchen und Jungen zeigen, was sie während ihrer Ausbildungen bisher gelernt haben.

Die Szenarien für die Einsätze überlegen sich die Betreuer im Vorfeld, organisieren sich im Bedarfsfall auch Hilfe. Zum ersten Einsatz wurden die Jugendlichen schon kurz nach ihrer Ankunft im Gerätehaus am Freitagabend gerufen. Sie mussten eine Person aus einem „brennenden“ Auto retten. „So etwas habe ich noch nie gemacht“, sagt der 14-jährige Carlo Böttger, „dabei habe ich viel für den Ernstfall gelernt.“

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Carlo gehört zur Ebendorfer Jugendfeuerwehr und ist dort bereits als Zehnjähriger eingetreten. Seine Motivation formuliert er klar: „Ich möchte Menschenleben retten.“

Als die „Berufsfeuerwehr“ erneut alarmiert wurde, stand eine Höhenrettung an. Unter diesem Oberbegriff verbarg sich ein (gespieltes) Drama an der ehemaligen Barleber Grundschule. Die Geschichte ging so: Die Schulmitarbeiter hatten Feierabend gemacht und die Dachdecker auf dem Dach vergessen. Einer war ohnmächtig geworden und gegen den Schneefang gerutscht, ein zweiter war ebenfalls in einer misslichen Lage, der dritte alarmierte die „Feuerwehr“.

Die Jugendlichen mussten nun die „Dachdecker“ vom Dach holen. Dafür nutzten sie eine Steckleiter, forderten aber auch die Drehleiter der Wolmirstedter Feuerwehr an.

In Wirklichkeit steht das Gebäude leer, die vermeintlichen Dachdecker waren Feuerwehrleute.

Der dritte Alarm galt den „leblosen“ Personen, Gummienten und -affen im Steinbruch und richtig brenzlig wurde es noch einmal zum Schluss.

Im alten Meitzendorfer Schulhaus wurde Rauch festgestellt. Als die Jugendlichen anrückten, erfuhren sie, dass auch Personen vermisst werden. Der Rauch war natürlich nicht echt und entwich einer Nebelmaschine. Trotzdem schnallten sich die „Einsatzkräfte“ Attrappen von Atemschutzgeräten auf den Rücken. „Wir wollen wenigstens das Gefühl der echten Einsätze vermitteln“, sagt Ines Opitz.

Am Ende wurde alles gut. Die Nebelmaschinen wurden abgeschaltet, das Luft aus den Rettungsbooten gelassen, die Betten im Gemeinschaftsraum der Ebendorfer Feuerwehr, in denen die Kinder genächtigt hatten, weggeräumt, die „geretteten“ Personen gingen ihrer Wege.

Ines Opitz zeigt sich zu frieden, vor allem über die große Unterstützung. „Hier haben 16 Betreuer zusammengearbeitet, außerdem hatten wir tolle Sponsoren. Wir mussten für das Essen kein Geld aus der Kasse nehmen.“