Elbe-Heide l Alle innerörtlichen Bäume, die in die Zuständigkeit der Verbandsgemeinde fallen, sind darin verzeichnet. Die Gehölze an Straßen, in Parks oder auf Spielplätzen stehen inzwischen unter ständiger Beobachtung. Elbe-Heide l Annett Heller ist Mitarbeiterin im Bauamt der Verbandsgemeinde Elbe-Heide und hier verantwortlich für den Baumschutz. Ihr „Schützlinge“ hat sie über das digitale Liegenschaftsprogramm im Blick. Und das sind nicht wenige. Immerhin stehen in den Orten insgesamt 9962 Bäume, die in die Zuständigkeit der Gemeinden fallen. „Die gemeindlichen Bäume haben eine Bedeutung als Schattenspender, Luftreiniger und Klimaschützer“, erklärt Annett Heller.

Verkehrssicherungspflicht für Bäume

Im Laufe ihres Lebens kann von ihnen auch eine Gefahr ausgehen. Schließlich leben Bäume und Menschen in einem engen Geflecht miteinander. „Da haben die Gemeinden auch immer eine sogenannte Verkehrssicherungspflicht.“

Erfassung schlummerte im Aktenschrank

In einem aufwendigen Verfahren seien nun die Bäume in den Orten in einer Datenbank, dem Baumkataster erfasst. Mit einem sogenannten Geo-Mapper wurden die GPS-Daten der Bäume von einer externen Firma eingemessen und erfasst. „In den letzten 20 Jahren waren des öfteren ABM-Kräfte unterwegs, um die Bäume in den Gemeinden zu erfassen“, so der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Elbe-Heide, Thomas Schmette. Die geschriebenen Protokolle schlummerten später in den Aktenschränken. Die Anzahl der Bäume in den Gemeinden sei lange Zeit nur eine geschätzte Zahl gewesen.

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Doch inzwischen sind alle Bäume, egal ob an den Straßen, in den Parks, auf Friedhöfen oder Kinderspielplätzen im digitalen Baumkataster verzeichnet. Hinter dem grünen Punkt auf dem Bildschirm mit der Karte der Verbandsgemeinde sind alle wichtigen Daten erfasst. Baumart, Stammumfang, Höhe und Vitalität sind hier aufgeführt.

„Die älteren Bäume in den Gemeinden werden ein- bis zweimal im Jahr kontrolliert“, erklärt Annett Heller. Sie müssen in Augenschein genommen werden um festzustellen ob sie Verkehrssicher sind oder ob Maßnahmen wie Totholzbeseitigung, Lichtraumprofilschnitt oder Bruchstellen nachschneiden nötig sind. Dies müsse in regelmäßigen Kontrollintervallen fest gestellt werden.

Hin und wieder muss gefällt werden

Hin und wieder würden die Experten auch zum Fällen mancher Bäume raten. Ein solcher Schritt werde jedoch in der Verbandsgemeinde nicht vorschnell in die Tat umgesetzt. Denn das Fällen von gemeindlichen Bäumen sei auch immer an einen Gemeinderatsbeschluss gekoppelt.

13 Prozent des Baumbestandes in den Orten sind laut Baumkataster nicht älter als 15 Jahre. Der weit größere Anteil der Gehölze in Zuständigkeit der Gemeinden, etwa 41 Prozent, sind Bäume bis zu einem Alter von 50 Jahren. Darüber hinaus gibt es noch 36 Prozent, die dieses Alter schon überschritten haben.

17 dicke Dinger im Baumkataster

Mit einem Stammumfang von um die fünf Meter seien im Baumkataster der Verbandsgemeinde 17 Bäume erfasst. Anhand des Stammes könne nur vermutet werden, dass diese Gehölze hier schon 200 bis 300 Jahre stehen. „Laut unseren Aufzeichnungen befindet sich der schätzungsweise älteste Baum in Hillersleben“, so Annett Heller. Der Stammumfang einer Platane auf dem Spielplatz ließe dies vermuten.

„Bis vor zwei Jahren galt ja noch die Wenddorfer Eiche als ältester Baum der Verbandsgemeinde“, berichtet Thomas Schmette. Der hätte jedoch schon riesige Löcher gehabt und sei daher gefällt worden.

Auch Exoten sind verzeichnet

Daneben wurden bei der Erstellung des Katasters auch so mancher Exot entdeckt. So stehe beispielsweise ein Geweihbaum auf dem Sportplatz in Rogätz.

„Es ist noch Platz in den Dörfern“, sagt der Verbandsgemeindebürgermeister, der sich über jeden neu gepflanzten Baum freue. „Allerding muss dabei immer auch bedacht werden, dass der Baum auch Geld kostet.“ Dabei sei die Anschaffung eines neuen Baumes nur die eine Seite der Medaille. Es müsse auch daran gedacht werden, dass der junge Baum viel Pflege benötige. „Ein junger Baum braucht in den Monaten ohne Niederschläge eine Bewässerung.“ Bis sich ein solcher Baum vollständig selbst versorgen könne, vergingen gut sieben bis zehn Jahre, je nach Baumart.

Bewohner bewässern freiwillig

Hier sei manchmal auch bürgerliches Engagement gefragt, sagt der Verbandsgemeindebürgermeister. „Beispielsweise sind in Dolle vor einiger Zeit junge Bäume auf den Seitenanlagen einer Straße gepflanzt worden.“ Einwohner des Ortes hätten sich daraufhin gefunden, die eine Bewässerung der Pflanzung übernommen hätten. „Gerade in den trockenen letzten zwei Jahren hätten die Bäume sonst nicht anwachsen können.“

Längst nicht alle Bäume, die in den Orten stünden, seien auch in der Zuständigkeit der Gemeinden. Bäume an Landes- oder Kreisstraßen müssten dementsprechend auch dem Land Sachsen-Anhalt oder dem Landkreis Börde zugeordnet werden. Die kleine weiße Marke mit der Zahl darauf, die an den Bäumen angebracht seien, würden sie als Gemeinde-Baum ausweisen.

Bäume in Neuenhofe ohne Nummer

Warum jedoch Unbekannte in Neuenhofe gut 90 Prozent der Marken von den immerhin 488 Bäumen entfernt haben, ist sowohl Thomas Schmette als auch Annett Heller noch unklar. „Da hat sich jemand sehr viel Mühe gemacht“, sagt Schnette. Er vermutet, dass die Markendiebe möglicherweise glaubten, die Nummerierung würde bedeuten, dass die Bäume gefällt werden sollten. Aufklärung der Bewohner sei hier nötig. „Die Zahl an den Bäumen ist wichtig“, so Annett Heller. Wenn beispielsweise ein Bewohner davor warnt, dass ein Ast eines Baums auf die Straße oder den Gehweg stürzen könnte, sei die Angabe dieser Nummer wichtig. „Handelt es sich um einen Baum in einer Allee, würde bei den Mitarbeitern der Gemeinde, die die Gefahr beseitigen sollen, ein großes Rätselraten beginnen.“