Wolmirstedt l Julius Waltinger hat lange im Zielitzer Bergbau gearbeitet und interessiert sich deshalb besonders für Notgeld, das im Bergbau ausgegeben wurde. „Es gab damals sehr viele Bergbaubetriebe“, erzählt Julius Waltinger, „deshalb gibt es auch sehr viel verschiedenes Notgeld aus dem Bergbau.“ Beim Treffen der Notaphilisten, der Papiergeldsammler, am Sonnabend in Auerbachs Mühle stöberte er nach fehlenden Exemplaren.

Dieses Notgeld ersetzte gewöhnliche Geldscheine, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Zeit der Inflation rar wurden, ebenso wie Münzen, die während des ersten Weltkrieges zu Rüstungsmaterial geschmolzen wurden. Damals bedruckten Betriebe alles, was sich halbwegs als Geldschein eignete, Stoff, Holz, Leder und natürlich Papier. Zum Notgelddrucken wurden große Einwickelbögen zerschnitten, aber auch Leinen. So gibt es Exemplare, die auf einer Seite das Firmenlogo tragen, auf der anderen Seite das Gesicht eines Geldscheins. Solch regionalen Sammlungen widmen sich die meisten anderen Notaphilisten. Bernd Beyer aus Westfalen ist vor allem auf der Suche nach westfälischem Geld, Andreas Ludwig aus Halle sammelt am liebsten Scheine aus Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Geschichte fasziniert

Das Treffen in Auerbachs Mühle hatte der Haldensleber Sammler Oliver Sens organisiert. Ihn und die anderen Geldscheinsammler fasziniert vor allem die Geschichte, die mit diesen Scheinen verbunden ist. Das Notgeld funktionierte im Prinzip so: Ein Arbeiter bekam statt Geld ein speziell bedrucktes Stück Papier. Damit konnte er beim Bäcker Brot kaufen. Der Bäcker löste dieses Notgeld bei der Bank ein. Der wichtigste Pfand bei diesem Ringtausch war ein Gefühl: „Man musste darauf vertrauen“, sagt Oliver Sens, „dass dieser Kreislauf funktioniert.“

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