Samswegen l Es kreucht und fleucht in der Hägebachaue nördlich von Samswegen. Davon haben sich nun auch einige Politiker ein Bild gemacht und dabei auch nicht davor zurückgeschreckt, für eine Beobachtung in die Knie zu gehen und genauer hinzuschauen. Dadurch eröffnete sich ihnen eine Welt, die aufgrund ihrer geringen Größe von den Menschen oftmals übersehen wird und dennoch vor Leben nur so strotzt. Denn in der Hägebachaue tummeln sich unter anderem eine Vielzahl von Insekten und Kröten.

Dies habe bis vor einigen Jahren noch ganz anders ausgesehen. Die Artenvielfalt in und um den Hägebach war durch menschliche Eingriffe, insbesondere der Trockenlegung und dem Torfabbau in dem Gebiet, massiv eingebrochen. Über diese für die Natur einschneidenden Erlebnisse erzählte Jörg Brämer, Vorsitzender des Nabu-Ortsverbands Barleben, den Exkursionsteilnehmern. Darunter waren neben Landrat Hans Walker auch die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden Erika Tholotowsky, Martin Stichnoth und Franz-Ulrich Keindorff sowie der Fachdienstleiter für Natur und Umwelt des Landkreises Börde, Dieter Torka.

Landkreis kaufte Flächen auf

Die Politiker machten sich vor Ort ein Bild von der Tier- und Pflanzenwelt, die nach ihrem einstigen Rückgang wieder ein Comeback feiert. Dies sei vor allem der guten Zusammenarbeit von Landkreis und Nabu zu verdanken, meint Jörg Brämer. Ein erster Schritt zur Wiederbelebung der Biotope wurde bereits 1978 gemacht, als Teile der Hägebachaue zu Flächennaturdenkmälern erklärt wurden. Jörg Brämer verweist auf den ehemaligen Kreisnaturschutzbeauftragten Gerd Zörner, dessen Engagement das maßgeblich zu verdanken sei.

Bilder

Seit 1992 hat der Landkreis infolge einer Flurneuordnung kontinuierlich Flächen der Hägebachaue aufgekauft, um sie wieder der Natur zu überlassen. Der Mensch hält sich trotzdem nicht völlig aus dem Geschehen in der Aue heraus, sondern versucht der Natur bei ihrer Rückeroberung unter die Arme zu greifen. Dazu wurde 2008 ein Vertrag zwischen Landkreis und Nabu geschlossen. Bei der Renaturierung halfen zunächst Ein-Euro-Jobber, später Praktikanten des Nabu oder Leute, die dort ihren Bundesfreiwilligendienst oder ihr Freies Ökologisches Jahr absolvierten.

Zu deren Aufgabe zählte beispielsweise das Fällen von Erlen, die mit ihren langen Schatten die Wiesen der Aue verdunkelten und dadurch die Artenvielfalt beschränkten. Diese Maßnahme zeigte Erfolg. „2012 haben wir hier nur 20 Orchideenexemplare gezählt. 2016 waren es bereits wieder knapp 400 Exemplare“, sagte Susen Schiedewitz. Die Ökologin hatte für den Landkreis einst ein Pflegekonzept für die Hägebachaue erstellt und untersucht seitdem regelmäßig die Fortschritte in dem Gebiet. Neben den Zuwachs an Orchideen steige beispielsweise auch die Zahl der Libellen wieder an. 23 Libellenarten habe sie vor Kurzem gezählt und schätzt den wahren Bestand sogar auf 35 Arten, darunter auch sehr seltene Exemplare. Dies sei auch dem vielfältigen Biotop zu verdanken.

Artenvielfalt steigt wieder

Genauer gesagt, besteht die Hägebachaue nämlich aus mehreren Lebensräumen. „Die Besonderheit hier ist, dass es feuchte und trockene Biotope nur wenige Meter nebeneinander gibt“, sagte Jörg Brämer. Mit ersterem meinte er den Hägebach und seine unmittelbare Umgebung, wo beispielsweise auch Biber heimisch sind und insgesamt drei Dämme in seinem Verlauf gebaut haben.

Es folgt eine Wiesenlandschaft, in der sich unter anderem die besagten Orchideen befinden, sowie eine Vielzahl von Schmetterlingen und anderen Insekten umherschwirrt. Auch eine Wespenspinne stieß dort auf das Interesse der Exkursionsteilnehmer. Schließlich gibt es noch eine Binnendüne. Ein sehr trockener Ort, und dennoch sprießt auch hier das Leben. Beispielsweise in Form der Blauflügeligen Ödlandschrecken, die ebenfalls die Neugier der Besucher aus der Politik erweckte.

Das war auch das Ziel der Flurbegehung, wie Jörg Brämer erklärte: „Der Landkreis hat 25 Jahre in das Gebiet investiert. Wir wollen nun zeigen, dass es gut investiertes Geld ist und der Landkreis stolz auf dieses Gebiet sein kann.“ Dem stimmte Landrat Hans Walker zu: „Es war wichtig, mal einen Eindruck von dem Gebiet zu bekommen und zu sehen, welche Tiere und Pflanzen es hier inzwischen wieder gibt.“ Das sieht auch sein künftiger Nachfolger Martin Stichnoth so und ließ bereits durchblicken, dass auch er das Naturschutzprojekt in der Hägebachaue unterstützen werde.