Engagement

Neue Lindenbäume für Glindenberg

Glindenberg ist um zwei Linden reicher. Dafür haben sich Einwohner stark gemacht und tief in die Tasche gegriffen.

Von Gudrun Billowie
Christine und Holger Bauer (v.l.), Franziska, Thomas, Birgit und Alexandra Schlenker sowie weitere Familienangehörige haben einen Baum für den Glindenberger Spielplatz gespendet.
Christine und Holger Bauer (v.l.), Franziska, Thomas, Birgit und Alexandra Schlenker sowie weitere Familienangehörige haben einen Baum für den Glindenberger Spielplatz gespendet. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt

Am liebsten würden Christine Bauer, Thomas Schlenker und ihre Familien selbst zur Schippe greifen und helfen, die Linde in die Erde zu setzen. Doch die Glindenberger erkennen an, dass die Arbeit in den Händen der Gartenbauprofis besser aufgehoben ist. Die haben einen Bagger mitgebracht, können den Baum von der Ladefläche des Lkw heben, wissen, wie viel Blähton als Drainage und Hornspäne als Langzeitdünger ins Pflanzloch gehören und haben die Kraft, die Erde rings um den Stamm fachgerecht festzustampfen. Den Familien Bauer und Schlenker blieb am Ende immerhin, Anerkennung zu spenden.

Es ist trotzdem ihr Baum, ein Schild kündet davon, sie haben ihn bezahlt und sich gekümmert, dass er aufgestellt wird. Dabei haben sie mit der Stadt Wolmirstedt zusammengearbeitet, haben gemeinsam einen Standort ausgesucht. Die Stadt wird sich an den Pflegekosten beteiligen.

So einen Baum gibt es nicht zum Nulltarif, die beiden Familien haben 450 Euro für eine Linde bezahlt. Eine weitere Linde wurde an der Kita in die Erde gesetzt, finanziert vom Kreisverband der Grünen. Beide Linden genügen den Ansprüchen an das öffentliche Grün.

„Ein neugepflanzter Baum sollte mindestens 12 bis 14 Zentimeter Stammumfang haben“, sagt Kerstin Pallmann, die im Rathaus für das öffentliche Grün zuständig ist, „außerdem werden im öffentlichen Raum nur Hochstämme gepflanzt.“ Schließlich sollen Bürger, Radfahrer und im Straßenbereich auch Lkw darunter hindurchpassen.

100 Liter Wasser zum Gießen

Damit so ein Baum wirklich anwächst, braucht er in den ersten zwei bis drei Jahren besondere Pflege. Diese Pflege ist für die Linden mit der Gartenbaufirma vereinbart. Dazu zählen Pflegeschnitte, aber vor allem regelmäßiges Gießen. Eine Gießkanne allein reicht nicht aus, pro Bewässerung müssen 100 Liter Wasser auf die Baumscheibe gelangen. Neuerdings werden dafür grüne Bewässerungssäcke in Stammnähe befestigt, die geben das Nass kontinuierlich ins Erdreich ab.

Der Standort der Bäume war zuvor mit Rathausmitarbeiterin Kerstin Pallmann ausgewählt worden. Am Spielplatz erlebten sie trotzdem eine Überraschung. Als der Bagger ins Erdreich drang, griff er in eine dicke Schicht Schotter. Darin wäre kein Baum glücklich geworden. Deshalb wurde spontan eine andere Stelle gewählt.

Untergrund muss geprüft sein

Gerade wegen der Überraschungen, die in der Erde lauern, kann nicht jeder nach Belieben einen Baum ins Stadtgebiet pflanzen. Deshalb möchte die Stadt ein Konzept entwickeln, an welcher Stelle Baumpatenschaften angestrebt werden. „Dazu müssen wir viele Daten sammeln“, erklärt Kerstin Pallmann. Wasser-, Strom- und Telefonunternehmen müssen angefragt werden, ob im anvisierten Gebiet Leitungen liegen. Erst, wenn dieses Konzept vorliegt, kann die Stadt künftigen Baumpaten ein fundiertes Angebot machen. In Magdeburg gibt es dieses Konzept schon lange, in vielen Parks stehen Bäume, an denen Schilder von Paten erzählen.

Die Glindenberger Familien sind nicht die ersten, die so eine Baumpatenschaft in Wolmirstedt übernehmen, aber die ersten, die tatsächlich einen Baum in die Erde gesetzt haben. Die Bewohner des Lustgrabens haben bereits 2019 im Rahmen ihres Adventsmarktes für Bäume gesammelt. Im Namen dieser Gruppe hatte Kathleen Rojahn bereits über 2000 Euro an die Bürgermeisterin Marlies Cassuhn übergeben.

Im Stadtpark Bäume der Lustgrabenbewohner

Dieses Geld wird im Herbst dieses Jahres ausgegeben, dafür werden Bäume für den Stadtpark gekauft. Der wird ab Juli umgestaltet, bekommt Bäume, Hecken, Mauern, Beleuchtung, Spielgeräte und eine neue Wegführung. Zum Schluss werden im Herbst Blumenzwiebeln in die Erde gesteckt, sowie neue Bäume gepflanzt. Die „Lustgraben-Bäume“ werden mit Schildern versehen.

„Die Herbstpflanzung ist sehr wichtig“, sagt Kerstin Pallmann, „damit es den Bäumen leichter fällt, anzuwachsen.“ Die Maipflanzung der Linden in Glindenberg sei die Ausnahme.

Die Stadt Wolmirstedt hat in der jüngster Vergangenheit selbst viele Bäume in die Erde gesetzt, unter anderem in Mose, am Ohredreieck, auf der Schlossdomäne sowie in der Rogätzer Straße. Die zeigen sich bisher sehr robust.