Wolmirstedt l Eigentlich wollte Wolmirstedt das Kapitel „Jahnhalle“ zum Jahresende abschließen, die Halle verkauft haben. Daraus wird nun wohl nichts, bisher ist kein Käufer in Sicht. Nun soll es eine neue Ausschreibung geben. Peppiger soll sie sein und vermitteln, dass der Preis nicht in Stein gemeißelt ist. Auch über die weitere Nutzung könne nach der neuen Ausschreibung verhandelt werden. Die muss nicht mehr zwingend sportlicher Natur sein.

Noch aber ist die Jahnhalle eng verbunden mit dem Fitness- und Gesundheitszentrum „Speed“, Geschäftsführer ist Sascha Zimmermann. Er ist mit dem „Speed“ Mieter in der Halle, würde sie gerne kaufen und darin das Studio weiterbetreiben. Allerdings sieht er sich nicht in der Lage, den geforderten Preis zu bezahlen. Er sagt, die Banken würden so viel nicht finanzieren. Nun weiß er nicht, wie es weitergeht und erwägt, das Studio zum Jahresende endgültig zu schließen.

Das betrübt einige Nutzer des Gesundheitszentrums sehr. Sie würden dort gern weiter trainieren. So wie Gerhard Rentzsch. Der Rentner spricht im Namen einiger Mitsportler: „Wir wollen, dass sich die Stadt und Herr Zimmermann einig werden. Es gibt in unmittelbarer Nähe kein vergleichbares Leistungs- und Gesundheitszentrum.“ Heißt: Gerhard Rentzsch meint, die Stadt soll unter allen Umständen verkaufen. Der 81-Jährige würde sich wünschen, dass CDU-Sport- und Innenminister Holger Stahlknecht als Schlichter auftritt. Ein Brief an ihn ist unterwegs.

Zimmermann bittet Stadtrat um Gespräch

Sascha Zimmermann seinerseits hat sich an die Stadträte gewandt und um ein Gespräch gebeten. Dazu lädt der Stadtratsvorsitzende Heinz Maspfuhl am 12. November die Fraktionsvorsitzenden sowie Sascha Zimmermann ein. Was erwartet der Stadtratsvorsitzende? „Das Gespräch findet ohne Vorbedingungen statt.“

In der Tat scheint eine Annäherung eher unwahrscheinlich. Die Summe, die Sascha Zimmermann nach seinen Angaben über die Bank finanzieren könnte, macht etwa die Hälfte dessen aus, was im Verkehrswertgutachten ermittelt wurde. Dieses Gutachten hat die Stadt bei einer öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen in Auftrag gegeben und nach dem Kommunalverfassungsgesetz gibt es wenig Spielraum an der Preisschraube zu drehen. „Die Kommune ist verpflichtet, den aktuellen Verkehrswert zu fordern“, macht Bürgermeisterin Marlies Cassuhn deutlich.

Öffentliche Gelder müssen im Sinne aller Bürger sorgsam verwaltet werden. Wie hoch die Abstriche im Zuge der erneuten Ausschreibung dennoch sein könnten, ist nicht bekannt. Verwaltung und Stadtrat werden bei Bedarf agieren.

Die ungewisse Zukunft der Halle lässt den Betrieb des Fitnessstudios indes gehörig wackeln. Sascha Zimmermann konstatiert, das Studio habe fast 200 Mitglieder verloren. Auch zwei Trainer haben sich beruflich anderweitig orientiert. Derzeit gibt es noch drei feste Mitarbeiter. Sascha Zimmermann weiß: „Auch sie haben Jobangebote und müssen an ihre Zukunft denken.“

Verlierer auf allen Seiten?

Gerhard Rentzsch kann indes nicht verstehen, dass die Stadt dem Speed-Betreiber nicht entgegenkommt. Wird die Halle nicht verkauft, fürchtet er: „Es wird nur Verlierer geben. Die Stadt erhält null Euro aus Verkauf und Steuern, aktive Sportler aus der Region können in der ... Anlage nichts mehr für ihre Gesundheit tun.“

Die Stadt indes braucht diese Halle nicht. Sie muss lediglich Sporthallen für den Schulsport bereit stellen. Mit der Halle der Freundschaft und den Sporthallen der Leibniz-Schule und Gutenberg-Schule sind ausreichend Hallen vorhanden, die auch für den Vereinssport genutzt werden. Die Sporthalle des Gymnasiums steht ebenfalls zur Verfügung, gehört aber dem Landkreis. Eine weitere Halle fiele in den Bereich der freiwilligen Leistungen der Stadt und die ist knapp bei Kasse.

Die Jahnhalle gehörte einst dem Taekwondo-Verein „Wolves“, wurde mit Fördermitteln saniert und ist nach Vereinsinsolvenz und langen Streitigkeiten im April in das Eigentum der Stadt zurückgegangen.