Streuobstwiesen sind prägender Bestandteil der Kulturlandschaften

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) unterstützt den Obstanbau auf Streuobstwiesen als prägenden Bestandteil der Kulturlandschaften.

Streuobstbau ist eine Form des Obstbaus, bei dem mit umweltverträglichen Bewirtschaftungsmethoden Obst auf hochstämmigen Baumformen erzeugt wird. Die Bäume stehen im Gegensatz zu niederstämmigen Plantagenobstanlagen häufig verstreut in der Landschaft.

Streuobstbeständen gemeinsam ist die regelmäßige Nutzung sowohl der Hochstamm-Obstbäume (Obernutzung) als auch der Flächen unter den Bäumen (Unternutzung). Die umweltverträgliche Nutzung eines Streuobstbestandes schließt die Anwendung synthetischer Behandlungsmittel wie Pestizide und Dünger aus.

Die häufigste Anlageform ist die Streuobstwiese, bei der hochstämmige Obstbäume auf Wiesen, Weiden oder Mähweiden stehen.

Nach Nabu-Schätzungen existieren bundesweit rund 300 000 Hektar Streuobstbestände, davon über 95 Prozent Streuobstwiesen.

Andere Streuobstbestände sind flächenhafte Anpflanzungen von Hochstamm-Obstbäumen auf ackerbaulich oder gärtnerisch genutzten Flächen, sogenannte Streuobstäcker. Diese waren Anfang des 20. Jahrhunderts insbesondere auf ehemaligen Weinbaulagen weit verbreitet und kommen heute nur noch im südlichen Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Franken und Südbaden vor. Auch hochstämmige Obstalleen an Feld- und Fahrwegen (Straßenobst), in Hausgärten oder hochstämmige Einzelbäume in der freien Landschaft gehören zum Streuobstbau.

Quelle: Naturschutzbund Deutschland

Colbitz l Ein sonst üblicher Bestandteil der traditionellen Streuobstwoche der Naturschutzjugend fällt in diesem Jahr aus: das Ernten und Verarbeiten des Obstes. „Leider geht es uns ebenso wie vielen Obstbauern. Die starken Fröste mitten in der Blüte ließen kaum Obst auf unserer Streuobstwiese wachsen“, bedauert Hartwig von Bach, Jugendbildungsreferent beim Nabu Sachsen-Anhalt.

Dennoch gibt es auf dem Areal am Ortsrand von Colbitz reichlich zu tun. Die Wiese muss gemäht und das wildwachsende Buschwerk zurückgeschnitten werden. „Das ist wichtig, damit der Wiesencharakter erhalten bleibt“, betont Hartwig von Bach. Auch die Sturmschäden der vergangenen Wochen sind aufzuarbeiten. Ein Baum ist komplett umgestürzt, von anderen sind etliche Äste abgebrochen.

Ernte fällt aus

Das Bruchholz nutzen die Jugendlichen gleich für ein Lagerfeuer, an dem sie sich in der Pause aufwärmen können. Zwölf Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Orten Sachsen-Anhalts nehmen an der Ferienfreizeit teil. Dabei ist aber nicht nur Arbeiten angesagt.

Auf dem Programm stehen unter anderem auch ein Besuch in der Magdeburger Bade-, Sauna- und Fitnesswelt „Nemo“ oder ein Spaziergang im Wolmirstedter Küchenhorn. Die Jugendlichen, die im Wolmirstedter Bildungs- und Freizeitzentrum Quartier bezogen haben, schwärmten am Dienstag aus, um Äpfel von den Märkten einzukaufen.

Teilnehmer haben viel zu tun

 „Die verschiedenen Sorten haben wir gekostet und dabei teils erhebliche Unterschiede im Zuckergehalt und Aroma festgestellt“, berichtet Hartwig von Bach. Als Lieblingsapfel der Jugendlichen stellte sich dabei die Sorte „Santana“ heraus, die im Alten Land bei Hamburg angebaut wird.

Von Bach bedauert allerdings, dass es auf der Colbitzer Streuobstwiese immer wieder zu Diebstählen und Vandalismus kommt. So sei der Zaun, der das Areal absichern soll, an einer Stelle heruntergetrampelt worden. „Wenn sich einige Bürger hier Obst pflücken, kann ich das ja noch verstehen. Wenn aber das Holz, welches die Jugendlichen für den Bau eines Insektenhotels schon zugeschnitten hatten, geklaut wird, ist das kein Kavaliersdelikt mehr.“

Neben der Arbeit steht die Bildung

Bereits seit 17 Jahren betreut und pflegt die Naturschutzjugend die Colbitzer Streuobstwiese bei ihren Ferienfreizeiten. „In der naher Zukunft müssen wir allerdings damit anfangen, einige Obstbäume nachzupflanzen, so der Jugendbildungsreferent. Er freute sich ebenso wie die Jugendlichen über ein Spende der Colbitzer Corvinus-Apotheke. Anne-Kathrin Haus hatte bei ihrem Besuch einen Beutel mit Süßigkeiten und ein Notfall-Set mitgebracht.